Kommentar: Microsofts Rolle in Zeiten des KI-Journalismus

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Kommentar: Microsofts Rolle in Zeiten des KI-Journalismus

Microsoft CEO Satya Nadella


Ende November kam es im Podcast MDMEETS von Axel Springer-Chef Mathias Döpfner zu einer interessanten Begegnung, als Microsoft-Chef Satya Nadella zum Gespräch geladen wurde. Während die Folge an sich tatsächlich interessant ist und Nadella sich hier auch sehr konkret über Deutschland (um Minute 40) und Microsofts allgemeine Pläne mit Künstlicher Intelligenz äußert, soll es in diesem Beitrag um einen anderen Punkt gehen, der nicht minder spannend ist.

Microsoft und Axel Springer verbindet schon seit einiger Zeit eine engere Partnerschaft in diesem Bereich. Das Technologieriese aus Redmond, der Künstliche Intelligenz ins Zentrum seiner eigenen Zukunft gestellt hat, trifft auf den Medienkonzern aus Berlin, der seine Zukunft zunehmend im nahezu vollständigen KI-Journalismus sieht. Und die Gemeinsamkeiten gehen noch viel tiefer.


KI-Journalismus

Microsofts eigener Einstieg in den KI-Journalismus liegt tatsächlich schon einige Jahre zurück. Bereits im Mai 2020 berichteten wir darüber, dass Journalisten bei MSN dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz weichen sollen. Die Ambitionen setzen sich auch heute auf Basis von Copilot fort. Schon im Juli wurden Pläne über einen überarbeiteten Newsfeed in den Widgets von Windows 11 öffentlich, während Verlage für das Training der KI mit ihren Inhalten von Microsoft künftig entlohnt werden sollen.

Die Dimensionen bei Axel Springer sind indessen ganz andere. Ein Bericht vom Tagesspiegel aus dem vergangenen Mai macht deutlich, wie weitreichend KI-Modelle wie ChatGPT in der journalistischen Grundsatzarbeit von Medien wie WELT oder Politico mittlerweile verankert sind. Auch Döpfner selbst zählt zu den großen Treibern der KI-Revolution in seinem Haus, die den Firmenwert von Axel Springer deutlich steigern soll. Dabei könnten neben bereits geschluckten Vorzeigemedien wie Politico noch andere Vertreter unter seine Kontrolle kommen, zuletzt wurde ihm wiederum im Tagesspiegel das Interesse an großen Medien wie CNN und dem Wall Street Journal nachgesagt.

Insgesamt profitieren beide Unternehmen massiv voneinander. Axel Springer kann auf die enormen Kapazitäten von Microsoft Azure und Microsoft Advertising setzen, während Microsoft umgekehrt mehr Inhalte für MSN bekommt und aufgrund der separaten Partnerschaft zwischen Axel Springer und OpenAI noch zusätzlich indirekt mit abkassieren kann.

Risiken

Dass KI im direkten Journalismus auch mit Risiken verbunden ist, zeigt ein Beispiel von Google aus diesen Tagen, als ein Experiment in Discover für irreführende Überschriften gesorgt hatte, die Gemini gegenüber den eigentlichen Inhalten optimieren wollte. Aber auch so gibt es in den Berichterstattungen über Video und Bild sowie in den sozialen Netzwerke die zunehmende Herausforderung, reguläre von KI-generierten und ggf. -manipulierten Inhalten zu unterscheiden.

Wenn diese Methodik aber mitten in einem Nervenzentrum ankommt, wie es bei den verschiedenen Publikationen von Axel Springer der Fall ist und zunehmend der Fall sein wird, hat aber noch eine andere Relevanz. Wir wissen gerade bei der Boulevardpresse, wie reißerisch und herbeigedichtet die Inhalte auch ohne KI schon ausfallen (können), um möglichst hohe Reaktionen zu generieren. Polarisierung treibt die Kundschaft. KI bietet hier aber noch ein ganz anderes Eskalationspotenzial, auf das man achten muss. Dass Microsoft hiervon zumindest indirekt profitiert, hinterlässt entsprechend ein gewisses Geschmäckle.

Schlusswort

Bevor diese Frage aufkommen sollte: Die Beiträge auf Dr. Windows werden grundsätzlich von den jeweiligen Redakteuren selbst verfasst und auch die Korrektur von Gastbeiträgen oder der zweite Blick über einen kommenden Beitrag von uns wird von anderen Redakteuren – meistens Martin oder mir – übernommen. Ihr braucht euch da also keine Sorgen machen, dass KI beim Verfassen der Beiträge reingrätscht. Dass sie ganz vereinzelt eine kleine Rolle spielt, wenn Tobi für seine Entwicklertagebücher zum Beispiel wieder mit GitHub Copilot experimentiert, wollen wir der Transparenz halber hier aber erwähnen.

Schreibt gerne mal eure Anmerkungen zum Thema KI-Journalismus in die Kommentare und wie ihr die Zusammenarbeit zwischen Microsoft und Axel Springer in diesem Umfeld beurteilt. Bleibt aber bitte sachlich, dieses Thema an sich polarisiert schon genug.

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