Adventszeit ohne Gott

Snacketty

Senior Member
Hallo wiedermal

Ich brauch mal Eure Hilfe.

Für mich hatte Adventszeit und Weihnachten immer was mit meiner Religion zu tun, mal mehr mal weniger.

Nun kommt doch der junge Mann mit dem ich regelmässig über das Leben und die Welt quatsche und der Advent und Weihnachten bisher noch "frommer" erlebt hat mit einer Frage.


Er hat die Aufgabe gefasst bei ihm in der Kindertagesstätte (er lernt im zweiten Bildungsweg Erzieher) ein Adventsritual zu gestalten.

Das wäre für ihn auch kein Problem, der Haken an der Sache ist, wie auch bei Tischlieder und so, das ganze muss ohne "Gott und so" sein.

Mit unserem Hintergrund kann sich weder er noch ich vorstellen was man da machen kann.
Ich habe erst jetzt bemerkt dass das ganze für nicht/anders Gläubige ja gar kein Sinn machen kann, oder zumindest nicht den den es für mich macht.


Da ich weiss dass es hier an Board auch Heiden :devil und andere Ungläubige ;) gibt habe ich mir gedacht ich frage mal Euch.

Was bedeutet Euch Advent resp. Weihnacht.

Ich möchte hier kein Religionskrieg anzetteln und von mir aus dürfen auch Atheisten und Moslems Weihnachten feiern, ich will nur wissen warum und wie.

Vielen Dank für Eure Antworten.
 

SoKoBaN

B.Ohlsen der alte Schwede
Teammitglied
Mir bedeutet diese Zeit auch einfach mal zur Ruhe kommen.
Ich glaube als pragmatischer permanent Misanthrop an überhaupt nüscht.
Aber wenn ich schon dieser völlig beknackten Jahreszeit, in der ich im Dunklen das Haus verlasse und in etwa bei der gleichen Beleuchtung wieder nach Hause komme, dann brauche ich z.B. einfach ein bisschen von dieser rituelle Zusatzbeleuchtung, wobei mir der Hintergrund ziemlich Wurscht ist. Auch das man sich mal die Zeit nimmt, richtig lecker Essen zu kochen finde ich einmal im Jahr klasse.
Das es eine Hintergrundgeschichte gibt, ist mir klar. Ich hab die Bibel gelesen. Nicht das Lutherische Geschreibsel, was kein Mensch versteht, sondern die Neue Welt Übersetzung der Bibelforscher. Man feiert zu Weihnachten die Geburt eines tollen Menschen, der in seiner Zeit versucht hat, nem Haufen Halbwilder ein klein Wenig Recht und Ordnung bei zu bringen. Finde ich auch Okay, schließlich wird ja, wenn mal irgendein Prominenter die Hufe reißt, auch ein Riesen Gewese gemacht.
Das man das nun Weihnachten nennt und dabei ein bissel rumfeiert, warum nicht? Einen Grund, irgendwas zu feiern findet sich immer irgendwo.
Und Weihnachten ist halt mal ne Zeit, in der nicht unbedingt Mord, Totschlag, Krieg, Saufen, Drogen oder ähnlich Weltliche Großereignisse auf dem Plan stehen.
Find ich gut, an Katastrophen bin ich derzeit eh übersättigt.
 

Hidden Evil

Moderator
Teammitglied
Ich war in der Grundschule im Religionsunterricht und seit meinem Abgehen von der Schule hatte ich mit Religion nichts mehr am Hut. Ich feiere jedoch traditionell mit meiner Familie jedes Jahr Weihnachten, einfach weil es ein Fest der Freude und des Zusammenhalts für mich ist. Glaubenstechnisch ist Weihnachten und die Adventszeit eigentlich für mich wurscht, aber ich genieße die fröhliche Atmosphäre, die in den Straßen und vor allem zu Hause herrscht, denn für diese brauche ich nur den Glauben an das Gute im Menschen, nicht an einen (für mich nicht existierenden) Gott.
 

chmul

Moderator
Teammitglied
Für mich hat die Adventszeit keinerlei Bedeutung, wenn man mal davon absieht, dass ich vor lauter Deko und Kerzen den Fernseher kaum noch finde. Aber da bin ich vielleicht auch nicht so der richtige Maßstab, weil ich ähnliches Interesse auch Weihnachten, Fasching oder Geburts- und Jahrestagen entgegenbringe. Wie Soko aber so vortrefflich formulierte, finde ich die ganze Beleuchtung in der dunklen Jahreszeit durchaus gut, wenn es nicht übertrieben wird.
 

