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Google Gemini: Eine starke KI mit einem Sorgfaltsproblem
Eigentlich kann Google mit seinen jüngsten Fortschritten zufrieden sein. Zwar läuft in Brüssel ein neues Antitrust-Verfahren wegen der KI-unterstützen Suche, aber immerhin hat man Microsoft und OpenAI unter Zugzwang gesetzt und mit Opera einen anderen Entwickler gefunden, der seinen bisherigen KI-Assistenten Aria, welcher auf ChatGPT basierte, gegen die Gemini-basierte Opera AI auswechselt. Alles gut? Leider nicht. Gerade bei der Sorgfältigkeit scheint Gemini bisweilen noch einige Probleme zu haben.
Das war dann mal weg
Ein kurioses Beispiel leistete sich zuletzt Google Antigravity, seinerseits ein Fork von Visual Studio Code. Nachdem Gemini bereits im Juli dabei erwischt wurde, statt einer Umbenennung gleich das ganze Verzeichnis zu löschen, machte er erst in diesem Monat wieder bei einem gesamten Laufwerk die Grätsche. Immerhin entschuldigte sich die KI und Google teilte auch mit, man nehme die Sache sehr ernst und untersuche den Vorfall, aber der Schaden ist nun erstmal angerichtet und zeigt, dass man mehrere Monate nach dem ersten Vorfall die Probleme nicht in den Griff bekommen hat.
Klar: Mit Google Antigravity werden die meisten Ottonormalnutzer ebenso wenig in Kontakt kommen wie mit der Entwicklungsumgebung Android Studio. Es gibt aber mit Google Chrome, dem Google Drive-Client oder der kommenden Google-App für den Desktop alte und neue Apps, wo dieser Kontakt um ein Vielfaches wahrscheinlicher ist. Dass Gemini hier ebenfalls auf breiter Front aufschlagen wird, dürfte klar sein. Im aktuellen Zustand ist das mit dem notwendigen Vertrauen so eine Sache.
Ein kleines bisschen Amok
Schwieriger wird es beim Blick auf die Services. Waren die ersten Fettnäpfchen der AI Overviews noch lustiger Natur, gestaltet sich die Sachlage besonders auf YouTube mittlerweile deutlich ernster. Erst im Oktober wurden Tutorials zu Windows mit der Begründung entfernt, dass diese zu schweren Körperverletzungen führen und eine Gefahr für Leib und Leben werden können. Und nicht nur das…
Der bekannte YouTuber YongYea hatte das in einem ausführlichen Video zuletzt gut dokumentiert. Manche Sachen erinnern durchaus an das eine oder andere Kuriosum, was wir auch mit Microsoft hatten. Der Vergleich geht aber soweit, dass selbst bei einem Einspruch sofort eine automatisierte Rückantwort der gleichen KI mit der Ablehnung eintrudelt und ein Kanal selbst dann noch gesperrt ist, wenn dessen Betreiber vor Gericht gegen Google gewonnen hat.
Während Microsoft sich seinerseits damit gebrüstet hat, dass Kundendienst durch die KI bei diesen für mehr Begeisterung und Zufriedenheit sorgt, spricht YouTube-Chef Nael Mohan unverhohlen davon, dass mit der KI eine neue Klasse von Creatorn geschaffen wird, die vorher weder die Fähigkeiten noch die Ausstattung hatten. Deswegen werde YouTube die Moderation mit und durch die KI auch mit Nachdruck weiter ausbauen.
Fazit
Das Grundproblem bei Google liegt sicherlich nicht zwingend in der Qualität seiner Modelle, wo mit Gemini 3 Pro und Nano Banana Pro zwei ziemliche Erfolge gelungen sind. Die besten KI-Modelle können aber zur dicken Einbahnstraße werden, wenn deren Implementierung in die eigenen Produkte bestimmten Mindeststandards nicht erfüllen kann. Das gilt sowohl für den Desktop, wo mit Disco derzeit ein neues Experiment läuft, als auch die Services, wo bei Google Discover zuletzt ein fragwürdiges Experiment gelaufen ist.
Was bei Google allerdings den Unterschied macht, ist die Macht über Existenzen, die entweder von dem Ranking in der Google-Suche oder der Finanzierung über AdSense zumindest teilweise abhängig sind. Das ist nicht gesund und man darf hier auch nicht leichtsinnig werden, das ist völlig klar. Aber es ist nochmal ein weiterer Grund, warum wir offen darüber sprechen müssen, wie wir als Menschen mit KI umgehen und diese sinnvoll einsetzen können. Zumindest mit YouTube und Android hat eine sehr breite Masse in der Gesellschaft zu tun.
Gemini selbst ist eigentlich ein starkes KI-Modell, das würde ich auch nicht abstreiten. Allerdings muss man die aktuellen Probleme mindestens kritisch hinterfragen. Das heißt nicht, dass man Copilot als Alternative und Konkurrenten jetzt über den Klee loben soll, aber den Blick zu anderen und ergänzenden Konkurrenten wie Le Chat von Mistral AI aus Frankreich oder Claude von Anthropic sollte man unter den derzeitigen Gegebenheiten zumindest erwägen, wenn man nicht auf KI verzichten kann oder möchte.
