Diskussion Coronadepressionen

Gamma-Ray

Moderator
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Depressionen sind eine Krankheit, die viele Menschen haben. Die Gründe dafür sind unterschiedlich und die Menschen die darunter leiden, kommen sehr oft nicht richtig wieder in die Normalität.
Es gibt aber wohl auch kaum einen Menschen, der noch nicht darunter gelitten hat.

In diesen Tagen habe ich den Eindruck, dass es einige Menschen gibt, die ihre Depressionen damit verbergen, indem sie rucksichtslos und aggressiv werden oder sind.
Dafür gibt es viele Beispiele und sie machen es für alle anderen Menschen dadurch auch noch schwerer.
Die Coronaleugner und Querdenker sind das schlimmste Beispiel. Aber ich finde auch, dass Menschen, die nicht verzichten können und deshalb gegen Regeln verstoßen, fast genauso schlimm sind.

Gestern durfte ich unfreiwillig ein Gespräch in einem Laden mithören, bei dem mir fast alles hochkam.
Eine Frau meinte, sie werde auf jeden Fall NICHT darauf verzichten, in den Urlaub zu fliegen nach Malle, komme was wolle. Schließlich habe sie und ihre Familie es sich redlich verdient nach all den Entbehrungen. Und es wäre ihr egal, was andere denken, sie müssen alle mal raus.

Ich muss gerade an alle Menschen denken, die um das elementar wichtige zum ÜBERLEBEN kämpfen, da sind Durst, Hunger, ein Dach über dem Kopf und keine Schwerstverletzungen aufgrund von Kugelhagel und Bombardierungen das höchste der Gefühle und Wünsche.
Auch jene betroffenen Menschen, die aufgrund von Naturkatastrophen, die ein immer größeres Ausmaß annehmen, sind ein ganz anderes Thema.

Ich bin jeden Tag dankbar dafür, nicht in einer solchen Lage zu sein. Die meisten Probleme hier, lassen sich irgendwie immer lösen. Ja man kann geschützt immer noch vor die Tür gehen und einfach mal dort laufen, wo man die Natur genießen kann. Und dafür muss ich nicht zich Kilometer fahren oder gar fliegen.
Einnahmeausfälle und Existenzbedrohungen sind wieder eine andere Dimension. Möglicherweise können diese betroffenen Menschen aber noch auf eine Unterstützung zurückgreifen, die kann durchaus auch der eigene Kontaktkreis sein.

Der Verlust von unserem Luxus scheint aber bei einigen Menschen derart dramatisch zu sein, dass sie sich nicht mehr auf das besinnen, was wirklich glücklich macht.
Wie entwickelt sich das denn erst, wenn diese Naturkatastrophen und Gewaltausbrüche zu uns kommen?
Anstatt dafür dankbar zu sein, dass es zwar nicht schön ist derzeit, aber mit ein wenig Umdenken leichter, machen es viele Menschen im Prinzip nur schlimmer.
Vermutlich geht es denen dann besser, wenn es wieder anderen schlechter geht?

Wir brauchen einfach mehr Umdenker, keine Querdenker!
Dem Schicksal kann man am besten begegnen, indem man etwas für die eigene Seele tut und dabei aber nicht andere mit in den Abgrund zieht.
 
Zuletzt bearbeitet:

gisqua

ist wieder öfter hier
Gestern durfte ich unfreiwillig ein Gespräch in einem Laden mithören, bei dem mir fast alles hochkam.
Eine Frau meinte, sie werde auf jeden Fall darauf verzichten, in den Urlaub zu fliegen nach Malle, komme was wolle. Schließlich habe sie und ihre Familie es sich redlich verdient nach all den Entbehrungen. Und es wäre ihr egal, was andere denken, sie müssen alle mal raus.
Es sollte doch sicher "keinen Fall" heissen.
Der Verlust von unserem Luxus scheint aber bei einigen Menschen derart dramatisch zu sein, dass sie sich nicht mehr auf das besinnen, was wirklich glücklich macht.

Viele kennen wahrscheinlich gar nichts anderes mehr als "Kohle machen, kaufen, nehmen, haben, besitzen, Rechte verteidigen usw."
Vielleicht sind sie einfach nur zu jung oder können nur wenige Meter von ihrem Umfeld sehen, oder verfügen über ein (gewollt) total schlechtes Gedächtnis.
Wir brauchen einfach mehr Umdenker, keine Querdenker!
Dem Schicksal kann man am besten begegnen, indem man etwas für die eigene Seele tut und dabei aber nicht andere mit in den Abgrund zieht.
Dem kann ich nur zustimmen . . . aber das sagt sich so einfach, wenn man älter ist oder auch, wenn man ein relativ sicheres Leben hat.
Ich glaube, viele Menschen haben einfach nur Angst.
Nicht Angst um ihren Wohlstand, sondern Angst davor, dass es noch schlimmer wird.
(Sprichwort: Wenn wir über den Berg sind, wird es besser! NEIN: Es geht wieder bergab!)
 