timtaya

schläft auf dem Boardsofa
..Weihnachten ohne christlichen Bezug zu feiern, geht meiner Meinung nach, wenn man sich vor Augen führt, dass im Dezember die längste Nacht des Jahres ist.
Die Julnacht (Die gibt es tatsächlich auch ohne und unabhängig von der I**EA Kirmes;) ) nämlich. vgl. Wintersonnenwende
Nach Jul werden die Nächte wieder kürzer und in Folge dessen, die Tage wieder länger.
Das ist, für mich, Anlass genug diese Nacht zu feiern!
Danach wird es wieder heller in der Welt, ganz ohne Gott&Co.
Ganz ohne religiöses Gedähh.. ;)
 
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DS-Danila

gehört zum Inventar
Das grundsätzliche Problem ist, dass viele Feiertage christlichen Ursprung haben.
"Ohne Gott" kannst du diese Feiertage - streng genommen - vergessen.

Advent ist die Vorbereitungszeit auf Christi Geburt.
Wenn man da alles religiöse wegstreicht, bleibt nix.
Nichtmal Kerzen oder Tannenzweige.

Man kann natürlich den eigentlichen (christlichen) Hintergrund weglassen.
Was man dann daraus macht, bleibt jedem selbst überlassen.
Zum Beispiel ist der Jahreswechsel (Silvester) ja auch heidnisch geprägt.

Du/er könnte z.B. den Dezember mit Themen füllen, die in Richtungen gehen, die ja bereits genannt wurden:
- zur Ruhe kommen, das vergangene Jahr reflektieren, die dunklen Abende mit der Familie / in Gemeinschaft verbringen, ...
 

koloth

Chef-Hypochonder
Weihnachten ist älter als das "Jesus-Gedöns".
Das hat die christl. Kirche nur als Konkurrenzveranstaltung eingeführt, weil die Heiden nicht vom Sonnenwendfest ablassen wollten. ;)

Quelle

Und Christi Geburt ist es auch nicht, die war eher im Herbst, nach dem Erntedankfest.

Etwas Lesestoff


Nachtrag:
Auch die türkischen Muslime feiern "christliche" Weihnacht. Sie nehmen sich eben das, was sie schön finden. Baum, Glitzerschmuck, Basteln, Geschenke.
Und Basteln kann man mit Kindern.
Der Adventskranz ist auch erst im 19. Jahrhundert entstanden. Um Kindern zu zeigen, wie lange sie noch warten müssen.

Die Geschichte des Adventskranzes
 
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Schpaik

jeder nach seiner Façon
Teammitglied
Hallo Snacketty

Ich muss zu meiner Schande gestehen, das ich mich Aufgrund deines Beitrages und vor allem durch den Text von Hidden zunächst in die Irre habe führen lassen. Ich war eben drauf und dran Heilig Abend und Weihnachten Geschichtswissenschaftlich auseinander zu pflücken. Als ich dann nach meinen Recherchen - damit ich auch ja nix Falsches sage und alles belegen kann - soweit fertig war, hab ich noch einmal genau nachgesehen um den richtigen Ansatzpunkt zu formulieren. ...und huch :auge, darum gehts ja gar nicht.

Sorry dafür. :paperbag

Für das eigentliche Thema hab ich bei der 'falschen Suche' jedoch auch einiges gefunden. Mal abgesehen also davon, das ich mein Wissen aufgefrischt habe, kann ich also vielleicht ein wenig helfen. :)

Auch wenn die Adventszeit (Adventus Domini = Ankunft des Herrn) im Grunde genommen die Vorbereitungszeit auf eines der wichtigsten christlichen Feste darstellt, so sind die meisten gebräuchlichen Rituale eigentlich nichts anderes als erst kürzlich - im Vergleich zu den jetzt etwas über 2000 Jahren - dazu gekommene Bräuche.

Beispiel: Adventskranz - wurde erst 1839 hier in Hamburg von einem evangelisch-lutherischen Theologen eingeführt. Erst 1925 wurde erstmals ein Adventskranz in einer katholischen Kirche aufgehängt.

Beispiel: Weihnachtsbaum - Die Verwendung eines geschmückten Baumes hat keinen historisch nachweisbaren Anfang, sondern findet in Bräuchen verschiedener Kulturen ihren Ursprung. Die ersten Christbaumkugeln wurden um 1830 geblasen. Nach und nach wurde die Sitte der Stubenbegrünung auch beim gewöhnlichen Volk beliebt und diese holten Zweige und „Dannenreisig“ ins Haus.

