Rückschau: Das war die Inklusionskonferenz 2023 bei Microsoft im “The Hive”

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Rückschau: Das war die Inklusionskonferenz 2023 bei Microsoft im “The Hive”

inklukon 2023


Am 23. Februar fand in der bayrischen Hauptstadt München, genauer gesagt im extra für solch hybride Events ausgestatteten „The Hive“- Raum bei Microsoft Deutschland in Schwabing, die erste Ausgabe der Inklusionskonferenz (#inklukon23) statt. Der Fokus lag hier vor allem auf „Inklusion und Wirtschaft“, in anderen Worten also wie sich Betroffene und Firmen gegenseitig unterstützen können.

Veranstaltet von Betroffenen und nicht vom Marketing​


Die Inklusionskonferenz 2023 wurde nicht aus der Marketingabteilung heraus geplant, sondern von Betroffenen, deren Interessensvertretungen sowie vieler Menschen rund um die Comm’In Community. Allen voran waren und sind Franziska Sgoff sowie Magdalena Rogl als Diversity & Inclusion Lead an der Umsetzung dieses Events beteiligt. Dies bedeutet mitnichten, dass es für die vielen anderen fleißigen Helferlein im Hintergrund, stellvertretend hierfür Barbara Osswald, eine Veranstaltung wie jede andere war – dies merkte man sofort beim Betreten des Gebäudes. Hierzu trug auch Marianne Jannik, ihrerseits Vorsitzende der Geschäftsführung von Microsoft Deutschland, als Keynote-Sprecherin bei. Sie unterstrich damit das Commitment seitens der Redmonder zum Thema Inklusion und Diversität in der Wirtschaft, am Arbeitsplatz und in der Gesellschaft.

Eine wahrhafte inklusive Konferenz​


Eins vorneweg: Ich habe noch nie eine von Grund auf inklusivere Konferenz erlebt. Es wurde nicht nur auf Kommunikationsbarrieren geachtet, welche mit Gebärdendolmetschern, leichter Sprache, Induktionsschleifen für Hörgeräte und Co. verringert wurden, es gab auch Leitsysteme für in der Sehkraft eingeschränkte Personen als auch beispielsweise für Menschen, welche ein Fatique (Erschöpfungs-) Syndrom haben (so wie ich), Ruheräume zur Erholung oder einen gesicherten Parkplatz als Safe Place.

Das unerwartet Schöne an dieser Konferenz war, dass alle etwas Rücksicht genommen haben, niemand über-aufgedreht war und die Veranstaltung auch nicht mit lauter Musik und sonstigen sensorischen Anstrengungen aufgeblasen war. Das war die erste Konferenz seit sehr vielen Jahren, wo ich ohne große Probleme dem Event einen ganzen Tag lang folgen und ohne Nachwirkungen am nächsten Tag voll im Einsatz sein konnte.

Was bedeutet Inklusion für einen selbst?​


Diese Frage war der rote Faden durch die Veranstaltung. Jeder Mensch hat hierfür eine andere Definition für sich selbst. Für mich persönlich hat Inklusion nichts mit einer Behinderung zu tun, wie es meistens von uns verstanden wird. Inklusion ist für mich beispielsweise auch, je nach Zielgruppe, dass wir nicht alle Worte ver-denglisch-en und somit viele Mitmenschen vor eine hohe Hürde stellen, überhaupt zu verstehen, worum es geht. Natürlich beinhaltet Inklusion aber auch, dass Türen automatisch aufgehen, dass es möglich ist, Bildbeschreibungen zu hinterlegen oder Transkriptionen zu laufenden Videokonferenzen anzeigen zu lassen.

So unterschiedlich die Wortdefinitionen waren, so waren sich alle einig, dass sich in dieser Thematik in den letzten Jahrzehnten viel getan hat, wir dennoch noch lange nicht am Ende der Reise zu einer wahrhaftigen, inklusiven Arbeitswelt und Gesellschaft angelangt ist.

Mittels Inklusion Geld verdienen​


Was wäre, wenn man Gutes tut und damit auch noch reich wird? Es wäre eine Win-Win-Situation. Aus diesem Grund durften drei junge Start-Ups ihre aktuellen Produkte auf der Konferenz vorstellen. Geführt wurde dieser Abschnitt durch die Gründerin der Aktion KOPF, HAND + FUSS, Stefanie Trzecinski. Hier stellte das Münchner Start-Up SUMM eine Art DeepL für leichte Sprache vor, Semanux präsentierte eine Software, welche es ermöglicht, mit einer Kombination einer Vielzahl von Eingabemöglichkeiten den Computer datenschutzkonform zu bedienen, und das Startup Eye-Able aus der Nähe von Würzburg demonstrierte einen seiner Dienste, welcher es ermöglicht, eigene Webseiten auf WCAG-Konformität zu prüfen. Bei etwaigen Beanstandungen gibt das Programm auch Tipps zur Behebung der Missstände.

Es war besonders schön zu sehen, mit wieviel Motivation und Engagement diese jungen Firmen an ihre jeweiligen Herausforderungen und deren Lösung herangehen. Alle hatten auch persönliche Hintergründe, wieso sie ihr Produkt ins Leben gerufen haben.