Der Beitrag Google Gemini: Eine starke KI mit einem Sorgfaltsproblem erschien zuerst auf Dr. Windows.
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Eigentlich kann Google mit seinen jüngsten Fortschritten zufrieden sein. Zwar läuft in Brüssel ein neues Antitrust-Verfahren wegen der KI-unterstützen Suche, aber immerhin hat man Microsoft und OpenAI unter Zugzwang gesetzt und mit Opera einen anderen Entwickler gefunden, der seinen bisherigen KI-Assistenten Aria, welcher auf ChatGPT basierte, gegen die Gemini-basierte Opera AI auswechselt. Alles gut? Leider nicht. Gerade bei der Sorgfältigkeit scheint Gemini bisweilen noch einige Probleme zu haben.
Das war dann mal weg
Ein kurioses Beispiel leistete sich zuletzt Google Antigravity, seinerseits ein Fork von Visual Studio Code. Nachdem Gemini bereits im Juli dabei erwischt wurde, statt einer Umbenennung gleich das ganze Verzeichnis zu löschen, machte er erst in diesem Monat wieder bei einem gesamten Laufwerk die Grätsche. Immerhin entschuldigte sich die KI und Google teilte auch mit, man nehme die Sache sehr ernst und untersuche den Vorfall, aber der Schaden ist nun erstmal angerichtet und zeigt, dass man mehrere Monate nach dem ersten Vorfall die Probleme nicht in den Griff bekommen hat.
Klar: Mit Google Antigravity werden die meisten Ottonormalnutzer ebenso wenig in Kontakt kommen wie mit der Entwicklungsumgebung Android Studio. Es gibt aber mit Google Chrome, dem Google Drive-Client oder der kommenden Google-App für den Desktop alte und neue Apps, wo dieser Kontakt um ein Vielfaches wahrscheinlicher ist. Dass Gemini hier ebenfalls auf breiter Front aufschlagen wird, dürfte klar sein. Im aktuellen Zustand ist das mit dem notwendigen Vertrauen so eine Sache.
Ein kleines bisschen Amok
Schwieriger wird es beim Blick auf die Services. Waren die ersten Fettnäpfchen der AI Overviews noch lustiger Natur, gestaltet sich die Sachlage besonders auf YouTube mittlerweile deutlich ernster. Erst im Oktober wurden Tutorials zu Windows mit der Begründung entfernt, dass diese zu schweren Körperverletzungen führen und eine Gefahr für Leib und Leben werden können. Und nicht nur das…
Der bekannte YouTuber YongYea hatte das in einem ausführlichen Video zuletzt gut dokumentiert. Manche Sachen erinnern durchaus an das eine oder andere Kuriosum, was wir auch mit Microsoft hatten. Der Vergleich geht aber soweit, dass selbst bei einem Einspruch sofort eine automatisierte Rückantwort der gleichen KI mit der Ablehnung eintrudelt und ein Kanal selbst dann noch gesperrt ist, wenn dessen Betreiber vor Gericht gegen Google gewonnen hat.
Während Microsoft sich seinerseits damit gebrüstet hat, dass Kundendienst durch die KI bei diesen für mehr Begeisterung und Zufriedenheit sorgt, spricht YouTube-Chef Nael Mohan unverhohlen davon, dass mit der KI eine neue Klasse von Creatorn geschaffen wird, die vorher weder die Fähigkeiten noch die Ausstattung hatten. Deswegen werde YouTube die Moderation mit und durch die KI auch mit Nachdruck weiter ausbauen.
Fazit
Das Grundproblem bei Google liegt sicherlich nicht zwingend in der Qualität seiner Modelle, wo mit Gemini 3 Pro und Nano Banana Pro zwei ziemliche Erfolge gelungen sind. Die besten KI-Modelle können aber zur dicken Einbahnstraße werden, wenn deren Implementierung in die eigenen Produkte bestimmten Mindeststandards nicht erfüllen kann. Das gilt sowohl für den Desktop, wo mit Disco derzeit ein neues Experiment läuft, als auch die Services, wo bei Google Discover zuletzt ein fragwürdiges Experiment gelaufen ist.
Was bei Google allerdings den Unterschied macht, ist die Macht über Existenzen, die entweder von dem Ranking in der Google-Suche oder der Finanzierung über AdSense zumindest teilweise abhängig sind. Das ist nicht gesund und man darf hier auch nicht leichtsinnig werden, das ist völlig klar. Aber es ist nochmal ein weiterer Grund, warum wir offen darüber sprechen müssen, wie wir als Menschen mit KI umgehen und diese sinnvoll einsetzen können. Zumindest mit YouTube und Android hat eine sehr breite Masse in der Gesellschaft zu tun.
Gemini selbst ist eigentlich ein starkes KI-Modell, das würde ich auch nicht abstreiten. Allerdings muss man die aktuellen Probleme mindestens kritisch hinterfragen. Das heißt nicht, dass man Copilot als Alternative und Konkurrenten jetzt über den Klee loben soll, aber den Blick zu anderen und ergänzenden Konkurrenten wie Le Chat von Mistral AI aus Frankreich oder Claude von Anthropic sollte man unter den derzeitigen Gegebenheiten zumindest erwägen, wenn man nicht auf KI verzichten kann oder möchte.
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