Verstärker isolieren, ich höre ständig Radiogeräusche im Hintergrund

Flaschengeist

fühlt sich hier wohl
Hallo Leute,

ich habe den Soundausgang meines PCs über so eine Billig-5.1-Anlage laufen. OK, ist ein Fehler... Egal. Jedenfalls hab ich in einem Lautsprecher ständig Radiogeräusche im Hintergrund. Habe schon den Verstärker mit Alufolie umwickelt und um den entsprechenden Eingang so einen Ferritkern gewickelt. Bringt das was (sieht nämlich nicht so aus)? Kennt jemand andere Möglichkeiten?
Darf ein Radiosignal überhaupt so stark sein?
 

Flaschengeist

fühlt sich hier wohl
Naja, 3 Ausgänge am PC (Front, Center/Subwoofer, Rear) in den Verstärker. Und nur der rechte Front-Speaker macht die Probleme. Schätze also mal, der Verstärker ist auf diesem Kanal schlecht isoliert bzw. zufälligerweise so gebaut, dass die Radiofrequenzen dort eben diese Geräusche entstehen lassen...
 

Jochen 11

assimiliert
sicher das es am Verstärker liegt? Schließ mal eine andere Box an den Ausgang an es könnte sich ja auch um eine defekte Abschirmung des Speakerkabels handeln.
 

Flaschengeist

fühlt sich hier wohl
Ja, liegt wohl am Verstärker. Habe gerade mal die Augänge von linkem und rechtem Frontlautsprecher vertauscht, jetzt habe ich links Radio.
 

CForce

kennt sich schon aus
Darf ein Radiosignal überhaupt so stark sein?

Die Frage sollte besser lauten:
Darf ein Verstärker eigentlich so unzureichend abgeblockt oder geschirmt sein?

Die Antwort ist nein! - zumindest nicht wenn er in DE verkauft wird und ein CE-Zeichen trägt bzw tragen muß.

Selbst wenn Du einen starken Radiosender in deiner unmittelbaren Nähe hast, muß dieser die EMV EMVU- Grenzwerte einhalten.
Die Störfestigkeit anderer Elektrogeräte, selbst von Empfangsgeräten in anderen Frequenzbereichen müßte in jedem Fall höher sein.
Der Hersteller garantiert mit dem CE-Zeichen die Einhaltung aller Bestimmungen, - auch der Störfestigkeit.
Kein Gerät mit CE-Zeichen dürfte von einem Radiosender gestört werden, bestenfalls ein Handy oder ähnlicher kleiner Sender in unmittelbarer Nähe dürfte Störungen verursachen - denn für diese Geräte gelten diese Grenzwerte NICHT und ein Handy überschreitet sie bei ungünstigen Empfang und in geringen Abstand schonmal um das 10000-fache.

Leider sieht die Praxis ganz anders aus, das CE-Zeichen ist meißt nicht einmal die Farbe wert mit dem es die Chinesen aufdrucken....

Mit Abschirmung oder der Verdrosselung der Leitungen wirst Du das Problem in aller Regel nicht restlos beseitigen können.
Damit Du das Radiosignal hören kannst muß es ja irgendwo im Verstärker demoduliert werden.
Oft ist es eine Direkteinstrahlung, gelegentlich kommt das (Sende)Signal auch erst über die Zuleitungen ins Gerät.
Bei Billiggeräten meißt schon über die Netzleitung...
Natürlich kann man versuchen die Einstrahlung des Signals durch Verdrosselung der Leitungen oder Schirmung des Gehäuses zu verringern, viel effektiver ist es jedoch das Signal dort im Gerät abzublocken wo es Demoduliert wird.

Nötig währe dieser Schei.. nicht, Du bist bei weitem nicht der einzige der mit dem Problem zu kämpfen hat.
Dabei währe es auf Seiten der Hersteller von so einem Schrott ein Leichtes die Bestimmungen zu erfüllen und die Geräte ausreichend störfest zu bauen.
Meißt sind es nur ein paar kleine Kondensatörchen im Gesamtwert von wenigen Cent die aus Kostengründen und wider besserem Wissens eingespart werden - zum Leidwesen der Kunden.

Eigentlich ist das Nichterfüllen der mit der CE Kennzeichnung garantierten Normen ein Mangel und man sollte (und könnte) so ein Gerät zurückbringen - macht nur leider keiner.
Die Verbraucher sind eben sehr leidensfähig... oder lassen sich zu leicht abwimmeln.