Gamma-Ray

Moderator
Teammitglied
Ich habe das fehlende NICHT noch eingefügt, das meine Handytastatur irgendwie verschluckt hat.
Dankeschön für den Hinweis.
 

SoKoBaN

B.Ohlsen der alte Schwede
Teammitglied
So grauenvoll es klingt, aber dem deutschen Michel fehlt nach so langer Zeit endlich mal wieder ein richtig schöner Krieg.
Gerade dem Deutschen kommen so Begrifflichkeiten wie Elend, Schmerz, Leid, Entbehrung, etc viel zu leicht über die Lippen.
 

gisqua

ist wieder öfter hier
Viele kennen wahrscheinlich gar nichts anderes mehr als "Kohle machen, kaufen, nehmen, haben, besitzen, Rechte verteidigen usw."
Vielleicht sind sie einfach nur zu jung oder können nur wenige Meter von ihrem Umfeld sehen, oder verfügen über ein (gewollt) total schlechtes Gedächtnis.
Ich habe noch vergessen zu erwähnen, dass wir meist nur DIE wahrnehmen, die Krawall machen und die, die in den Schlagzeilen erwähnt werden.
Von den Ruhigen und den Vernünftigen hört man nix. Und das sind gar nicht so wenige.
 

Supernature

Und jetzt?
Teammitglied
Ich möchte einen Unterschied machen zwischen ignoranten Querdenkern/Faktenleugnern und der Frau, die in dem Beispiel erwähnt wird. Ich will das Verhalten weder gutheißen noch verteidigen, aber ich kann für das Entstehen solcher Gedanken ein gewisses Maß an Verständnis aufbringen. Ich erwische mich selbst immer öfter dabei, dass ich gerne etwas anderes glauben möchte, nur weil es besser klingt. Das heißt nicht, dass ich anfällig für Verschwörungstheorien oder Verharmlosungen bin, sondern nur, dass ich mich für die bequemere Interpretation entscheiden möchte, wenn eine Nachricht das zulässt. Ich hatte auch schon mal die Stimme im Kopf, die mir sagte "Ach Scheiß doch drauf!"
Ohne mich selbst loben zu wollen; Ich denke, dass derzeit eine gewisse Stärke notwendig ist, um vernünftig zu bleiben, solidarisch zu denken, sich selbst klar zu machen, dass es zwar schlimm ist, aber eben doch nicht wirklich katastrophal."
Gestern diskutierte ich mit meiner Frau drüber, und sie sagte "klar, es ist ja auch schon ein ganzes Jahr".
Ich entgegnete: "Ja, es ist schon ein ganzes Jahr. Das ist eine lange Zeit. Aber wir waren bisher nicht betroffen, wir haben keine wirtschaftlichen Sorgen. Mein einziges Problem ist, dass ich fünf Kilo zugelegt habe. Was mögen Leute denken, die im Krieg jeden Tag um ihr Leben fürchten mussten und auch danach noch jahrelang am Hungertuch nagten, wenn ich anfange zu jammern?" Daran, dass praktisch jeder den Verlust eines geliebten Menschen verkraften musste, habe ich in dem Moment nicht einmal gedacht.
Die Verhältnismäßigkeit, was echtes Leid bedeutet, ist uns abhanden bekommen - oder besser gesagt: Ich habe sie nie kennengelernt. Dafür bin ich dankbar.
 

Duftie

assimiliert
So grauenvoll es klingt, aber dem deutschen Michel fehlt nach so langer Zeit endlich mal wieder ein richtig schöner Krieg.
Gerade dem Deutschen kommen so Begrifflichkeiten wie Elend, Schmerz, Leid, Entbehrung, etc viel zu leicht über die Lippen.
Lustigerweise habe ich das gerade vor ein paar Tagen fast 1:1 so zu einer Kollegin gesagt. Tatsächlich scheint es mir so, dass die Menschheit zu nicht ganz zu vernachlässigbaren Anteilen dumm ist. Ergänzt wird das von einem weiteren Teil egoistischer Menschen und natürlich der Schnittmenge von Beidem.

