Microsoft in 2026: Ein entscheidendes Jahr für die Consumer?

News-Bote

Ich bring die Post
Microsoft in 2026: Ein entscheidendes Jahr für die Consumer?

Satya Nadella, CEO von Microsoft


Dass das vergangene Jahr 2025 sichtbare Spuren in der Microsoft-Community hinterlassen und damit auch die Rollen, die ein Projekt wie Dr. Windows einnehmen wird, verändert hat, darüber dürften sich alle einig sein. Die heutige Microsoft-Welt wird kaum noch von Enthusiasten geprägt und konzentriert sich eher auf die Unterstützung von regulären Nutzern durch reguläre Nutzer, wie es u.a. auch von den Kollegen bei Windows Central zuletzt geschrieben wurde.

Eine treffende Bemerkung, die ich auch im Beitrag über Longhorn zuletzt aufgegriffen hatte. Microsoft hat sich in gleich mehrfacher Hinsicht in eine Sackgasse manövriert, weil die Konzentration auf Künstliche Intelligenz zur Vernachlässigung zentraler Bereiche führt und die Auswirkungen der Fliehkräfte auf dem Markt noch nicht bei Microsoft durchgeschlagen sind. Wird 2026 also zu einem entscheidenden Jahr für den Consumer?

Altlasten

Eine relevante Rolle in dieser Gesamtproblematik wird weiterhin von Windows 10 bestimmt. Microsofts älteres Betriebssystem befindet sich auch für Consumer mittlerweile im ESU-Programm und doch sorgten Aussagen von Dell im vergangenen Jahr für Schlagzeilen. Etwa 500 Millionen Bestandssysteme können wegen der höheren Mindestanforderungen nicht auf Windows 11 upgraden, weitere 500 Millionen zögern aus verschiedenen Gründen. Während Unternehmen ohnehin für bis zu drei Jahre fest im Sattel sitzen, stellt sich beim Consumer die Frage, ob im Oktober 2026 wirklich Schluss wäre.

Gerade bei den 500 Millionen, die nicht upgraden können, stellt sich eine interessante Frage: Gibt es überhaupt ausreichend Geräte auf dem Markt, um die Nachfrage zu vertretbaren Preisen zu bedienen? Immerhin haben relevante Akteure wie AMD und Nvidia ihre Kapazitäten zugunsten der Rechenzentren umgeschichtet, um den Bedarf aufgrund Künstlicher Intelligenz zu befriedigen. Dass Microsoft das mit seiner KI-Strategie ohnehin bis ins Mark trifft, weil auch die so wichtigen Copilot+ PCs davon direkt betroffen sind, kommt noch dazu.

Auch bei den Unternehmen wird das Thema Austausch zu einem Wagnis. Finanziell wird das aufgrund steuerlicher Möglichkeiten zwar kein großes Thema, allerdings reden wir bei den notwendigen Stückzahlen dafür von ganz anderen Dimensionen. Ob der Markt das in der aktuell überhitzten Form überhaupt ausreichend hergeben würde, kann man zumindest anzweifeln.

Fluch der Komponenten

Die enormen Investitionen in die Rechenzentren werden spätestens bei den Komponenten für erhebliche Probleme sorgen. Aufgrund des knapperen Angebots stehen bei den Grafikkarten massivste Preiserhöhungen bevor und die Preise für Arbeitsspeicher und reguläre Speichermedien gehen mittlerweile durch die Decke. All diese Entwicklungen werden die Ablösung von Windows 10 und die weitere Verbreitung von Windows 11 nachhaltig hemmen und dafür sorgen, dass Nutzer nur die wichtigsten Investitionen tätigen, sofern sie das wegen des knapperen Angebots überhaupt können.

Für Microsoft endet hier das Fiasko aber nicht. Schon jetzt wird laut über eine Verschiebung der nächsten Konsolengeneration spekuliert, die bis jetzt zwischen 2027 und 2028 erwartet wird. Und auch bei der Cloud hat man sich verkalkuliert, wo Microsoft für seine Rechenzentren vollständig auf teure Technik von Nvidia setzt. Damit diese auch zum Einsatz käme, dürften die Angebote von Azure AI und Copilot aber nicht wie Blei in den digitalen Regalen liegen.