Beispiel: Christkind - Mit hoher Wahrscheinlichkeit ersetzte Martin Luther im 16. Jahrhundert im Zuge der Reformation den Nikolaus durch den „Heiligen Christ“ und verlegte die Beschenkung auf den 25. Dezember.

Beispiel: Weihnachtsmann - Nicht zu verwechseln mit dem Nikolaus - Der Weihnachtsmann tritt erstmals in einem englischen Gedicht aus dem Jahr 1823 auf, dessen Autor sich nicht mehr eindeutig ermitteln lässt. H. von Fallersleben hat ihm das bekannte Lied „Morgen kommt der Weihnachtsmann“ gewidmet. Diese Kunstfigur hat seither nach und nach das Christkind weitgehend abgelöst. Quelle
Inzwischen wird der Weihnachtsmann auch in anderen Ländern adaptiert, die so eigentlich nicht so wirklich zum Christentum gehören. Nikolaus auf Türkisch << Wobei hier Dilek Zaptçıoğlu die Begriffe Weihnachtsmann und Nikolaus zusammen würfelt. Aber das nur am Rande.

Insgesamt kann man also sagen, dass sich für die Vorweihnachtszeit so einiges an Bräuchen zusammen gesammelt hat, was eigentlich gar nicht wirklich mit der Religion des Christentums zusammenhängt. Wenn man jetzt einfach den religiösen Hintergrund nicht weiter erwähnt, dann lassen sich ganz viele dieser Bräuche "so ganz ohne Gott und so" umsetzen. ;)

Da ich jedoch nicht weiß, wer sich da so alles in der Kindertagesstätte des jungen Mannes von dir aufhält, kann ich nur ganz rudimentäre Vorschläge machen. Durch die Linksammlung werdet ihr euch ganz alleine durchschlagen müssen um abzuwägen, was passen könnte und was nicht. Vielleicht bastelt er sich daraus einen eigenen Herangehensweg oder er baut auf einige der Beispiele in den Links auf oder oder oder.


:nikolaus
 

Antti

schläft auf dem Boardsofa
Also, mein glauben an Gott habe ich vermutlich so mit 10 oder 11 Jahren abgelegt.

Das heißt aber nicht, das ich die weltliche Herangehensweise an die Adventszeit nicht immer noch cool finde.

Adventskranz, Weihnachtsbaum, Geschenke, Frieden auf Erden etc. das hat bei mir nichts mit Religion sondern mit "Spass daran" zu tun.
Ich will das einfach haben, ich denke in der dieser Zeit vermehrt an "meine Toten", an meine + und - in dem Jahr und habe Spass an dieser "wärmenden Stimmung" in kalter Zeit.
 

Supernature

Und jetzt?
Teammitglied
Der Versuch, "irgendwas Weihnachtliches" ohne religiösen Hintergrund zu machen, klingt für mich in etwa so nachvollziehbar wie veganes Schnitzel. Entweder - oder - aber nicht so tun, als ob.
Natürlich feiere ich auch Weihnachten, verteile Geschenke und nehme gerne welche entgegen, insofern bin ich auch ein Heuchler. Aber ich mache weiter kein Gedöns darum und versuche nicht christlicher zu sein, als ich es den Rest des Jahres (ebenfalls nicht) bin.
 

Desperado

Evolutionär
Weihnachten ist älter als das "Jesus-Gedöns".
Das hat die christl. Kirche nur als Konkurrenzveranstaltung eingeführt, weil die Heiden nicht vom Sonnenwendfest ablassen wollten. ;)
...

(y)

Wir feiern Weihnachten als Fest der Familie und Freundschaft. Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft, sagt man. Große Geschenke sind zwar auch nicht schlecht ;) , müssen aber absolut nicht sein.
 

Astrominus

Administrator
Teammitglied
Ich sehe es ähnlich wie viele hier.

Ich bin zwar ein Heide durch und durch, aber Weihnachten wird aus Tradition trotzdem gefeiert.
Seit die Kids sich alle im heiratsfähigen Alter befinden halt nicht mehr so opulent wie früher. Aber ich genieße es mal die Akkus herunterzufahren und neu aufzuladen oder einfach mal mit der Familie zusammen sein.