Allerdings muss man (und ich bin da eigentlich eher zurückhaltend mit solchen Aussagen) auch das Versagen der Politik im Auge haben. Ich war da bisher eher zurückhaltend und halte viele eher umstrittene Entscheidungen während des letzten Jahres auch Rückblickend noch für richtig und durchaus vertretbar. Womit ich mittlerweile allerdings ein mittelschweres Problem habe, ist die scheinbar nicht vorhanden Lernkurve. Mittlerweile konnte man sich ja doch ein wenig auf die Pandemie einstellen. Trotzdem wird da wie ein volltrunkener Seemann durch die Gegend geeiert und anstatt einfach klare Kante zu zeigen, wird da versucht mit diesem Schlingerkurs über die Runden zu kommen. Folgende Story gestern von meiner Kollegin gehört, deren Mann Direktor an einer Schule ist: Die Lehrer sollen die Schüler regelmäßig testen, um sicherzustellen, dass die Tests auch richtig angewandt werden. Die Lehrer werden also in die unmittelbare Nähe der (möglicherweise infizierten) Schüler gebracht, ohne Schutzausrüstung wohlgemerkt, um bei einem Infektionsfall Covid-19 direkt an alle weiter zu verteilen. Echt jetzt?

Vor Landtagswahlen werden mal eben Lockerungen bekanntgegeben, nach den Wahlen steigen komischerweise die Inzidenzwerte und man muss leider wieder über einen Lockdown beraten.

Und die Bilder von verschiedenen Demonstrationen zeigen in meinen Augen recht deutlich, dass die Staatsmacht einen großen Teil Ihrer Macht an den Pöbel abgegeben hat. Anstatt konsequent durchzugreifen, was man bei anderen Demos ja durchaus oft genug sieht (z.B. Stuttgart 21), wird da lieber zurückgezogen und die Polizisten vor Ort dürfen sich den ganzen Scheiß von egoistischen Vollidioten gefallen lassen.

Ja, ich fühle die Coronadepressionen! Ganz einfach deswegen, weil ich mich vor über einem Jahr in meine Käfighaltung begeben habe und bis auf wenige (berufliche bedingte) Ausnahmen auch wirklich daran gehalten habe. Wenn ich dann sehe, dass auf der einen Seite Menschen sind, die einen Scheiß darauf geben (und damit die Maßnahmen vermutlich eher in die Länge ziehen werden) und auf der anderen Seite eine Politik und Verwaltung steht, die dank irgendwelcher Machtspielchen und Planlosigkeiten nicht in der Lage sind, klare Kante zu zeigen und aus blindem Aktionismus den zweiten Schritt vor dem ersten tun, dann werde ich nicht nur depressiv, sondern auch wütend.

Ich muss nicht zum Friseur und ich bin kein Freund von Shoppingtouren, aber ich würde mich nach einem Jahr gerne endlich mal wieder normal bewegen und vielleicht auch einfach mal einen Tagesausflug machen. Ich möchte mit meiner Tochter reisen und ihr die Welt zeigen, aber primär wäre ich schon froh, wenn ich meinen merkwürdig gebauten Körper mal ganz normal in ein Geschäft schleifen könnte, um mir neue Hosen zu kaufen, anstatt mir online etwas zu bestellen, was dann eh nicht passt. Die Infektionslage gibt es nicht her und das Verhalten einiger (proportional weniger, dafür aber eher lauterer) Menschen, lässt mich daran zweifeln, dass das in absehbarer Zeit möglich ist.
 

Supernature

Und jetzt?
Teammitglied
Was die Politik angeht, bin ich voll bei dir. Ich habe im letzten Jahr gesagt, dass wir in einer Ausnahmesituation sind, für die niemand so wirklich ausgebildet wurde und die man auch nicht üben kann. Man kann nur nach bestem Wissen handeln, und dass man dabei Fehler macht, ist völlig normal.
Inzwischen wird da aber so viel Unfähigkeit und Beratungsresistenz an den Tag gelegt, dass man ausrasten möchte. Man traut sich aber irgendwie nicht so richtig, weil man sofort Angst hat, plötzlich Schulter an Schulter mit irgendwelchen Querschwurblern zu stehen, die dann auch noch glauben, sie hätten die ganze Zeit Recht gehabt und ich hätte es jetzt auch endlich eingesehen.
 

Gamma-Ray

Moderator
Teammitglied
Es ist in der Tat so, dass die ganze Substanz sich zu einer unkontrollierbar brodelnden Suppe entwickelt hat.
Alle mischen etwas rein und versuchen "ihren Senf" dazu zu geben und es blubbert immer gefährlicher!