Crunchtime

Dann wäre hier noch die Rolle, die Microsoft-Chef Satya Nadella höchstpersönlich einnimmt. Zugegeben: Ein besonders gutes Händchen, was die Kunden wirklich von Microsoft wollen, hatte er in seiner gesamten Amtszeit nie und ist mit Blick auf die Shareholder immer über jedes Stöckchen gesprungen, was ihm von der Cloud über Kollaboration und Mixed Reality bis KI vor die Füße gehalten wurde – der Börsenkurs hat es ihm gedankt.

Mittlerweile bekommt man aber das Gefühl, dass er sich endgültig von der Nutzerschaft abgekoppelt hat und sein Führungsteam nur noch mit Ja-Sagern zu seiner KI-Strategie befüllen möchte. Der entsprechende Druck auf die mittleren Führungsebenen wurde laut aktuellen Berichten massiv erhöht, wobei die Konzentration rund um Microsoft AI mit Leuten wie Judson Althoff und Mustafa Suleyman liegen soll. Wer hier nicht mitzieht, soll Microsoft verlassen, und letzterer ist auch schon mit ziemlichen Entgleisungen aufgefallen.

Für die Nutzer, egal ob Consumer oder in Unternehmen, dürften unangenehme Zeiten anbrechen, Mit Charlie Bell, dem Chef für Cybersicherheit, und vor allem Rajesh Jha, der seine schützende Hand über die regulären Produkte wie Surface, Windows und Microsoft 365 hält, stehen zwei hochrangige Führungspersönlichkeiten kurz vor dem Ruhestand. Wie lange Phil Spencer bei Team Xbox noch von seinem Ruhestand entfernt ist, über den in den letzten Jahren zunehmend gemunkelt wurde, wird eine zusätzliche Baustelle.

Was will Microsoft eigentlich?

Diese spannende Frage steht über allem und hier müssen wir ehrlich sagen: Wir wissen es selber nicht. Also: Ehrlich nicht. Damit meinen wir nicht nur Dr. Windows, sondern international rätseln gerade die Kollegen, wohin Microsoft mit seiner Strategie, die sich mehr wie eine überlange Wunschliste ohne konkretes Fundament liest, eigentlich will. Die Entscheidungen und ihre Auswirkungen aus dem vergangenen Jahr hätte jedenfalls auch die Addams Family nicht besser treffen können.

