Diskussion Lehrermangel in Deutschland dramatisch

Gamma-Ray

Moderator
Teammitglied
Aktuell sollen 40.000 Lehrer in Deutschland fehlen und es ist wirklich schon lange absehbar gewesen, dass dieses Desaster Wirklichkeit wird.
Zu einem hat die Gesellschaft den Beruf immer als Prellbock genutzt in der eigenen Unfähigkeit, die Kinder zu erziehen.
Es war schon länger an der Tagesordnung, die Lehrer bzw. die Schule zu verklagen, wenn der Rotzlöffel sich nicht so entwickelt hat, wie gewünscht.
Und so mancher Schüler hat sich ins Fäustchen gelacht, wenn der Lehrer sich nicht durchsetzen konnte.
Dann war die Bezahlung für diesen Job auch etwas seltsam, ja es wollte ja auch kaum ein Lehrer Schulleiter werden, denn dann gab es noch mehr Stress und Arbeit.
Nun muss man sagen, dass es wie überall im Leben gute und sehr gute Leute gibt und es gibt motivierte und sehr motivierte.

Aber das hat wieder mal unsere Politik aus den Augen verloren, wie so vieles andere, was hoheitliche Aufgaben eines Staates angeht.
Es wird im "Armenhaus Deutschland" aber auch wirklich alles zu Tode diskutiert und dann folgt ein Masterplan auf der Grundlage eines Scherbenhaufens.

Na toll, und jetzt?

Vielleicht sagen jetzt die ersten, wie toll es die Lehrer mit Schulferien, krisenfestem Job und der tollen Bezahlung haben.
Aha, deshalb wollen das auch so viele machen! Und das ist ja auch ein Job, den jeder machen kann....
 

Blacky89

assimiliert
Ist das nicht 100% die gleiche Schei**e wie beim Mangel an Pflegekräften?
Einen Job den kaum einer machen will so schlecht zu bezahlen, bis ihn wirklich keiner mehr macht?

Dazu noch der gesellschaftliche Wandel, es ist doch bestimmt ein Träumchen so als
Hauptschullehrer in einen sozialen Brennpunkt zu unterrichten ;)
 

Mohima

Bekennender Nacktspießer!
Vielleicht sagen jetzt die ersten, wie toll es die Lehrer mit Schulferien, krisenfestem Job und der tollen Bezahlung haben.
.... und der Aussicht regelmäßig zu den großen Ferien wertschätzend bis zum Beginn des kommenden Schuljahres gekündigt zu werden. :kotz2
Daseinsfürsorge ist in unserer Gesellschaft scheinbar aus dem Fokus gerutscht und wird daher selten angemessen bezahlt, den wertgeschätzt, solange man selbst nicht unter den Folgen "leidet".
Ob das Lehrerdasein in einer Hauptschule im sozialen Brennpunkt oder einem Gymnasium in gutbürgerlichen Stadtteilen mehr Spaß macht?
Nach Aussagen eines betroffenen Lehrer ist beides belastend und bindet Ressourcen die sicherlich sinnvoller genutzt werden könnten.
 

Gamma-Ray

Moderator
Teammitglied
Ja das mit der Kündigung vor den Ferien habe ich auch gehört und dachte nur:
Mein Gott, was für eine tolle Wertschätzung. :stupid

Es gibt sogar dann eine Menge dieser gekündigten Lehrer, die sich nicht arbeitslos beim Arbeitsamt melden, d.h. sie kompensieren auch noch das Geld, das ihnen eigentlich zusteht.

Ganz großes Vorbild! :kotz
 

Keuchhusten

assimiliert
Seit der Gründung der BRD wurde meines Wissens nach nicht ein einziges Mal eine erfolgreiche Lehrerbedarfsplanung auf die Beine gestellt.
Zumal Lehrerstellen vor allem immer haushaltspolitische Verfügungsmasse waren. Man kam nie auf die Idee, für schlechte Zeiten vorzusorgen. Die Lehrerstellen waren im Gegenteil immer der Steinbruch für Haushaltseinsparungen.

Mittlerweile hat sich rumgesprochen, dass der Job a) nicht mehr so sicher ist, wie er mal war und b) auch nicht mehr so bequem ist, wie er mal war.