Ich hoffe, dass wir diese drei Unternehmen noch öfter sehen werden – auch auf den großen Bühnen dieser Welt. Sie zeigen auf, dass Technik nicht immer „kalt und menschenfeindlich“ sein muss, sondern auch als eine Art Möglichmacher genutzt werden kann.

Inklusive Meetings – jetzt schon möglich​


Ja, es war eine Veranstaltung bei Microsoft. Ja, es kamen natürlich auch Microsoft-Produkte vor und ja, diese wurden auch verkaufswirksam vorgestellt. Dies hielt sich jedoch so in Grenzen, dass man wirklich davon ausgehen konnte, dass hier der „das kannst du bereits heute schon machen“-Gedanke zählte und es nicht darum ging, möglichst viele neue Kunden zu gewinnen.

Wie so oft bei Produkten von Microsoft können diese mehr als das, was der gemeine Benutzer davon jemals nutzen wird. Bei den Demonstrationen lag vor allem der Fokus auf Teams sowie das „Live Share“-Feature von anderen Office Programmen in Kombination mit dem lila Chatprogramm.

Auf manche Problemlösungen könnte man auch selbst kommen. Beispielsweise das übliche Szenario, das innerhalb einer Videokonferenz eine PowerPoint- oder Excel-Datei gemeinsam bearbeitet wird. Der Standard ist hierbei, dass ein Teilnehmer das Dokument geöffnet hat und danach seinen Bildschirm teilt. Dies funktioniert – fast! Durch die reine Bildschirmfreigabe können in Teams oder auch in Windows eingebaute Bedienhilfen wie das Vorlesen von Bildschirminhalten nicht genutzt werden, da es eben nur ein Video ist. Wird nun jedoch stattdessen das Dokument mittels Live Share freigegeben, so haben alle teilnehmenden Personen mindestens Lesezugriff auf die Datei und es können alle Bedienhilfen benutzt werden, welche auch sonst zur Verfügung gestellt werden.

Dies zeigt auch auf, dass vieles mittlerweile möglich ist, wenn man sich bisschen zu behelfen weiß.

In praktischen Beispielen folgten noch mehr solcher Informationen. Dabei sorgte eine Gegebenheit wiederholt für ein nicht böse gemeintes Lachen. Microsoft Teams hat eine eingebaute Auswahl an Sprachen, wenn für ein Meeting Live-Übersetzungen angeboten werden. Dieses Feature unterstützt bisher jedoch „nur“ reale Sprachen wie Englisch, Deutsch oder Französisch. Sprachen, welche der Inklusion dienen, wie „Leichte Sprache“ oder „Gebärden“, sind nicht aufgeführt. Somit wurde beispielsweise die Sprache Arabisch genutzt, um eine „Leichte Sprache“-Übersetzung der Inhalte zu haben.

Hochkarätiges Panel und lebhafte Diskussionen​


Einer der letzten Punkte auf der Agenda war ein von Magdalena Rogl geführtes Panel rund um das Thema “Inklusion in der Wirtschaft”. Es waren Schwerbehindertenräte aus namhaften Firmen wie Siemens (Marina Zdravković), Axel Springer (Birgit Raab) oder Pro7Sat1 (Martin Martin) beteiligt sowie auch die erste gehörlose Kommunalpolitikerin aus Bayern, Julia Probst.

Es zeigte auf, dass man als betroffene Person nicht allein ist, aber auch, welche Stolpersteine im Weg liegen. Für mich als Arbeitnehmer in einer kleinen Firma war es spannend zu erleben, wie Inklusion in Großunternehmen gelebt wird, welche Richtlinien es dort gibt und welche Hilfen man dort erwarten kann.

Networking und spannende Pausengespräche​


Für mich ist einer der wichtigsten und auch schönsten Agendapunkte immer das Networking zwischen und nach den eigentlichen Vorträgen von Konferenzen. Es war interessant, aus anderen Blickwinkeln Dinge zu erfahren, sich eventuell für die Zukunft noch einmal zu verabreden oder einfach Wissen zu teilen und dadurch Neues zu lernen.

Für ein ausreichende Stärkung sorgte das Catering seitens Microsofts. Butterbrezen, Früchte, Kaffee, Tee und eine große Auswahl an warmen und kalten Leckereien sorgten für ein wohliges Gefühl in der Magengegend. Damit dieser aber auch nicht unabsichtlich gereizt wurde, standen bei jedem Gericht die Allergene dabei – bis auf ein paar Ausnahmen.

Fazit: Ich freue mich auf 2024!​


Natürlich, es gibt immer Raum für Verbesserungen, dennoch bin ich wirklich begeistert, wie diese Veranstaltung für ihre Premiere abgelaufen ist. Ich bin gespannt, ob es die #inklukon auch im kommenden Jahr wieder in München geben wird. Falls ja, reservier ich mir schon einmal imaginär ein Ticket dafür!

Inklusion betrifft alle und hat nicht das angestaubte Image von „Behindertenfördung“ verdient. Inklusion hilft uns allen, dafür lohnt es sich, weiterzumachen!

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