  • Windows 11 kommt einerseits kaum vom Fleck, was den weiteren Vorsprung vor Windows 10 betrifft, und leidet zum anderen noch zunehmend an weitreichenden Qualitätsproblemen, die erst jetzt bei den Treibern und anderen Kleinigkeiten langsam zumindest teilweise angegangen werden.
  • Die Xbox erlebte aufgrund der von Finanzchefin Amy Hood ausgegebenen Gewinnmarge von 30 % eine regelrechte Flut von Preiserhöhungen. Neben den Developer Kits wurden auch die Konsolen und der Game Pass mit einer neuen Tarifstruktur getroffen. Teilweise liegt das zugegebenermaßen an der aktuellen US-Zollpolitik, dennoch wird die ohnehin schon schwache Nachfrage damit weiter abgewürgt.
  • Bei der Kommunikation bleibt sich Microsoft treu und legte wieder einige Desaster aufs Parkett. Zuletzt betraf das Phil Spencer mit Forza Motorsport, aber auch die blumigen Visionen, die etwa Pavan Davuluri als Windows-Chef vom Betriebssystem der Zukunft im vergangenen Jahr gezeichnet hat, gleichen wieder mehr den Wunschträumen, die auch Satya Nadella noch vor wenigen Jahren bei Mixed Reality formuliert hatte.
  • Es gibt bei Copilot eigentlich keine klare Strategie, außer dass er eben da ist, und zwar überall, egal ob er hier nützlich wäre oder nicht. Was nicht gut ist, wenn die potenziellen Kunden ihn ablehnen und lieber zu Alternativen greifen, wenn sie KI aktuell schon einsetzen. Das Reindrücken im vergangenen Jahr erinnerte jedenfalls an die Bettlerversuche bei Windows 10, wo Microsoft über die PWAs und die Desktop Bridges Islandwood (Mac), Centennial (Win32), Westminster (Web) und Astoria (Android) krampfhaft versuchte, die Zahl der Apps im Microsoft Store zu erhöhen. Hat Entwickler wie Nutzer halt nur nicht interessiert.
  • Die ganze KI-Strategie bei Microsoft ist eine große Wette, die beim Anspringen aber gewaltige Ladehemmungen hat. Das verknappte Angebot bei der regulären Consumer-Elektronik führt zu steigenden Preisen und damit Hemmnissen für die Adaption, die softwareseitig für Microsoft entscheidend ist. Die Cloudangebote liegen wie Blei in den Regalen, gleichzeitig schießen die Kosten ohne Limit in die Höhe, während es keinen Plan dafür gibt, wie genau das Geld wieder reinkommen soll, und ansonsten ist man Teil der Kreislaufwirtschaft, die sich solange fiskalisch gegenseitig stützt, bis der Erste aus der Kette stolpert und die Kettenreaktion damit in Gang gesetzt wird.
  • Der Consumer selbst hat bei Microsoft im vergangenen Jahr auch so verloren. Viele Produkte, die für uns relevant waren, wurden beerdigt. Woran wir ansonsten bei Microsoft sind, wissen wir nur sehr vage, weil man unter anderem beim Xbox Cloud Gaming einige Pläne fabuliert, während man bei Outlook oder To Do aktuell in der Luft hängt. Und Vieles, was Microsoft vor allem bei der KI angedacht hat, ist extrem stark davon abhängig, wie die notwendige Hardware im Markt adaptiert wird. Realistische Aussagen in eine positivere Richtung kann hier auf absehbare Zeit niemand treffen.

Fazit

Unabhängig davon, ob die KI-Blase in diesem Jahr platzt oder nicht, dürfte sich in diesem Jahr zumindest eine Kurskorrektur und vielleicht auch eine erste Konsolidierung andeuten. Alles andere wäre überraschend, weil auch die besten KI-Dienste ohne die dafür notwendige Hardware, mit der man darauf zugreifen kann, einfach nichts bringen und der Spaß am Ende für alle Seiten auch bezahlbar bleiben muss. Betroffen ist hiervon nicht nur die Consumer-Elektronik, sondern auch alle kommerziellen Bereiche wie der Fahrzeugbau, Schiffs- und Flugzeugbau, Agrartechnik, Industrieanlagen, Medizintechnik und mehr.

Wie groß das mittlere Erdbeben bei Microsoft wird, wenn die Wette von Nadella nicht aufgeht, wonach es derzeit mehr als aussieht, das wird aber spannend. Momentan verkauft das Führungsteam um Finanzchefin Amy Hood vor allem heiße Luft, deren Erträge von den Winden davon getragen werden. Wenn das in die Hose geht, hätte man kurzfristig nur begrenzte Möglichkeiten, das aufzufangen. Die Überkapazitäten bei Azure könnten dann zum Beispiel dafür genutzt werden, die Bestandssysteme mit Windows 11 ohne NPU stärker mit Copilot-Fähigkeiten zu versorgen oder mit dem Xbox Cloud Gaming die schwächelnden Konsolenverkäufe teilweise auszugleichen. Aber insgesamt werden von den Shareholdern dann sehr unangenehme Fragen kommen.

So oder so: Momentan können und sollten wir uns nicht darauf verlassen, was Microsoft als mittel- bis langfristige Perspektive ankündigt. Das können wir nur Monat für Monat oder bestenfalls Quartal für Quartal nehmen. Aber hey: Zumindest eine Revolution von Alltagsgegenständen mit KI, wie sie das in anderer Form einst schon mal beim Dixi Klo machen wollten, blieb uns bisher erspart. Das ist immerhin ein kleiner Hoffnungsschimmer…

Der Beitrag Microsoft in 2026: Ein entscheidendes Jahr für die Consumer? erschien zuerst auf Dr. Windows.

zum Artikel...
 
Oben