Das Ergebnis sieht man. Aber gut. Es wird ohnehin nichts passieren.

Ehrlich gesagt: Wann hat unsere Politik das letzte Mal ein Problem zum Wohle der Unter- und Mittelschicht wirklich gelöst? Mir fällt da kein annährend aktuelles Beispiel ein.

Außer vielleicht die Fortschritte bei der Gleichstellung der Homo- und Transsexuellen. Aber das war bzw. ist einfach nur eine Frage des Wollens, nicht des Könnens.
 

ElSer

nicht mehr wegzudenken
Es gibt sogar dann eine Menge dieser gekündigten Lehrer, die sich nicht arbeitslos beim Arbeitsamt melden, d.h. sie kompensieren auch noch das Geld, das ihnen eigentlich zusteht.

Ganz so selbstlos sind sie wohl nicht:
In den sechs Wochen Sommerferien gibt es nicht einmal einen Anspruch auf Arbeitslosengeld, weil die befristeten Anstellungen meist kürzer als das dafür geforderte volle Jahr sind. Wer ein Jahr Unterrichten ohne Unterbrechung nicht vorweisen kann, bekommt Hartz IV.
Quelle
 

Schpaik

jeder nach seiner Façon
Teammitglied
Vielleicht sagen jetzt die ersten, wie toll es die Lehrer mit Schulferien, krisenfestem Job und der tollen Bezahlung haben.

Das mit den Lehrern ist Ländersache und die Länder haben durchaus unterschiedliche Modelle. Berlin zum Beispiel stellt Lehrer nur noch als Angestellte ein. Das ist kostengünstiger als ein Staatsbeamter. Zudem können Angestellte nach Bedarf gekündigt werden. Das ist bei Beamten nicht möglich.

Aber insgesamt kann ich aus den verschiedenen Artikeln vor Allem eins heraus lesen. Die Länder versuchten bei Lehrern ohne Überschuss zu planen und man ging von der Prognose aus, dass es immer weniger Schüler geben wird.
Das jedoch Lehrer Ausfallzeiten haben können (Unfall, Krankheit, Schwangerschaft, etc.) wird nicht in die Planung mit einbezogen. Zudem zeigt es sich ja jetzt auch, das es im Gegensatz zu den Hochrechnungen wieder mehr Schüler gibt. Die Geburtenzahlen und die Zuwanderung ist gestiegen.

Ein Artikel über Berlin
Ein Artikel über Bayern
Ein Artikel vom Deutschlandfunk Überregional
 

Grainger

Praktizierender Atheist
Die Geburtenzahlen und die Zuwanderung ist gestiegen.
Das mit der Zuwanderung (dürften wohl eher die Flüchtlinge sein) war natürlich nicht vorhersehbar, aber die Geburtenzahlen weiß man Jahre im Voraus über die Einwohnermeldeämter.
Von den dieses Jahr geborenen Kindern müsste man eigentlich wissen, dass die in rund 6 Jahren alle einen Platz in einer Grundschule benötigen.
Das dürfte in einem Land, wo die verschiedenen Statistischen Ämter jeden noch so kleinen Mist statistisch erfassen, wohl kaum ein Geheimnis sein.

Also dürfte man den Lehrerbedarf auch so ca. 6 Jahre im Voraus planen können, wenn man denn wollte und nicht total unfähig wäre.

PS:
Das man mehr und mehr dazu übergeht Lehrer nicht mehr zu verbeamten sondern als Angestellte zu beschäftigen begrüße ich (aus verschiedenen Gründen) durchaus.
Eigentlich sehe ich kaum noch eine Notwendigkeit für Beamte, dass immer wieder angeführte Streikverbot für Beamte kann der Grund nicht sein, denn der stattdessen gerne benutzte "Dienst nach Vorschrift" legt den Dienstbetrieb fast genau so lahm wie ein Streik.
 
Zuletzt bearbeitet:

Gamma-Ray

Moderator
Teammitglied
Das ganze ist doch am allerwenigsten über die Berechnung der Geburtenquote oder Zuwanderung gelaufen.
Vielmehr hat man in der Haushaltsplanung geschaut, wieviel Geld man ausgeben und damit, wieviele Lehrer man bezahlen kann. Und das ist gedeckelt, mehr gibt es nicht.