Politiker bekommen von allen Seiten auf die Fresse, in gewisser Weise ist das nur was für hart gesottene und
gefestigte Menschen. Aber dafür sind sie auch in der Politik, um das auszuhalten. Nur sind das Demokraten
und es gibt hier keine Diktatur.

Alle haben irgendwie Depressionen, ein Scheißgefühl, Wut, und was weiß ich sonst noch für Gefühle und wenn
dann noch trotz aller Maßnahmen irgendwelche Vollhonks alles ignorieren (privat, Querköpfe auf der Straße...),
dann sehen viele darin eine Ausweglosigkeit.

Was sollen dann noch zum Beispiel die Pflegekräfte, Ärzte usw. sagen, die das Elend jeden Tag hautnah mitbekommen?
Die sehen die Menschen sterben, der Druck wird immer größer auch wegen der Scheißignoranten und kein Ende in Sicht.
Die können einem richtig leid tun.

Mit der britischen Mutation geht es jetzt wieder in die andere Richtung und was ist da richtig? :rolleyes:

Jedenfalls finde ich das, was jene Vollhonks in Kassel und an anderen Orten sich leisten sowas von unterirdisch, (n)
da kann man nur Frust bekommen.
Wenn auch noch die Polizei beschimpft wird, wenn sie härter vor geht oder wieder doch zu lasch, bloß nicht richtig.
Es ist mir ehrlich gesagt egal, wenn da ein Demonstrant zu schaden kommt. 😈

Die Medien sind mitverantwortlich für die Stimmung im Land. Irgendwie kann ich auch verstehen, dass es so einen
Zickzackkurs gibt, weil alle irgendwie ihren Frust herausschreien und immer mehr für Verunsicherung sorgen.

Am Anfang waren deutlich mehr Menschen solidarisch, je weniger das werden, um so schlimmer wird es insgesamt.
 

Timelord

assimiliert
Was sollen dann noch zum Beispiel die Pflegekräfte, Ärzte usw. sagen, die das Elend jeden Tag hautnah mitbekommen?
Die sehen die Menschen sterben, der Druck wird immer größer auch wegen der Scheißignoranten und kein Ende in Sicht.
Die können einem richtig leid tun.
[Ironie] Wieso leid tun? Ihnen wurde doch (auch von Politik und Medien) zu Anfang der Pandemie vom Fenster aus zugeklatscht. [/Ironie]


Die Medien sind mitverantwortlich für die Stimmung im Land.
Unter anderem, weil sie überwiegend das Fernweh der Leute anstacheln.
Leider wurde auch in den 3. Programmen eine positive Berichterstattung eingestellt: Zu Anfang der Pandemie (ich glaube es lief bis in den Sommer hinein) wurden alternative Ausflugsziele vorgestellt (Ausflugsziel Wald, Naherholung, etc.) und schöne Landschaftsbilder aus der jeweiligen Region gezeigt. Da konnte ich in Hessen so manchen Fleck sehen, der gar nicht weit weg ist, aber den ich noch nie besucht hatte (einige habe ich dann als Ziel für die eine oder andere Radtour genutzt :)).
 

Grainger

Praktizierender Atheist
Ich muss der Politik allerdings den Vorwurf machen, dass sie nach über einem Jahr Pandemie offensichtlich immer noch nichts aus den Anfangsfehlern gelernt haben.

Das die Situation für uns alle (auch für die Politiker) neu war und zu Beginn Fehler gemacht wurden war unvermeidlich, dass wir aber jetzt immer noch die gleichen Fehler machen (und für die zweite und dritte Welle der Pandemie anscheinend absolut keine Vorbereitungen getroffen wurden) ist einfach nur noch peinlich.

Die Korruptionsskandale um Provisionen für die Maskenlieferungen tun ein Übriges um das Vertrauen der Bürger in die Politik nachhaltig zu erschüttern, ich hoffe dass das für die Provisionsempfänger wirklich schmerzhafte Konsequenzen (bis hin zur strafrechtlichen Ahndung) hat und nicht nur eher lächerliche Maßnahmen folgen.
Und das man in Zukunft alle Nebentätigkeiten von Mandatsträgern sehr viel kritischer als heute sieht!
Ich befürchte aber, dass unterm Strich so gut wie gar nichts passieren wird.

Ansonsten bin ich der Meinung der meisten hier:
Die Pandemie bedeutet für die Mehrheit der Deutschen in erster Linie einen temporären Verzicht auf Bequemlichkeiten und Luxusgüter (eine Urlaubsreise ist für vermutlich >80% der Menschheit ein undenkbarer Luxus).
Aber es gibt halt auch welche, die sich bei einem Zwang zum Maskentragen gleich mit Sophie Scholl vergleichen! :poop:
 
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