Diskussion Homeoffice

Gamma-Ray

Moderator
Teammitglied
Habe heute morgen einen sehr interessanten Beitrag zum Thema Homeoffice gehört.


Ich war in meinem Berufsleben auch Befürworter für Homeoffice, aber bedingt.
Man muß immer das ganze mit Augenmaß sehen und individuell auf Situation und Mitarbeiter sowie einem funktionierendem Team das ganze bewerten.

Es geht hier nicht um einzelne Tage, sondern wie man generell das ganze so gestalten kann, dass nicht eine Richtung eingeschlagen wird, bei der es langfristig eher schadet, wem auch immer.
Die persönlichen Voraussetzungen des AN sind dabei genauso zu betrachten, wie die dynamische und effektive Teamarbeit.

Dass jemand im Homeoffice nicht an weiteren Innovationen in der Firma mitarbeiten kann wie bei Anwesenheit, ist doch auch ein Argument.

Von daher finde ich es auch weniger sinnvoll, wenn der Gesetzgeber hier einschreiten will.
 

Timelord

assimiliert
Der Artikel liesst sich, als wäre die Autorin in einer Firma mit stark autoritären Strukturen beschäftigt.
Diese sind mit Home Office oft nicht vereinbar, weil die Autoritäten einen Großteil der Kontrolle abgeben müssen, während sie gleichzeitig nicht einsehen, dass Mails nachts um 2 nicht binnen 5 Minuten beantwortet werden.

Ich arbeite in einer völlig anderen Struktur, sowohl bei meinem Arbeitgeber, als auch bei unseren Kunden: Wir arbeiten in global aufgeteilten Teams. Dadurch ist an ein gemeinsames "im Büro sitzen" sowieso nicht zu denken. Ein Kunde brauchte etwas Zeit, um das zu verstehen - hat nun aber bemerkt, dass die Arbeit so deutlich besser funktioniert.
Letzteres hat mehrere Aspekte, bei Meetings wird es aber weit deutlicher: Das gezwungene Socializing in den ersten 10 Minuten eines Meetings fällt weg, da man zwischen den Meetings nicht von einem Gebäude zum nächsten rennen muss und nicht zwischendrin immer wieder unterbrechen muss, weil die Tür aufgeht und ein weiterer Teilnehmer mit lautem "Hallo" erstmal nach einem Sitzplatz suchen muss. Dazu kommen die deutlich besseren Online-Verbindungen mit den globalen Kollegen in den Meetings - die Verbindung ist drastisch besser, als über die (extrem teuren) Telefonspinnen.

Es gibt Situationen, da ist Home Office gut und sinnvoll, es gibt aber auch genau das Gegenteil. Meiner Ansicht nach hängt es von sehr vielen beruflichen und privaten Aspekten ab und muss für (und mit) jedem Mitarbeiter individuell geprüft werden.

Besonders witzig fand ich aber den 1. Ansatz unseres Arbeitsministers. Der sah eine generelle Home Office Pflicht vor - für alle Berufsgruppen und ohne Ausnahme. Ich habe mich damals schon gefragt, wie der Schornsteinfeger (aktuelles Beispiel, der war nämlich gestern erst hier ;)) unseren Kamin von sich zu Hause aus prüfen will. Das wurde zum Glück recht schnell angepasst. :D

Trotz allem halte ich einen gesetzlichen Eingriff notwendig. In globalen Zeiten arbeitet man oft nicht mehr in der Stadt in der man lebt - mal abgesehen davon, dass besonders Großstädte oft zu teuer sind: Firmen ziehen um, man wird in einer anderen Niederlassung gebraucht oder wechselt doch schneller mal die Firma als früher. Das Ergebnis sind hohe Pendlerzahlen, die immer weiter steigen.
 

Supernature

Und jetzt?
Teammitglied
Einmal mehr gilt auch hier: Die Dosis macht das Gift.
Ich will nicht ins alte Muster zurück, ich fühle mich freier, mein Unternehmen fühlt sich für mich sehr viel weniger autoritär an.
Die Verbindung zu den Kollegen hat allerdings gelitten, ich hätte nie gedacht, dass sie mir auf Dauer sogar fehlen würden :D.
 

chmul

Moderator
Teammitglied
Ich bin eh asozial und mir fehlt eben dieser Kontakt überhaupt nicht. Zudem gibt es in meiner Abteilung sehr selten die Notwendigkeit, pysisch im selben Raum mit dem Gesprächspartner zu sein. Momentan gilt für mich noch 95% Homeoffice. Es gibt ein paar Sachen, die bei uns noch nicht digitalisiert laufen, die erledige ich aber in der Regel an einem Vormittag.