Bei den Beamten kommen aus den Töpfen dummerweise noch die Pensionen dazu, die ohnehin ein weiterer Dorn im Auge der Kommunen sind. Aber das ist nun mal ein System, das zumindest in der Vergangenheit funktioniert hat, aber jetzt spart man sich zu Tode und an der falschen Stelle (die Bildung ist nun mal auch existenziell für den Wirtschaftsstandort). Das ist nicht mal bis zur Fußspitze gedacht.
 

Grainger

Praktizierender Atheist
Lehrermangel, Polizistenmangel, Soldatenmangel - Geiz ist irrsinnig geil.

Geldmangel scheinen wir aber keinen zu haben, wenn man so sieht wie das mit beiden Händen großzügig zum Fenster hinaus geschmissen wird:

• Bankenrettung,
• Griechenlandrettung,
• BER,
• S21,
• Elbphilhamonie,
• diverse gescheiterte Rüstungsprojekte,
• diverse Subventionen eigentlich toter oder teilweise entbehrlich gewordener Branchen,
• großzügige freiwillige Steigerungen unseres Anteils am EU-Haushalt,

usw.

Für alles ist Geld da, nur nicht für die eigene Bevölkerung.
 

Gamma-Ray

Moderator
Teammitglied
ot:
Wo er recht hat...
 

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Schpaik

jeder nach seiner Façon
Teammitglied
Grainger schrieb:
Das man mehr und mehr dazu übergeht Lehrer nicht mehr zu verbeamten sondern als Angestellte zu beschäftigen begrüße ich (aus verschiedenen Gründen) durchaus.
Eigentlich sehe ich kaum noch eine Notwendigkeit für Beamte, dass immer wieder angeführte Streikverbot für Beamte kann der Grund nicht sein, denn der stattdessen gerne benutzte "Dienst nach Vorschrift" legt den Dienstbetrieb fast genau so lahm wie ein Streik.

Ich bin mir nicht sicher, welcher Grad von Realität oder auch Sarkasmus bei deiner Aussage mitschwinkt. ;)

Nehmen wir die hoheitlichen Aufgaben des Staates als Beispiel. Eigentlich hat jeder Staat alleine schon als Vorsorge für spätere Generationen und zum Erhalt des Staates dafür Sorge dafür zu tragen, das es eine ordentliche Schulbildung gibt.

Angestellte kann man rumschubsen, diese können jedoch auch einfach wegbleiben, wenn diese zu sehr rumgeschubst werden. Beamte nicht. Diese kann man durchaus auch rumschubsen, sind jedoch nicht Kündbar.
Wie in einem der Links von mir, stellt Berlin inzwischen auf Angestelltenbasis Lehrer aus Polen für Berlin ein, weil es einfach nicht mehr genügend gibt. Der Beruf des Lehrers ist für die allermeisten eben deswegen attraktiv, weil man dadurch Staatsbeamter wird und dadurch klar Vorteile genießt. Nehmen wir diesen Status weg, gibt es keine ordentliche Ausbildung mehr für die kommenden Arbeitskräfte. Ganz einfach eigentlich.

(Warum nun die Lehrer in Berlin - oder auch aus anderen Bundesländern wo die Praxis herrscht - nicht auf die Straße gegangen sind, weiß ich nicht. Im Gegensatz zu Beamten dürfen die das nämlich)

Das Beamte mehr Geld kosten - in jeglicher Hinsicht - als Angestellte oder einfach Arbeitnehmer, kann man ganz leicht nachsehen. Das dort gespart werden möchte, kann ich nachvollziehen. An Menschen zu sparen ist definitiv lukrativer. Aber da sehe ich dann auch einfach die Beratungen von Firmen, die sich auf Statistiken berufen.

Vor einiger Zeit hat die Agentur für Arbeit in Hamburg rund 16 Millionen Euro ausgetütet für eine Analyse von einer externen Agentur, wie denn das Gebilde, die Herangehensweise und eigentlich alles drumherum optimiert werden könnte. Auf diese Ergebnisse haben sie sich gestützt, sich diesbezüglich umgewandelt und fahren in einigen Bereichen damit schlicht an die Wand. Einfach weil es eine wirtschaftliche Analyse war, die nicht berücksichtigt hat, das Menschen nur bedingt in Statistiken zu erfassen sind.

