Microsoft und das Agentic OS: Schicksalsfrage und Bewährungsprobe

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Microsoft und das Agentic OS: Schicksalsfrage und Bewährungsprobe

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Neulich bin ich auf meiner Runde durch YouTube auf eine interessante Dokumentation gestoßen. Der Kanal ColdFusion zeigt unter dem Titel „The Windows 11 Crisis“ ein ziemlich deutliches wie realistisches Bild, was Windows 11 und überhaupt Microsofts Ambitionen im Bereich KI betrifft. Und es zeichnet den Weg nach, wie Satya Nadella aus Microsoft eines der wertvollsten und begehrtesten Unternehmen der Welt gemacht hat und wie die Nutzererfahrung zugunsten der Shareholder dafür unter die Räder kam.


Was dabei deutlich wird: Die grundlegende Position von Windows hat sich trotz dem Agentic OS als neues Zentrum eigentlich kaum verändert. Schon Windows 10 war ein Betriebssystem, was Microsoft mehr als Schaufenster genutzt hat, um Nutzer in seine Abomodelle wie Microsoft 365 und den Game Pass zu locken. Copilot ist hierfür nur eine zusätzliche Erweiterung, auch wenn die Künstliche Intelligenz hier wesentlich tiefer integriert wird, als es zu früheren Zeit noch mit Cortana der Fall war.

Der Erfolg vom Agentic OS-Ansatz wird für Microsoft aber auch zur Schicksalsfrage und Bewährungsprobe. Gemeint ist damit nicht mal zwingend die Reaktion und Adaption der normalen Endnutzer, wo alleine Funktionen wie Recall in diesem Jahr für massive Kontroversen gesorgt haben. Das eigentliche Problem liegt wesentlich tiefer.

Verblichenes Tafelsilber

Dass Microsoft im Rennen bei den KI-Assistenten zurückgefallen ist, hatte eine Recherche von The Information erst kürzlich aufgezeigt. Während die Services von Azure AI wie Blei in den Regalen liegen und ambitionierte Verkaufsziele in diesem Jahr um angeblich 50 % gekürzt wurden, gerät Copilot neben Google Gemini auch durch ChatGPT zunehmend unter Druck. Die Unternehmen verwenden lieber das Original, wenn sie schon auf die Modelle von OpenAI setzen.

Diese Entwicklung, sofern sie sich fortsetzt, hat möglicherweise dramatische Konsequenzen. Unternehmen und öffentliche Einrichtungen sind die Kunden, mit denen Microsoft den Löwenanteil seiner Einnahmen generiert. Eine Schwäche im Bereich Künstlicher Intelligenz, die Satya Nadella zur zentralen Aufgabe für die Zukunft von Microsoft erklärt hat, kommt in einer Zeit, wo in verschiedenen Teilen der Welt, darunter auch Europa, zunehmend über digitale Souveränität und weniger Abhängigkeit von den US-Unternehmen nachgedacht wird, zur Unzeit. Und der Markt regelt noch in einem weiteren Punkt.

Angebot und Nachfrage

Die massiven Investitionen in neue und aufgerüstete Rechenzentren, um den Hunger nach Kapazitäten für die Künstliche Intelligenz zu befriedigen, wirkt sich zunehmend auch auf den Consumer-Markt aus und macht die Tatsache, dass Microsoft sich teuer mit Chips von Nvidia eindecken musste und erst jetzt mit Eigenentwicklungen experimentiert, zu einem Nebenschauplatz. Interessanterweise wird hier ein Punkt berührt, wo der Consumer Microsoft ausnahmsweise mal nicht völlig egal sein kann, denn ein zentraler Baustein in der Strategie vom Agentic OS ist hiervon betroffen: Die Copilot+ PCs.

Der Grund dafür ist simpel: Viele Funktionen wie Click-to-do oder Recall sind auf Rechner, die eine NPU haben, begrenzt. Dass neue Systeme künftig standardmäßig mit einer NPU kommen, mag sicherlich sein, aber der Hunger in den Rechenzentren sorgt momentan auch dafür, dass Speichermedien in allen Kategorien zunehmend auf die Rechenzentren konzentriert und die Kapazitäten für den Consumer-Markt reduziert werden. Kurz: Das Angebot wird knapper, die Nachfrage höher, die Preise teurer. Ein knapperes Angebot bedeutet auch, dass weniger Hardware in diesem Bereich produziert werden kann.

Microsoft sorgt in einem gewissen Umfang vor, aber es bleibt fraglich, wie hoch der Output an Copilot+ PCs in absehbarer Zeit angesichts der Mondsummen, die pro Jahr weiterhin in die Aufrüstung der Rechenzentren investiert werden müssen, sein wird. Das ist ein Problem. Windows 11 als Agentic OS ist keine separate Variante wie seinerzeit Windows Core OS oder Windows 10X, sondern hier operiert Microsoft am offenen Herzen vom regulären Windows. Es muss funktionieren, egal wie.

Was, wenn die Blase platzt

Ohne die Einbeziehung der Bestandssysteme ohne NPU, soweit das über die Cloud möglich ist, geht es also nicht. Gleichzeitig führt es dazu, dass Microsoft nicht das volle Potenzial ausschöpfen könnte, selbst wenn sie es wollten. Die einzige Möglichkeit daneben wäre, dass sie abgespeckte Varianten von Recall und Click-to-do veröffentlichen, die mit weniger Leistung auch über die GPU laufen können. Gleichwohl bliebe selbst dann die Adaption der Nutzer ein großes Problem.

So oder so: Wo Microsoft zu dem Zeitpunkt steht, wenn die aktuelle KI-Blase irgendwann platzt, wird maßgeblich auch darüber entscheiden, wie das KI-Abenteuer ausgehen wird. Für die Endnutzer kann sich der Zusammenbruch sogar lohnen, wenn es nach dem Platzen wohl ein Überangebot von bereits produzierten Grafikkarten und Speichermedien gibt und die Hersteller die Preise drastisch senken müssen, um die Lager leer zu kriegen. Bei den entwickelden KI-Unternehmen wird es aber die Spreu vom Weizen trennen, wo man in Redmond auch die Antwort auf die Schicksalsfrage bekommen wird.

Die Zeichen stehen momentan nicht allzu gut. Copilot verfängt bei den Nutzern kaum, die Unternehmen beißen bei den Azure-Diensten derzeit nicht wirklich an und die eigenen Chips und KI-Modelle werden noch entwickelt. Die Bewährungsprobe wird nicht darin liegen, dass Microsoft ein Platzen nicht übersteht, immerhin stellen sie gerade für OpenAI zentrale Kapazitäten bereit. Aber Copilot ist auch zentraler Bestandteil von Windows, Edge, Microsoft 365 und mehr. Wie diese den Kampf gegen die Konkurrenten in ihrem jeweiligen Segment dann bestehen werden, wird die eigentlich spannende Frage der Zukunft werden.

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