Ach ja,
Hier an meinem Rechner hängen zwei ca. 30Jahre alte Philips aktiv Boxen, gehörten 'mal zu einer potthäßlichen Hi-Fi Anlage, zumindest die Boxen waren klasse und sind es auch heute noch.
Störfestigkeit ist trotz des Philips-70er-Jahre-Drahtverhaus in den Kisten kein Problem.
Bin selbst Amateurfunker und meine Kurzwellenantenne hängt nur gut 10m entfernt auf dem Dach.
Den Boxen selbst macht das nichts, auch nicht bei 100W Sendeleistung.
Nur die Soundkarte im Rechner läßt sich im 20m-Band etwas "beeinflussen"...
"Stören" währe das falsche Wort, es handelt sich ja nicht um Empfangsgeräte und somit sind es keine "Störungen" sondern bestenfalls "störende Beeinflussungen"

Gruß
CForce
 

Bullabeisser

assimiliert
Was vielleicht noch helfen könnte - einen Versuch wäre es wert:

Mach mal am PC den Soundregler komplett auf, damit Du alle Eingänge und Ausgänge sehen kannst. Den Eingang fürs Micro ausmachen und bei den Ausgängen den für "Aux" auf OFF.

Ansonsten: wechsle mal den Verstärker. Conrad und Konsorten haben recht gute und kleine Verstärker für wenig Geld. Ich betreibe einen von Conrad mit 2x20W sinus und habe keinerlei Probleme (Trotz Amateurfunker in ca. 200m Luftlinie). Allerdings mußte ich bei mir den AUX-Ausgang auch ausmachen - Brummgeräusche. Ich fahr über den Lineout der Soundkarte auf den Verstärker.
 

QuHno

Außer Betrieb
Och... Amateurfunker (Bitte nicht mit CB Funkamateuren verwechseln!) machen (normalwerweise) keine Störungen, ein kräftiger kommerzieller KW oder MW Sender mit seinen kW bis MW Leistungen in der Nähe ist da meistens schlimmer.

Das Hauptproblem liegt aber eher im konzeptuellen Aufbau heutiger Verstärker mit ihren extrem hohen Verstärkungen und Bandbreiten bis in den MHz Bereich, die dann durch starke Gegenkopplungen von teilweise bis zu 80dB wieder niedergebügelt werden, um Verzerrungen zu minimieren.

Wenn das Störsignal seinen Weg zur richtigen Stelle findet - sprich: Da wo die größte Verstärkung stattfindet oder in die Gegenkopplungsschleife - ist meistens alles verloren, außer man weiß genau, wo man den kleinen pF Keramikkondensator anbringen muss, um das hochfrequente Signal "kurzzuschließen". Man sollte allerdings darauf achten, dass man dabei die Stabilität des Gesamtsystems nicht beeinflusst, sonst gibt's üble Schwingungen... ;)

Abschirmungen bringen nur etwas, wenn man alles abschirmt, hochfrequente Signale finden ihren Weg nahezu überall hin, wobei die Störung auf nur einem Kanal verdächtig nach einem Defekt wie z.B. einer "kalten" Lötstelle in dem Zweig klingt.

@Flaschengeist: Ferndiagnosen sind hier genau so zuverlässig wie eine Ferndiagnose beim Arzt. Am Besten suchst Du Dir eine Person vor Ort, die sich das Gerät einmal ansieht. Amateurfunker (die mit A Lizenz :D) sind meistens recht gut im eleminieren von solchen Sachen - einfach nur nach der nächsten großen Antenne sehen und nett nachfragen ;)

ot:
@CForce: A Lizenz?
 

Flaschengeist

fühlt sich hier wohl
Ok, vielen Dank für die Antworten!!

Das mit dem CE Siegel ist echt ne Schweinerei. Aber hätte ja sein können, dass man was machen kann... :rolleyes:
Und das mit den Ferndiagnosen kann ich gut nachvollziehen ;) !
 

TBuktu

assimiliert
Dann schliess die Eingänge mal kurz.
Wenn´s dann weg ist, ermittle einfach den maximalen Widerstand, der dafür nötig ist.
Aufschrauben und die Masse checken ist natürlich auch Pflicht :D

Gruss
Tim
 

CForce

kennt sich schon aus
Ja, oft sind es nur Kleinigkeiten.
Ein paar pF an der richtigen! Stelle und der Spuk ist vorbei.
Heute bestehen derartige "Verstärker" meißt nur noch aus einem IC mit wenigen passiven Bauteilen drumherum.
Leider besitzen diese ICs eine sehr hohe Leerlaufverstärkung welche durch die Gegenkopplung wieder auf das nötige Maß heruntergeknüppelt wird.
Dabei haben die Teile selbst eine hohe Bandbreite und hochohmige Eingänge, so dass selbst hochfrequente Signale eines Kurz- oder Mittelwellensenders am Eingang noch verstärkt werden können.
Irgendwo in der recht komplexen Innenschaltung des Bausteins findet sich dann schon eine Unlinearität an der das Signal demoduliert wird....

