Microsoft Copilot: Sanfter Abo-Zwang und Ökosystem-Abschottung an einem konkreten Beispiel

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Microsoft Copilot: Sanfter Abo-Zwang und Ökosystem-Abschottung an einem konkreten Beispiel

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Das kostenpflichtige Abonnement des Microsoft Copilot soll für Microsoft zu einer neuen, kräftig sprudelnden Geldquelle werden, indem man viele Zusatzfunktionen bereitstellt, die für mehr Produktivität sorgen und so den Aufpreis rechtfertigen. Was aber, wenn bisher frei verfügbare Features hinter die Aboschranke wandern und Microsoft die Integration des Copilot dazu nutzt, sein Ökosystem nach außen abzuschotten?

Für geschäftliche Microsoft 365 Nutzer kostet das Copilot Pro Abonnement 337,20 € pro Nutzer und Jahr (entspricht 28,10 € pro Monat, es wird aber nur jährliche Abrechnung angeboten). Privatkunden müssen 22 € pro Monat bezahlen, um die Zusatzfunktionen nutzen zu können. Gesalzene Preise, aber das Abo ist freiwillig und bei einem entsprechenden Zugewinn an Produktivität kann sich das unter dem Strich sogar rechnen.

Es gibt allerdings Hinweise darauf, dass Microsoft über den Copilot nicht nur neue Funktionen anbietet, sondern auch bisher frei verfügbare Funktionen streicht und sie in den Copilot integriert. Im folgenden konkreten Beispiel wird es Drittanbietern außerdem erschwert, gleichwertige Funktionen anzubieten, indem eine Schnittstelle gekappt wird.

In einem schon etwas länger zurückliegenden Blogpost hat Microsoft die Vorteile der Integration des Copilot in Outlook hervorgehoben. Basierend auf dem Inhalt einer E-Mail kann der Copilot etwa vorschlagen, eine Besprechung anzuberaumen oder eine Aufgabe zu erstellen. *

Das funktioniert allerdings auch heute schon. Outlook ist in der Lage, bestimmte Inhalte einer E-Mail wie Adressen oder Telefonnummern automatisch zu erkennen. Lässt sich aus dem Text der Wunsch nach einem Termin oder die Zuweisung einer Aufgabe ableiten, erkennt Outlook das ebenfalls. “Entity Stamping” nennt sich das, die auf diese Art gewonnen Daten werden bislang über eine API bereitgestellt, ermöglichen es also Drittanbietern von AddOns, auf diese Daten zuzugreifen und den entsprechenden Textabschnitt in einen klickbaren Link umzuwandeln, der das zugehörige AddOn öffnet.

Exakt diese API wird demnächst abgedreht. Bis spätestens Mitte Juni wird das “Entity Stamping” aus Outlook entfernt, darauf basierende AddOns funktionieren dann nicht mehr. In der Ankündigung im Microsoft 365 Admincenter verweist Microsoft die Entwickler auf eine alternative Methode. Mit “Regex matching” lässt sich der Inhalt von E-Mails ebenfalls analysieren, jedoch mit einem entscheidenden Unterschied: Statt die oben genannten Daten sozusagen frei Haus geliefert zu bekommen, müssen Entwickler mit regulären Ausdrücken selbst danach suchen. Das ist nicht nur aufwendiger, sondern kann auch einen negativen Einfluss auf die Performance haben.

Mit dieser Maßnahme dreht Microsoft auch einer Reihe seiner eigenen AddOns den Saft ab, aber das ist durchaus so gewollt. Für Nutzer ohne Copilot Pro Abonnement bedeutet das einen Verlust an Funktionalität, Drittanbietern wird es damit erschwert, sich in eine der weltweit am häufigsten genutzten Kommunikationslösungen einzuklinken.

Auch wenn das nur ein kleines Beispiel ist, halte ich es für wichtig, Microsoft genau auf die Finger zu schauen. Das teure Copilot Pro Abo sollte sich ausschließlich durch Mehrwert rechtfertigen, und nicht durch den Rückbau von Funktionen einen sanften Zwang aufbauen.



* Fußnote: Die Zusatzfunktionen des Copilot in Outlook gehen weit darüber hinaus, das soll nicht unerwähnt bleiben. An der beschriebenen Problematik ändert das allerdings nichts.

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