Cortana ist tot – lang lebe Cortana

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Cortana ist tot – lang lebe Cortana

Cortana


Zu Beginn des Monats Juni hat Microsoft das endgültige Aus von Cortana unter Windows 10 und Windows 11 im Herbst 2023 angekündigt. Eine Woche später erfolgte gewissermaßen die vorzeitige Wiederbelebung in Form des “neuen Bing”, das jetzt auch am Desktop per Sprache bedient werden kann.

Statt mit dem neuen Bing per Tastatureingabe zu chatten, lässt sich die gewünschte Frage alternativ jetzt also einfach einsprechen, wie Microsoft über den Bing Blog mitteilt. Spätestens, wenn im weiteren Verlauf des Jahres der “Windows Copilot” an den Start geht, werden alle Funktionen, die heute mit Cortana unter Windows möglich sind, adäquat ersetzt sein. Insbesondere von ehemaligen Nutzern eines Windows Phone höre ich daher oft die Frage: Warum lässt man Cortana ausgerechnet jetzt sterben, wo sie endlich “groß rauskommen” könnte?

Das ist eine Frage, die uns nur die Marketing-Strategen von Microsoft beantworten könnten, was sie aber nicht machen werden. Ich halte es für wahrscheinlich, dass es die Überlegung gab, an Cortana als Marke festzuhalten und man sich letztlich dagegen entschieden hat, weil Cortana für einen Fehlschlag steht.

Nun könnte man argumentieren, dass auf Bing die gleiche Feststellung zutrifft. Seit 14 Jahren versucht Microsoft, eine starke Alternative zu Google aufzubauen, bislang mit äußerst bescheidenem Erfolg. Wäre da ein Neuanfang unter neuem Namen nicht ebenso angezeigt? Es gibt gute Argumente dafür und dagegen, Microsoft-CEO Satya Nadella hatte in einem Interview davon berichtet, dass es diese Diskussionen tatsächlich gegeben hat. Mit dem bekannten Ergebnis, dass man sich letztlich entschied, an Bing festzuhalten.

Für die Beibehaltung des Namens Bing spricht, dass ihn trotz geringer Nutzerzahlen irgendwie doch jeder schon mal gehört hat. Außerdem musste Microsoft seinen KI-Chatassistenten zwangsläufig mit der bisherigen Bing-Suche verknüpfen, um überhaupt ein wenig Aufmerksamkeit darauf zu lenken. Ein Re-Branding hätte also zwangsläufig auch das “alte Bing” einschließen müssen und so wäre der Effekt verpufft.

Bei Cortana liegt der Fall anders. Cortana als Sprachassistenz wurde erstmals für Windows Phones eingeführt, steht somit sinnbildlich auch für dessen Scheitern und hat außerhalb der “Fan-Blase” keinerlei Bekanntheit. Mit dem Festhalten an Cortana hätte Microsoft nur die Nostalgiker glücklich gemacht. Zu denen zähle ich mich zwar ebenfalls, ich finde die Bezeichnung “Copilot” letztlich dennoch besser und treffender.

Das ändert jedoch nichts daran, dass das “neue Bing” und die “Copiloten”, die Microsoft in Windows, Office und Co. einführt, exakt die Vision mit Leben füllen, die Microsoft einst für Cortana hatte.

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