Und die ganzen Leckereien die es in der Weihnachtszeit gibt möchte ich natürlich auch nicht missen.;)
 

BigMäc

Senior Burger
Meine Frau und ich sind zwar "kirchenlos" aber wir geniessen die Adventszeit und Weihnachten bei der Familie trotzdem.
Man muss ja keine Lieder singen oder in die Christmette gehen (man, habe ich da als Jugendlicher rebelliert :D), aber
besinnliche Tage im Kreis der Familie (und viele Geschenke:)) sind doch nett. Und das Essen :dafür
 

oxfort

Geht bald.
Weihnachten und die Adventzeit kommt ja so plötzlich!:D

Aber ehrlich, mir ist es eigentlich egal! Es ist doch zum Kommerz verkommen.;)

Geschenke = Pflicht? Artet ja in Stress aus. :eek:
Aber trotzdem habe ich mich über den heutigen Anruf gefreut, was machen wir am Heiligabend?

Aber das ist eine andere Geschichte.;)
 

Helmi

Opa Helmi
Mh...
Nur mal so reingeschmissen: Die ganzen Kirchlichen Feiertage nehmen aber alle gerne mit.... ! Sind ja ein paar freie Tage mehr im Jahr.

Wenn man als Heide oder Ungläubiger, bzw. Agnostiker rumläuft, dann sollte man auf diese Feiertage verzichten. So sind das eigentlich alles "Scheinheilige"... ;)
 

SoKoBaN

B.Ohlsen der alte Schwede
Teammitglied
Wenn man als Heide oder Ungläubiger, bzw. Agnostiker rumläuft, dann sollte man auf diese Feiertage verzichten.
Das würde mich unweigerlich zum Straftäter machen, da mir Mutti an derer Tagen gesetzlich verbietet meiner geregelten Tätigkeit nach zu gehen. Beruflich gesehen, empfinde ich Feiertage, wenn sie denn auf einen Arbeits-Wochentag fallen sowieso störend. Aber Mutti sagt halt...
 

Desperado

Evolutionär
Mh...
Nur mal so reingeschmissen: Die ganzen Kirchlichen Feiertage nehmen aber alle gerne mit.... ! Sind ja ein paar freie Tage mehr im Jahr.

Wenn man als Heide oder Ungläubiger, bzw. Agnostiker rumläuft, dann sollte man auf diese Feiertage verzichten. So sind das eigentlich alles "Scheinheilige"... ;)

Schon vergessen, daß alle Steuerzahler ungefragt, also auch die ohne Kirchenmitgliedschaft (ca. 1/3 der Bevölkerung), für die staatliche Bezuschussung der Kirchen in zig Milliardenhöhe aufkommen müssen? ;) Die Löhne der Bischöfe z.B. zahlt jeder Steuerzahler und nicht die Kirche.
 

Astrominus

Administrator
Teammitglied
Mh...
Nur mal so reingeschmissen: Die ganzen Kirchlichen Feiertage nehmen aber alle gerne mit.... ! Sind ja ein paar freie Tage mehr im Jahr.

Wenn man als Heide oder Ungläubiger, bzw. Agnostiker rumläuft, dann sollte man auf diese Feiertage verzichten. So sind das eigentlich alles "Scheinheilige"... ;)
Da ich es aus reiner Bequemlichkeit immer noch nicht geschafft habe aus dem komischen Verein namens Kirche auszutreten und ich somit immer noch brav das Wegelagerer-Geld namens Kirchensteuer abführe, hält sich mein schlechtes Gewissen aber sehr in Grenzen.;)

Und außerdem, selbst wenn ich an den Feiertagen arbeiten gehen wollte, dann kann ich das ja gar nicht, weil mein Scheffe nicht extra wegen mir die Firmentüre aufmachen tut.
Ich werde also genötigt an den kirchlichen Feiertagen daheim zu bleiben.;)
Also bleibt mir ja gar nichts anderes übrig als diese freien Tage zu akzeptieren.
 

Schpaik

jeder nach seiner Façon
Teammitglied
Interessante Themenwendung hier. :ROFLMAO:
Ich hatte irgendwie heraus gelesen, das der Bekannte von Snacketty überlegt, wie er denn Adventsrituale in seiner Kindertagesstätte so "ganz ohne Gott und so" umsetzen kann. ;)
 

oxfort

Geht bald.
Nicht unbedingt!;)

Was bedeutet Euch Advent resp. Weihnacht.

Das war auch eine Frage und so kann ein Erzieher ohne weiteres aus den Beiträgen erkennen, wie er damit umgehen soll/kann.:)

Davon ab, ist es eine kirchliche oder eine städtische Einrichtung? Da könnte ich allerdings eine Freundin fragen.
Sie ist Leiterin einer städtischen Einrichtung.;)
 
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