Windows on ARM Kompatibilität: Die Henne, das Ei und diese eine App

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Windows on ARM Kompatibilität: Die Henne, das Ei und diese eine App

Snapdragon X in verschiedenen PC-Formfaktoren


Die neuen Snapdragon X Prozessoren von Qualcomm heben das Leistungsniveau von Windows on ARM deutlich an. Doch was nützt die beste Leistung, wenn man seine bevorzugte Software nicht nutzen kann oder Hardware nicht funktioniert? Die Frage nach der Kompatibilität ist daher mindestens ebenso wichtig.

Die Antwort auf diese Frage ist gleichermaßen einfach wie komplex.

Kann man sich einen Windows-PC mit ARM-Prozessor kaufen und auf diesem restlos all das tun, was auch mit einem “klassischen” x86-PC möglich ist?

Die einfache Antwort lautet “Nein”, und das wird mutmaßlich noch sehr lange Zeit oder sogar für immer so bleiben.

Die komplexe Antwort beginnt mit “Nein, aber” und danach muss man logischerweise sehr weit ausholen.

Grundsätzlich ist das Risiko, dass eine Software unter Windows on ARM überhaupt nicht läuft, inzwischen sehr gering. Quasi täglich werden Programme als native ARM-Versionen veröffentlicht, gleichzeitig ist die Leistung des Emulators deutlich besser geworden, sodass man oft gar keinen Unterschied mehr bemerkt, ob ein Programm nativ ausgeführt wird oder nicht.

Dennoch gibt es Ausnahmen: Die Dienstprogramme praktisch aller VPN-Anbieter laufen nicht, weil diese spezielle Treiber mitbringen. Der Google Drive Client ist nicht mit Windows on ARM kompatibel, hier gibt es ebenfalls noch keine native Version.

Discord wird emuliert, funktioniert aber nur eingeschränkt. Adobe Premiere Pro läuft extrem langsam und stürzt gelegentlich komplett ab. Die in Kürze erscheinende, native ARM-Version wird dieses Problem lösen, in vergleichbaren Programmen muss man aber mit ähnlichen Problemen rechnen.

Eine Liste von Programmen, die nachweislich mit Windows on ARM funktionieren, habe ich vor etwas mehr als eineinhalb Jahren gemeinsam mit der DrWindows-Community aufgestellt. Viele der Programme benutze ich noch immer und natürlich funktionieren sie weiterhin.

Aber wie man es auch dreht und wendet, und wie viele Ergebnisse man auch immer zusammenträgt: Am Ende bleibt es dem potenziellen Käufer eines Windows on ARM Geräts nicht erspart, sich vorab zu informieren, ob auch wirklich alle genutzten Programme laufen und ob die eigene Hardware ebenfalls kompatibel ist. Insbesondere Drucker und Scanner sind Problemkandidaten, wenn sie nicht die Windows-Standardtreiber nutzen.

Ich hatte mit dem Surface Pro 11 eine Schrecksekunde, als ich es an das Anker 778 Thunderbolt-Dock anschloss. Es passierte nämlich einfach gar nichts und auf dem Bildschirm erschien der Hinweis, dass das angeschlossene USB-Gerät nicht erkannt wurde. Einige Sekunden später jedoch sprang der an das Dock angeschlossene Monitor an, die LAN-Verbindung wurde aktiviert und die an das Dock angeschlossene Maus funktionierte ebenfalls. Die Meldung erscheint weiterhin bei jeder Verbindung mit dem Dock, ich kann allerdings keine Fehlfunktionen feststellen.

Womit ich mich bislang überhaupt nicht beschäftigt habe, sind Spiele. Gelesen habe ich, dass einige Spiele recht gut funktionieren, andere wiederum gar nicht. Allerdings glaube ich auch, dass diese Frage schlicht irrelevant ist, denn wer einen Spiele-PC sucht, wird keinen Gedanken an einen ARM-PC verschwenden.

Wenn ich mir jetzt diesen Beitrag so durchlese, frage ich mich, ob ich die ARM-Interessierten eher bestärkt oder eher verunsichert habe. Mir steht allerdings weder nach dem Einen noch nach dem Anderen der Sinn.

Für mich selbst kann ich sagen, dass mich die Begeisterung für Windows on ARM derzeit wieder so richtig gepackt hat. Während ich diesen Beitrag schreibe, warte ich gewissermaßen minütlich auf die Ankunft meines privat gekauften Surface Laptop 7 und ich bin wild entschlossen, diesen zu meinem primären Arbeitsgerät zu machen. Bis jetzt habe ich keinen Anlass, daran zu zweifeln, dass mir das auch gelingen wird.

Meine persönliche Begeisterung ändert aber nichts daran, dass es bei jedem Einzelnen, und sei er noch so positiv angetan, am Ende “diese eine App” sein kann, die nicht funktioniert und die Begeisterung schlagartig in Ernüchterung umschlagen lässt.

Die Verfügbarkeit von nativer ARM-Software bleibt weiterhin ein Henne-Ei-Problem: Ohne Kunden keine Entwickler und ohne Entwickler keine Kunden. Allerdings scheint sich das Momentum gerade ein wenig zu drehen. Schon vor dem Marktstart der Copilot-PCs wurden viele Programme nativ für ARM veröffentlicht, der Glaube daran, dass die Plattform sich endgültig etabliert, ist also zumindest teilweise vorhanden. Und mit steigenden Absätzen der Geräte wird irgendwann auch so etwas wie Druck entstehen, bestehende Kompatibilitätsprobleme zu lösen.

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