Mein Drucker und mein Streifenhörnchen

Supernature

Und jetzt?
Teammitglied
Mein Drucker und mein Streifenhörnchen

Ich habe einen Drucker.
Canon Pixma iP5200 heißt der.
Das ist weiß Gott nichts Außergewöhnliches.

Ich habe auch ein Haustier.
Das heißt Rocky.
Auch nix Außergewöhnliches.
Naja, ein bisschen schon. Es ist nämlich ein Streifenhörnchen.
Die trifft man im Vergleich zu Hund und Katz in deutschen Haushalten doch eher selten an - und diese Geschichte wird vermutlich nicht dazu beitragen, dass sich das grundlegend ändert.

Zarte Gemüter seien gewarnt - dies ist keine Geschichte mit Happy End, sondern mit tödlichem Ausgang - so wie diese hier:
Meine Maus klemmt, und der Drucker geht nicht mehr.

In der Geschichte "Mein Drucker und mein Streifenhörnchen" wird es am Ende aber wenigstens einen Überlebenden geben, soviel sei schon mal verraten.

Es wird langsam Herbst. Neben den beiden Tatsachen, dass ich sowohl einen Drucker als auch ein Streifenhörnchen besitze, schon die dritte, die scheinbar völlig ohne Zusammenhang im Raum steht. Aber das wird noch...

Die meisten von Euch werden keine Ahnung von Streifenhörnchen haben. Sie sehen ein bisschen aus wie unsere einheimischen Eichhörnchen, nur kleiner - und eben gestreift. Aber was erzähle ich lange - so sieht er aus, der "Rocky":

rocky.jpg

(schlechte Perspektive, so viel kleiner als die Hand ist er nicht)

Wie seine "großen Brüder" ernährt sich auch das Streifenhörnchen hauptsächlich von Kernen, Nüssen, Sämereien und dergleichen.
Wenn es Herbst wird, werden diese Dinge allerdings nicht nur gefuttert, sondern auch gebunkert, damit in der bevorstehenden kalten Jahreszeit genug Vorrat vorhanden ist - Streifenhörnchen werden noch nicht lange genug in Gefangenschaft gezüchtet, als dass ihr Instinkt die Tatsache berücksichtigen würde, dass die Wohnzimmer-Temperatur auch im Winter von fröstelnden Ehefrauen auf konstanten 29 Grad gehalten wird.

In freier Natur wird der Vorrat verbuddelt, aber auch Astlöcher, unbewohnte Erdhöhlen und dergleichen dienen als Speicherkammer.
Im heimischen Wohnzimmer dienen Sofaritzen, Bücherregale, versehentlich offengelassene Schubladen, aber auch Schuhe (geil, wenn man da schwungvoll reinschlüpft, um mit dem großen Zeh an eine Erdnuss zu stoßen) und liegengebliebene Kleidung als Ersatz.

Aber lassen wir das erstmal, ich wollte Euch ja auch noch von meinem Drucker erzählen. Ein Canon Pixma iP5200, das sagte ich ja bereits. Ich war immer hochzufrieden damit, druckt schnell und gut. Ok, das mit der Schnelligkeit ist so eine Sache. Wenn man ihn nämlich einschaltet und kurz darauf etwas drucken will, dann ist der erstmal eine Weile mit sich beschäftigt, und man hört, wie im Inneren allerlei mechanische Vorgänge vor sich gehen.
Wahrscheinlich räkelt und streckt er sich, überprüft, ob alle Teile noch dort sind, wo sie hingehören - so, wie ich das auch jeden Morgen beim Aufstehen tue.

So geschehen auch neulich, als ich einen Brief ausdrucken wollte.
Was ich nicht ahnte, aber alsbald bemerken, respektive hören sollte: Tags zuvor hatte Rocky offenbar herausgefunden, dass es in diesem Drucker, wenn man durch die geöffnete Klappe der oberen Papierzufuhr einsteigt, noch einige ungenutzte Hohlräume gibt - diese wurden sogleich durch Befüllen mit Sonnenblumen- und anderen Kernen einer sinnvollen Verwendung zugeführt.
Der Drucker schaltete sich ein, die üblichen mechanischen Checks wurden jedoch von krachenden und knatternden Geräuschen begleitet, und aufgrund meiner jahrelangen Erfahrung mit Computern und allem, was dazugehört, diagnostizierte ich sofort messerscharf: "Da stimmt irgendwas nicht".
Ein kurzer Blick durch die geöffneten Klappen des Druckers ließ mich die Bescherung dann auch sofort erkennen. Ein Großteil der biologischen Füllung ergoss sich unter Rockys strafenden Blicken, die er mir aus seinem Käfig zuwarf, auf meinen Schreibtisch, nachdem ich den Drucker einmal kurz auf den Kopf stellte. Danach war chirurgische Feinarbeit angesagt: Mit Pinsel, Pinzette und einem Staubsauger wurden nach und nach die Überreste des unfreiwilligen Mahlvorgangs beseitigt.
Man mag es kaum glauben, aber der Drucker funktionierte danach wieder. Zumindest vorläufig...