Alter Spruch: HF geht seltsame Wege....
Und es gibt viele Wege in so ein IC.
Es reicht schon ein in dieser Schaltung vielleicht gar nicht genutzter Mute-Eingang der nicht ausreichend abgeblockt "in der Luft hängt" etc.
Oder eine in diesen Teilen meißt äußerst dürftige Spannungsversorgung.
Den ICs macht das wenig, selbst eine gewaltige Brummspannung wird durch die Gegenkopplung weitestgehend geschluckt.
Hochfrequenzanteile auf der Versorgungsspannung dagegen nicht....
Billige Trafos ohne Schirmwicklung oder getrennte Kammern, fehlende Abblockkondensatoren über dem Gleichrichter und an den Spannungsanschlüssen des ICs, und schon wird das Stromnetz im Haus zu einer prima Antenne.
Letztlich braucht es viel Erfahrung und manchmal auch den richtigen Riecher um das Problem schaltungstechnisch zu beseitigen.

Am besten schaut man erst einmal welcher Baustein verbaut ist und besorgt sich die Schaltungs-Applikation des Herstellers im Netz.
Meißt entspricht der China-Schrott recht genau dieser "Vorlage", selbstverständlich unter konsequenter Weglassung der Entstörbauteile - macht ja auch ohne genug Lärm.
Nun kann man "Nachbessern", oft sind sogar schon die entsprechenden Löcher in der Platine.
Dann noch mit ein paar Drahtbrücken für eine vernünftige Masseverbindung auf der Platine, Kühlblech etc. gesorgt, alle Ein- und Ausgänge abgeblockt und das Netzteil HF-fest gemacht.
Schon ist der Spuk vorbei....

Kann man leider nur machen, wenn man die entsprechenden Möglichkeiten und ein Döschen mit den nötigen Bauteilen hat.
Umtauschen bringt auch nicht unbedingt was, ist heute fast alles der gleiche Schrott.
Den Arbeitsaufwand steht auch in keiner Relation zum Kaufpreis derartiger Geräte.

Als Amateurfunker kennt man diese Probleme zur Genüge.
Erst einmal von den eigenen Geräten, die in unmittelbarer Nähe der Sender fast alle irgendwelche Mucken machen, gelegentlich aber auch von den Geräten aus der Nachbarschaft.
Wenn man eine nicht gerade unauffällige Kurzwellenantenne am Dach hat, dann ist man selbstverständlich für alle möglichen Störungen im Umkreis von mindestens 100 m verantwortlich....
Da bringt es meißt wenig wenn man den Nachbarn sagt, dass der ach so kompetente Elektriker der die "hochwertige" Fernsehantenne gebaut hat, Schrott verkauft hat oder das in dem guten "deutschen Saba-Fernseher aus dem Schwarzwald" ein Thomson-Wabbelchassis drin ist.
Am Besten ist's natürlich wenn man das Problem mit ein wenig Aufwand beseitigen kann, auch wenn man's nicht schuld ist.
Rumzanken bringt eh nichts, sonst ist als nächstes auch noch die Katze von den schädlichen "Strahlen" krank.
Seitdem jeder Hersteller das CE-Zeichen selbstdrucken darf ist es merklich schlimmer geworden.
Auch als derartige Geräte noch ein Posthörnchen hinten drauf hatten und bevor sie in Verkehr gebracht werden durften geprüft wurden, haben die Hersteller an der Entstörung gespart.
Da wurde halt ein "Vorserienmodell" ans FTZ nach Darmstadt geschickt, bis zum Anlauf der Serienproduktion wurden die Entstörbauteile dann aus Kostengründen gestrichen.
Kann mich da noch gut an ein Philips Fernsehchassis erinnern welches sehr empfindlich auf Kurzwellensender reagierte - trotz Posthörnchen...
Aber Philips war da sehr kulant, für den Fall das Störungen auftraten bekam man als Händler gleich einen prall gefüllten Beutel mit den fehlenden Entstörbauteilen und eine Gutschrift für den Einbau.
Nur der unnötige Ärger blieb schon vor 30 Jahren am Kunden und am Händler hängen.....

Gruß
CForce

P.S.
Als Amateurfunker muß man in DE an der Grundstücksgrenze genau die selben Grenzwerte einhalten wie jeder andere Sendebetreiber, egal ob Handymast oder Radiosender.
Ab 10W Strahlungsleistung muß man auch eine Standorterklärung abgeben, nur darf man diese als Selbsterklärung machen.
- Auch wenn man im Gegensatz zu einem Mobilfunkbetreiber oder Radiosender bestenfalls auf ein paar Minuten Sendezeit pro Tag kommt....

Die rund 100000 Amateurfunker in Deutschland sind gerade einmal für ein Tausendstel der Störungsmeldungen verantwortlich.
Statistisch betrachtet und auf die Gesamtbefölkerung hochgerechnet verursacht ein Amateurfunker damit sogar seltener Störungen als ein Durchschnittsbürger.
Stimmt wie jede Statistik nur bedingt, denn ein großer Teil der Störungen kommen von Telekomunikations und Industrieellen Anlagen.
 
Oben