Politik Wahl in Hamburg: Erdrutschsieg für SPD, Debakel für die CDU

Supernature

Und jetzt?
Teammitglied
Bei der Bürgerschaftswahl in Hamburg hat die SPD voraussichtlich die absolute Mehrheit erreicht - die bisher regierende CDU hat ihre Stimmanteile fast halbiert und nur knapp über 20 Prozent der Stimmen erhalten.

Ich gebe zu, dass ich mit der politischen Situation in Hamburg nicht so vertraut bin - was um alles in der Welt hat die CDU denn angestellt, dass sie derart massiv abgestraft wird?
 

JensusUT

Senior Member
Ich gebe zu, dass ich mit der politischen Situation in Hamburg nicht so vertraut bin - was um alles in der Welt hat die CDU denn angestellt, dass sie derart massiv abgestraft wird?

Uns Ole (von Beust) hat August '10 hingeworfen. Nachfolger wurde Christoph Ahlhaus, den a) bis dato keiner kannte, b) keiner gewählt hatte und der c) einen Scherbenhaufen übernommen hat.
Gescheiterte Schulreform (von den Grünen angezettelt), rigider Sparkurs (sinnvoll, aber im Zuge der Milliardenzahlungen an die HSH Nordbank sind 100,- mehr KiGa-Gebühren pro Monat nun mal schwer zu vermitteln) und ein, sagen wir mal so, sicheres Gespür für Fettnäpfchen haben ihn chancenlos in diesem Wahlkampf ziehen lassen.

Das ist ein absolutes Olaf Scholz-Ergebnis! Ich hoffe nicht, die SPD denkt jetzt, der nächste Bundeswahlkampf wäre schon so gut wie gewonnen... Da sieht das Ergebnis ganz sicher anders aus...

Gruß
Jensus
 
Ja, was hat die CDU angestellt... Ich wohne noch nicht ganz so lange in Hamburg, sodass ich nicht mit allen Themen so tief vertraut bin, aber ich kann ja mal das ein oder andere nennen, was mir so spontan einfällt.

Elbphilharmonie - Die will zwar die Mehrheit der Hamburger nicht haben, aber man baut sie trotzdem. Schließlich wertet dies die Hamburger Kultur auf und schafft ein neues Wahrzeichen für die Stadt. Für den Hamburger gibt es aber eigentlich nur ein echtes Wahrzeichen: Den Michel. Egal. Aber das Wahrzeichen ist das kleinere Problem. Viel schlimmer sind die Kosten. Wie unschwer zu erkennen ist, sind die Kosten doch "etwas" höher als ursprünglich geplant. Elbphilharmonie und Wirschaftskriese haben also ein riesen Loch in die Kasse gerissen. Also muss Geld her. Wo holt man sich das aber am besten her? Da in hamburg die meisten Millinäre wohnen, könnte man ja dort etwas abknöpfen. Könnte man. Besser ist es aber, erst mal die Kita gebühren anzuheben. Und man erstellt ein Sparpacket, das unter anderem Streichungen in für Kultur (Museen kann man ja schließen, wir haben doch die Elbphilharmonie!) und bei der Bildung (Beispielsweise ist Hamburg das einzige Land, das die Mensen nicht mehr bezuschusst) vorsieht.
Ich spreche jetzt mal für die Studenten, denn ich gehöre selbst dazu: 10% höhere Essenspreise und etwas höhere Semestergebühren hört sich erst mal nicht so schlimm an, aber wenn man bedenkt, dass die Lebenshaltungskosten in Hamburg extrem hoch sind, zusätzlich noch Studiengebühren gezahlt werden müssen und und und... Ich könnte allein das Thema unendlich weit ausbreiten. Das schlimmste ist uns ja vorerst erspart geblieben, da der Senat sich vor Verabschiedung des Haushalts 2011 aufgelöst hat. Ich hoffe nur die SPD plant da mehr Geld ein.

Die Villa unseres (jetzt Ex-)Bürgermeisters Ahlhaus wird übrigens gerade für eine Millionen € Sicherheittechnisch aufgerüstet.

Aber back to topic: Die Schulpolitik war noch ein großes Thema, das der CDU geschadet hat. Das lag leider vor meiner Hamburg-Zeit, daher habe ich das nicht so ganz mitbekommen. Zuerst wollte man aber wohl alles revolutionieren und besser machen und dann wurde doch alles anders gemacht als ursprünglich versprochen.

Weiteres Wahlkampfthema: Wohnungsmangel. Die Wohnsituation ist in Hamburg so schlecht wie kaum woanders in Hamburg. Es ist nahezu unmöglich bezahlbare Wohnungen zu bekommen. ich suche auch schon seit längerem nach einer neuen Wohnung/WG. Nahezu aussichtslos... In der Vergangenheit wurden kaum neue Wohnungen gebaut. Alle Parteien haben diesbezüglich Besserung versprochen, aber ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass sich hier was ändert.

Es gäbe noch ein paar Punkte, die ich aufzählen könnte. Zusammenfassend kann man aber sagen, die CDU hat an den falschen Stellen gesparrt, und an den falschen Stellen Geld ausgegeben. Versprechen wurden nicht eingehalten und die Glaubwürdigkeit der Partei hat gelitten.

BTW: Eigentlich hätten noch gar keine Wahlen stattgefunden, aber die vorherige Koalition aus CDU und GAL hat sich nach internen Streitigkeiten aufgelöst. Daher wurden die Wahlen vorgezogen.
 
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