Allerdings sind wir demnächst wieder auf dem Weg zur alten Regelung. Langsam zwar (60% HO) aber das wird noch bis auf 40% reduziert. Vermutlich nach der Urlaubszeit. Schon vor der Corona-Krise hatten wir diese Möglichkeit, Gebrauch davon hat aber kaum jemand gemacht. Ich werde das voll ausnutzen und versuchen auch noch einen dritten Tag zu Hause rauszuholen.

Ich spare täglich 40 Minuten, die ich für mich nutzen kann (länger schlafen, früher mit anderen Sachen anfangen) oder für längere Arbeitszeit nutzen kann. Und ich spare Zeit durch sinnlose Gespräche, die mir durch redefreudige Kollegen verloren gehen. Was Timelord bei den Meetings angesprochen hat, kann ich bestätigen, ist bei uns genau gleich.
 

Grainger

Praktizierender Atheist
Ich habe (als ich noch berufstätig war ;)) auch gelegentlich im Homeoffice gearbeitet, aber wirklich nur gelegentlich.
Meist dann, wenn termingebundene Arbeiten zu erledigen waren, die außerdem ein hohes Maß an Ruhe und Konzentration erforderten (z.B. der Entwurf für den personellen Wirtschaftsplan für das nächste Jahr).
Das war bei mir im Büro nämlich nicht gut zu machen, ständiger Publikumsverkehr, das Telefon klingelt gefühlt alle 3 Minuten, usw.

Solche Tätigkeiten konnte ich zu Hause wesentlich schneller und fehlerfreier erledigen.
Allerdings bin ich in meinem Homeoffice auch wirklich alleine, da sind weder Frau noch Kinder die die Gelegenheit nutzen um mir auf den Keks zu gehen. :D

Tatsächlich hätte ich gegen ein geregeltes Homeoffice auch nichts einzuwenden gehabt, etwa in der Form 2 Tage/Woche Homeoffice + 3 Tage/Woche Präsenz (oder umgekehrt).

Eingesparte Fahrkosten und -zeiten waren dabei eher irrelevant, ich habe die letzten ~25 Jahre eine Fahrstrecke von gut 12 km und eine Fahrzeit von rund 20 Minuten zu meinem Arbeitsplatz gehabt und konnte sowohl zu Hause wie auch auf der Arbeit fast vor der Tür parken.
Außerdem lagen auf der Fahrstrecke so gut wie alle Einkaufsmöglichkeiten, so dass ich auch bei reinem Homeoffice dann eben zusätzliche Einkaufsfahrten gehabt hätte.

Ausschließlich Homeoffice wollte ich aber auch nicht, dass hängt sicher auch damit zusammen das wir ein ziemlich harmonisches Team waren, gut miteinander klar kamen und mehrmals im Jahr auch privat gemeinsam etwas unternommen haben (was trotz meiner Rente eigentlich grundsätzlich auch jetzt noch der Fall ist, das musste aber bedingt durch Corona etwas pausieren).

Da nun aber alle durchgeimpft sind werden wir das wieder aufleben lassen, nächste Woche soll gemeinsam gegrillt werden.

Ich bin aber der Meinung, dass man unwillige und dem Kontrollwahn verfallene Arbeitgeber uU gesetzlich dazu zwingen müsste, Homeoffice optional und in einem gewissen Rahmen anzubieten.
Also ein Recht des AN auf Homeoffice unter definierten Rahmenbedingungen. Da aber unsere Gesetzestexte anscheinend immer schlechter verfasst werden sehe ich nach so einem Gesetz eine Klagewelle der Arbeitgeberverbände voraus.

Bei so ziemlich allen Büro- und Verwaltungsjobs im weitesten Sinne sollte aber ein geregeltes Homeoffice möglich sein, notwendige Präsenzzeiten für Sprechstunden, usw. kann man ja regeln.

Das würde den täglichen Berufsverkehr sicherlich spürbar entlasten, dann müsste man nur noch die Muttis dazu bringen ihre Kids nicht jeden morgen mit dem SUV in die Schule zu bringen.
 
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