Ich schreibe beruflich Texte – wird künstliche Intelligenz meinen Job überflüssig machen?

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Ich schreibe beruflich Texte – wird künstliche Intelligenz meinen Job überflüssig machen?

Ein Roboter schreibt ein Buch


Spätestens seit der Veröffentlichung von ChatGPT und allerspätestens mit der Vorstellung des neuen Bing ist um das Thema künstliche Intelligenz ein Hype entstanden. Wie es sich für einen echten Hype gehört, überbieten sich die Prognosen, wie sehr dieses Thema unsere Welt verändern wird. Wenn es um Technologie geht, dann ist ein Schlagwort immer ganz weit vorne dabei: Der Jobkiller.

KI wird ganz viele Jobs überflüssig machen, das kann man derzeit an jeder Ecke im Internet lesen. Das schürt Ängste, denn niemand möchte seinen Job verlieren. Ich bin sicher nicht schlau genug, um das allumfassend abschätzen zu können, daher will ich versuchen, mich dem Thema als mutmaßlich Betroffener zu nähern und meine Gedanken hierzu zum Besten geben.

Eine generelle Aussage kann ich mir aber dennoch nicht verkneifen: Wir müssen uns nur anschauen, wie sehr die Belegschaften der großen Technik-Konzerne in den letzten Jahrzehnten gewachsen sind. Angesichts der Tatsache, dass Google, Amazon, Microsoft und Co. derzeit massenhaft Personal entlassen, ist der Zeitpunkt sicher ungünstig, das auszusprechen, aber es ist dennoch wahr: Technischer Fortschritt hat stets für mehr Beschäftigung gesorgt. Ja, es stimmt, Berufe werden durch technischen Fortschritt überflüssig, aber an ihre Stelle treten neue, die es vorher nicht gab.

Damit kommen wir zu mir: Mein Job ist es, Texte zu verfassen. Damit stehe ich ganz oben auf der Abschussliste der Jobs, die von kreativen KI-Bots übernommen werden. Was die Monetarisierung meiner Arbeit angeht, verbinde ich mit dem neuen Bing akute Befürchtungen, die ich bereits niedergeschrieben habe. Um die soll es heute aber nicht gehen, das ist ein völlig anderes Thema.

Es geht vielmehr um die Frage: Werde ich noch gebraucht? Und mit mir all die anderen Leute, die mit dem Verfassen von Texten, insbesondere Online-Nachrichten, ihre Brötchen verdienen?

Um sich einer ausgewogenen Antwort zu nähern, muss man sich kritisch mit dem Status Quo auseinandersetzen. Der Online-Journalismus ist in seiner Gänze kaputt. Die News-Portale im Internet sind zu Gauklermärkten verkommen, wo mit lautem Geschrei und jeder Menge bewusster Täuschung um Klicks gebuhlt wird. Die Formulierung jeder einzelnen Überschrift ist dem Grundsatz unterworfen: Der Leser darf auf keinen Fall erfahren, worum es geht, wenn er nicht klickt. Nach dem Klick wird der Leser aber oft trotzdem nicht schlauer, weil die eigentliche „Nachricht“ entweder eine gänzlich andere als die in der Überschrift suggerierte ist oder weil aus einer völlig belanglosen Banalität eine Geschichte konstruiert wurde.

Trigger sind auch ganz enorm wichtig: Corona, Flüchtlinge, Klimawandel, Krieg – es muss immer so formuliert werden, dass der Mob drauf anspringt, denn das bringt Klicks und damit Geld. Wenn es nebenbei noch ein paar Leute informiert, umso besser. Wirklich entscheidend ist das aber nicht.

Garniert wird dieser unsägliche Mix noch von Sensationsmeldungen wie dem Bericht über ein Instagram-Bikini-Foto einer Influencerin, die schon bald niemand mehr kennt (ich kenne sie schon heute alle nicht) und der Bilderstrecke von atemberaubenden Schönheiten der 90er Jahre, von denen wir nicht glauben werden, wie sie heute aussehen.

Ich bin mir sehr sicher: Das kriegt eine KI auch hin, vielleicht sogar besser. Mir fällt auch kein Grund ein, warum Jobs, die sich mit der Schaffung solcher Inhalte beschäftigen, es wert wären, dass man sie erhält. Lasst das ruhig die Bots übernehmen.

Es geht allerdings auch weniger dramatisch: Es gibt zahlreiche echte Nachrichten, die man per KI generieren kann, in der Welt der Finanznachrichten ist das bereits Realität. Die Qualität der auf diese Weise erzeugten Nachrichten ist teilweise noch erschütternd schlecht, aber das regelt der technische Fortschritt.

Mist, ich bin völlig abgedriftet, ich wollte ja eigentlich über mich sprechen. Wenn ich ebenso kritisch auf DrWindows schaue, so muss ich feststellen: Die überwältigende Mehrzahl der Beiträge, die hier erscheinen, könnte auch ein Bot schreiben. Sie sind nichts anderes als Zusammenfassungen von Pressemeldungen oder anderen Veröffentlichungen. Objektiv betrachtet kann also auch mein Job durch KI ersetzt werden.

Damit kommen wir zum entscheidenden Punkt und darum habe ich oben auch so weit ausgeholt: Man sollte Textgeneratoren nicht als Bedrohung, sondern als Unterstützung ansehen. Diesen Beitrag hier wollte ich beispielsweise schon vor einer Woche veröffentlichen, vor lauter Tagesgeschäft kam ich allerdings nicht dazu.

Wenn ich alle Routine-Nachrichten, deren Verfassen mich nicht sonderlich fordert, aber viel Zeit kostet, an einen Bot delegieren könnte, dann hätte ich mehr Zeit, mich mit höherwertigen Beiträgen zu beschäftigen. Meinungsartikel, Testberichte, Nachrichten, denen eine umfassende Recherche vorausgeht.

Für alles, das heute (nicht nur hier) zu kurz kommt und wo es für die Leser wirklich einen Unterschied macht, ob der Verfasser ein Mensch oder eine Maschine ist, bliebe mehr Zeit, wenn die News, bei denen es nur darum geht, eine einfache Tatsachenmeldung von A nach B zu transportieren, automatisiert werden könnten.

Ich jedenfalls fühle mich nicht bedroht, im Gegenteil. Ich sehe die Chance, mit kreativer KI meinen Job insgesamt besser machen zu können und meinen Lesern damit unter dem Strich mehr zu bieten, als es mir heute möglich ist. Zum Beispiel mit kreativeren Artikelbildern wie dem obigen, das von DALL-E erstellt wurde (Befehl: Ein Roboter, der ein Buch schreibt).

Oder mit ganz einfachen Worten: KI wird die schlechten Journalisten ersetzen, die Guten werden bleiben. Ich bin nicht so vermessen, mich ganz selbstverständlich zur zweiten Gruppe zu zählen, aber ich sehe mich auch nicht chancenlos. Und wenn es mich doch den Job kostet, dann ist es halt so und ich mache einen anderen.

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