Kommentar eines frustrierten Entwicklers: Microsoft nimmt mir jeden Spaß

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Kommentar eines frustrierten Entwicklers: Microsoft nimmt mir jeden Spaß

Dr. Windows intern Titelbild


Dies ist ein schmerzhafter Kommentar für mich. Wie ihr eventuell bemerkt habt, ist die Anzahl neuer Artikel von mir auf Dr. Windows stark zurückgegangen. Neben dem obligatorischen Sommerloch hat das jedoch vor allem mit Microsoft selbst zu tun. In meinen Beiträgen versuche ich, Spaß an der Softwareentwicklung und anderen Dingen wie Content-Creation oder dem Nerd-Dasein im Allgemeinen näherzubringen. Doch Microsoft torpediert dies immer und immer wieder.

Dies soll keine Jammerei sein, sondern eine in mir gereifte Auffassung widerspiegeln, dass ich derzeit niemanden raten kann, sich näher mit Microsoft-Technologien zu beschäftigen, wenn man nicht beruflich dazu “gezwungen” ist.

Meine Historie​


Seit bald zwanzig Jahren möchte ich Menschen zeigen, wie man mit Microsoft-Technologien Spaß haben, sich verbessern oder einfach eine schöne Zeit haben kann. Selbst zu Zeiten, in denen Visual Studio noch Geld kostete oder es dutzende Visual Studio Express Varianten gab, war ich zutiefst der Überzeugung, dass hier ein echtes Commitment seitens Microsofts besteht, auch nicht kommerziellen Nutzern etwas Gutes zu mitgeben zu wollen. Ich war davon so stark überzeugt, dass mir manche Hasskommentare oder das Auslachen von anderen egal war und ich die Plattformen verteidigte, über welche ich gerade Inhalte erstellte.

So schrieb ich viel in diversen Portalen, verbrachte etliche meiner freien Stunden in Foren und Communities und entwickelt Beispielanwendungen, um SDKs oder Plattformfunktionen anderen Menschen näherzubringen.

Doch worin mündeten die meisten meiner Bemühungen? Dass ich Menschen mit Überzeugung aufzeigte, wie toll etwas ist, nur um dann Monate später zu sehen, dass Microsoft die Lust daran verlor und es einstellte, oder es verkümmern ließ. Dies brachte und bringt immer unangenehme Gefühle mit sich. Denn die Menschen, welche einem vertraut haben, und deswegen ebenfalls Zeit und Mühe in Produkte von Microsoft investiert haben, stehen nun ebenso mit leeren Händen da.

Die lange Liste der vergeblichen Versuche​


Die Liste der Fehlschläge ist lang. In der jüngeren Vergangenheit angefangen mit Windows Phone 7 und XDA, über Windows 8 und den Metro-Apps, wo ich aktiver Teil des “Student Developer Club” war, über Silverlight für das Web bis hin zur aktuellen Zeit mit dem Scheitern von UWP, dem vergeblichen Versuch, PWAs zu etablieren in den Stores und ein Widget Ökosystem für Windows 11 zu schaffen. Auf Programmseite wäre hier auch das vor wenigen Monaten hoch gehypte Loop anzumerken, wo es seitdem auch gefühlt sehr still geworden ist.

Bei anderen Produkten abseits des Mainstreams wie Windows 10 IoT Core oder der Surface Duo Reihe war klar, dass es Nischenprodukte sind, welche eventuell eingestellt werden könnten.

Doch auch wenn Produkte nicht eingestellt werden, hat man es schwer, bei Freunden und Bekannten für Akzeptanz zu sorgen. Dafür sorgen die hohe Anzahl von Fehlern oder störende Faktoren wie Werbung für kostenpflichtige Microsoft-Dienste.

Doch was mich am meisten schmerzt und enttäuscht ist, eine Sache: Die fehlende Kommunikation!

Nennt es beim Namen, es ist tot!​


Wenn etwas Unternehmens-strategisch nicht mehr ins Portfolio passt und man es einstellt, kann man es auch beim Namen nennen: Es ist tot, heruntergefahren, nicht mehr verfügbar. Man kann es aber auch unkommentiert laufen lassen und nicht mehr warten und aktualisieren. Letzteres ist bei Microsoft in letzter Zeit leider die gängige Praxis. Eventuell ist es aber auch ein positives Zeichen, dass manche Produktverantwortliche ein Ende ihres Services, Gerätes oder der Anwendung nicht hinnehmen wollen.
Für potenziell interessierte Menschen ist dies jedoch eine Vertrauensfalle. So erwähnt beispielsweise Microsoft auf Webseiten zum Surface Duo mitnichten, dass es nicht nur die Hardware, sondern auch die SDKs seit etlichen Monaten dahinvegetieren und sehr wahrscheinlich intern schon abgeschrieben sind.

Es sind nicht die Mitarbeitenden​


Eines ist mir vollkommen klar, es ist nicht der Schuld der Mitarbeitenden, mit welchen man in den jeweiligen Produktgruppen Austausch hatte, welche einem so gut wie möglich weiterhalfen und mit manchen sogar über die Zeit richtige Freundschaften entstanden. Doch nicht erst seit den letzten Entlassungswellen ist klar, dass Microsoft als solches auf diese hart erarbeiteten Verbindungen vom Konzern zum Fußvolk keinen direkten Wert legt. An dieser Stelle frage ich mich, wie es wohl für Angestellte der Developer-Relationship Abteilungen sein muss, wenn diese vom einen auf den anderen Tag mitbekommen, wie das Produkt unter ihren Füßen eingestellt wird – gewöhnt man sich daran?

Wie geht es für mich weiter?​


Für mich persönlich ist das noch nicht klar. Ich mag vor allem die Menschen hinter Microsoft nicht missen, doch will ich hier weiterhin meine doch mittlerweile sehr kostbare Freizeit für Produkte und Dienste aufwenden, welche keinen Bestand haben könnten? Ist mir es das Risiko wert?

Mir ist klar, dass diese Praktik nicht Microsoft-eigen ist. Google ist hier wohl der Vorreiter und auch andere Software-Giganten sind hier kein unbeschriebenes Blatt. Dennoch hoff(te) ich einfach, dass Microsoft anders ist.

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