Microsofts KI-Offensive als neues Finanzierungsmodell für Windows?

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Microsofts KI-Offensive als neues Finanzierungsmodell für Windows?

Grosse Kasse mit KI-Diensten


Windows ist den letzten Jahren mehr oder weniger zur „Freeware“ für Privatanwender geworden, zumindest was Upgrades betrifft. Die Zeiten, in denen Microsoft die Nutzer für das Upgrade auf eine neue Windows-Version zur Kasse bitten kann, sind endgültig vorbei. Bei seinen Bemühungen, Windows in eine dauerhafte Einnahmequelle zu verwandeln, könnte die KI-Offensive eine wichtige Rolle spielen.

Das letzte kostenpflichtige Upgrade war jenes von Windows 7 und Windows 8 auf Windows 10, und das auch nur in der Theorie. Offiziell war das Upgrade nur für ein Jahr kostenlos, praktisch konnte man auch Jahre später noch kostenlos umsteigen. Das Upgrade von Windows 10 auf Windows 11 war bedingungslos gratis, und wenn eines Tages Windows 12 erscheinen sollte, wird das wieder so sein. Nennenswertes Geld verdient Microsoft nur noch mit dem Verkauf von Windows-Lizenzen an seine OEM-Partner.

Das ist einer von vielen Gründen, warum private Windows-Nutzer für Microsoft noch uninteressanter geworden sind, als sie es ohnehin schon immer waren, denn das Privatkundengeschäft war noch nie eine tragende Säule des Unternehmens – zumindest nicht finanziell. Ohne die millionenfachen privaten Raubkopien hätte Microsoft Office freilich in der Unternehmenswelt niemals den Status, den es heute hat, was man in Redmond logischerweise niemals zugeben wird. Aber das ist ein anderes Thema.

Mit seinen kostenpflichtigen KI-Produkten könnte Microsoft jetzt einen neuen Vorstoß wagen, um einerseits den Zwang zur Verwendung eines Microsoft-Kontos zu verstärken und gleichzeitig kostenpflichtige Zusatzfunktionen zu verkaufen.

Jüngstes Beispiel ist der in Windows integrierte Editor Notepad. Mit der aktuellen Version stehen KI-basierte Funktionen wie Umformulierung, Änderung der Tonalität oder Kürzen des Textes zur Verfügung.

Integration von KI-Funktionen in Microsoft Notepad

Um diese Funktionen nutzen zu können, muss man sich in Notepad allerdings zwingend mit seinem Microsoft-Konto anmelden. Wer sich an Windows nicht mit einem Online-Konto anmelden möchte (was Microsoft schon schwer genug gemacht hat), stößt also spätestens hier auf den „Konto-Zwang“.

Weitere Beispiele sind die ebenfalls in Windows integrierte Foto-App oder der Klassiker schlechthin, MS Paint. Diese Apps verfügen ebenfalls über KI-Funktionen, und auch diese erfordern zwingend die Anmeldung mit einem Microsoft-Konto.

Das ist allerdings keine Schikane, sondern hat einen Grund: Jedes Microsoft-Konto verfügt über „Credits“ für die Nutzung von KI-Funktionen. Wird das monatliche Kontingent überschritten, muss man entweder ein Abonnement für Microsoft 365 oder den Copilot Pro erwerben oder eben warten, bis der Monat vorbei ist.

Integration des Microsoft Copilot in Paint

Wir werden in den kommenden Monaten sicherlich noch weitere Umsetzungen dieser Art sehen. Spinnt man den Gedanken ein wenig weiter, kann man vielleicht verstehen, warum dieser Artikel im ersten Entwurf die Überschrift „Jeder Klick kostet extra – ist das Microsofts Vision für Windows im KI-Zeitalter?“ trug. Das erschien mir dann aber doch zu reißerisch und überzogen.

Schaut man sich jedoch an, wie wenig zimperlich die Redmonder in der Vergangenheit damit umgegangen sind, ihre eigenen Dienste innerhalb von Windows zu bewerben, darf man getrost davon ausgehen, dass dieser Weg ein permanentes Austesten von Schmerzgrenzen sein wird.

Klar ist, dass Microsoft seinen Anlegern im Gegenzug für die gigantischen Investitionen – alleine im aktuellen Geschäftsjahr will man 80 Milliarden Dollar für den Ausbau der KI-Infrastruktur ausgeben – schnellstmöglich hohe Einnahmen präsentieren muss. Das könnte zu der einen oder anderen „Verzweiflungstat“ führen.

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