(Und überhaupt... 16.000.000 Euro... wo nehmen die das Geld her - oder eben, wem nehmen sie dieses Geld weg - und was war das bitte zur Hölle für ne Erkenntnis??
Alleine mit dem Know-How auf diesem Forum hätte ich eine ähnlich lautende Studie in vier Wochen erstellt. Oder ich eben alleine in drei Monaten. Die Informationen die präsentiert worden sind, sind fast alle über Internet einzusehen. Ein bisschen Grips, ein bisschen Powerpoint, ein bisschen warten und schon ist man um 16 Millionen reicher... bah.. was für ein Schweinesystem!)

Tatsächlich haben wir keinen Lehrermangel in Deutschland. Wir haben einen Mangel an Respekt und Achtung - eben auch in der Bezahlung - gegenüber Lehrern in Deutschland.

Die Zahlen die es gibt, über Menschen die Lehrer sein könnten, sagen das deutlich aus.
Aber warum sollte ein Mensch sich einen unterbezahlten Job antun, der nicht mal vom Staat gewürdigt wird. Die, die das jetzt noch machen sind einfach Fatalisten. Davon gibt es immer noch erschreckend viele.

Genauso übrigens wie bei Pflegekräften, Krankenschwestern und -brüdern und eigentlich so ziemlich allen sozialen Berufen. In all diesen Bereichen gibt es einen massiven Mangel an Arbeitskräften. Mir völlig unverständlich wie eine Krankenschwester darüber klagen kann, das sie bis zu 100 Überstunden im Monat machen muss. MUSS SIE NICHT. Die Gesellschaft ruht sich darauf aus, das sie es tut. Die dumme Nuss ist in ihrer Berufung sosehr gefangen, das sie keine Konsequenz ziehen kann.
Und solange sie selbst es nicht tut, wird sich nichts ändern.

Überhaupt sehe ich in diesem ängstlichen Verhalten der Arbeitnehmer das sie Einschränkungen oder gar Kündigungen erwarten müssen das große Problem.
Beamte dürfen nicht streiken. Laut Satzung. Würden sich diese Beamte dieser Welt hinstellen und sagen: Öh.. uns doch egal. Wir streiken jetzt! - Was dann?
Dann hagelt es zunächst Strafen ohne Ende und dann?
Dann gibt es repressive Maßnahmen. Bevorzugt gegen die Rädelsführer. Mit dem gleichzeitigen Hinweis, das die Mitschwimmer ungeschoren davonkommen.
Und wenn man länger durchhält?

Dann knickt der Staat (der Arbeitgeber) meist ein. (Siehe die Geschichte. Kann man nachlesen. Ist eine immer wiederkehrende Reaktion)

Das Problem sind immer die Verräter und die Menschen, die in ihrer Arbeit ihre Passion gefunden haben. Davon gibt es überraschend viele. Also gerade bei Lehrern bin ich immer wieder Teile der Menschheit begegnet die Sozialpolitisch doof wie Brot sind.

Ich bin bei der aktuellen Arbeitsmarktlage bass erstaunt, das sich die ganzen Kurierfahrer von Hermes, DHL und Konsorten nicht gegen ihrer Arbeitsbedingungen und gegen ihre Bezahlung auflehnen. Das ist ein Hungerlohn, sind miese Bedingungen und inzwischen sind sie sozusagen Systemrelevant.

Ähnlich bei Krankenschwester und -brüder. Immer rumheulen, immer darüber Klagen wie schlimm doch die Zustände sind.
Tja, ihr werdet zu wenig gewürdigt? - Dann hört auf damit. Stellt eure Tätigkeit ein. Bevor ihr das nicht tut, wird niemand erkennen, wie wichtig ihr seit.
 

Grainger

Praktizierender Atheist
Die AfD.

(Noch) nicht an der Macht, aber schon das Denunziantentum fördern. Passt genau zu dem Bild, dass ich von diesen … (<-freiwillige Selbstzensur) habe!
 
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