Zwei Tage später wiederholte sich diese unschöne Geräusch jedoch erneut - eine Wiederholungstat war auszuschließen, Rocky war seither nur unter strenger Beobachtung auf freiem Fuß, und die Klappe des Papierschachts war verschlossen gewesen.
Ich musste also noch ein paar Futter-Reserven übersehen haben.
Also an die Arbeit, ich wusste ja noch, wie es geht - Drucker einmal vertikal um 180 Grad gedreht, und schon purzelte es nach draußen.
Außer den bereits bekannten Kernen lagen aber nun auch noch zwei kleine Spannfedern sowie diverse kleine weiße Kunststoffteile auf meinem Tisch.

Aus Erfahrung weiß ich mit einigermaßen zuverlässiger Sicherheit, dass so etwas nicht auf Rockys Speiseplan steht.
Es muss sich also zweifelsfrei um Teile des Druckers handeln.
Möglicherweise handelt es sich dabei sogar um die Teile, welche beim letzten Einschalten des Druckers diese widerlichen knirschenden und krachenden Geräusche ausgelöst haben. Denn seit sie rausgefallen sind, schaltet sich der Drucker wieder so ein, wie ich es vorher gewohnt war: Schön leise. Dummerweise ändert sich der Geräuschpegel aber auch nicht, wenn ich versuche, etwas auszudrucken. Dann blinkt die Statusleuchte absolut unhör- aber dafür umso besser sichtbar gelb vor sich hin.

Und so endet die Geschichte vom Drucker und dem Streifenhörnchen mit dem tragischen Tod des Erstgenannten. Rocky erfreut sich dagegen weiterhin bester Gesundheit. Das er irgendwas angestellt hat, scheint ihm aber bewusst zu sein. An den Nachfolger, ein iP4300, der an der gleichen Stelle wie sein erstes Opfer steht, hat er sich noch nicht näher herangetraut.
Vielleicht finden die beiden ja einen Weg, der eine friedliche Koexistenz möglich macht...

Ich werde diese Geschichte verbunden mit einer Reparatur-Anfrage übrigens an den Canon-Support schicken - schließlich habe ich auf das Gerät noch Garantie. Ich hoffe, die Leute dort haben Humor :D.
 

koloth

Chef-Hypochonder
:lachweg

So eine ähnliche Geschichte kenne ich von einem guten Freund und Studienkollegen.

Nur waren die Protagonisten in diesem Fall ein Diskettenlaufwerk respktive DVD-Laufwerk auf der einen und ein "heranwachsender Schulanfänger" auf der anderen Seite.

Der Ausgang der Geschichte ist aber ziemlich ähnlich. :D
 
B

Brummelchen

Gast
Hehe, hat seine Haftplicht wenigstens bezahlt? :D

Aber die Maus sieht schon übelst aus - wo der Kopf durchgeht, kommt der Rest auch
durch - unversehrt. Ist nur blöd, wenn's das Staubsaugerrohr in Betrieb ist ;)
Gottlob "hamstern" Mäuse nicht, jedenfalls nicht diese Gattung :D

Manche von diesen Rackern sind schon echt niedlich, sei es Degus oder die Chin's,
wenn die nicht so nag-haft wären :(
 

RollerChris

R.I.P.
Puhhh was bin ich froh über den Ausgang :D
Aber bist du Dir wirklich sicher das Rocky seine Nahrung in anbetracht der knappen Weltlebensmittellage bei verschiedenen Produkten noch nicht umgestellt hat auf Stahl und PVC
Schließlich ist er doch ein Eisenharteter Bursche

[Insidermodus]Ich dachte schon ganz anderst bei dem lesen der ersten Zeilen[/Insidermodus]
 
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