Activision-Übernahme: FTC vs. Microsoft vor Gericht – es ist Showtime!

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Activision-Übernahme: FTC vs. Microsoft vor Gericht – es ist Showtime!

Activision Übernahme Titelbild


Seit Ende letzter Woche treffen sich die US-Wettbewerbsaufsicht FTC und Microsoft vor Gericht: Es geht um das Ersuchen der FTC, die Übernahme vorläufig zu untersagen.

Viele Medien beobachten die Anhörung und aus vielen Details werden Nachrichten gemacht. Das ist okay, was mir dabei aber vielfach fehlt, ist die Einordnung. Microsoft geht es darum, den Fall zu gewinnen und die Übernahme durchzubringen. Was wir dabei von den Redmondern hören, ist oft das Gegenteil vollmundiger Marketing-Aussagen. Im Marketing macht man sich gerne groß, das passt aber ganz und gar nicht zur Taktik. Die Botschaft, die Microsoft an die Kartellbehörden und jetzt auch ans Gericht sendet, ist: Wir sind klein und unbedeutend, darum ist der Activision-Deal keine Gefahr. Wenn überhaupt, werden wir dadurch erst konkurrenzfähig, keinesfalls aber dominant.

Das ist objektiv gesehen sogar richtig. Wenn sich Microsoft selbst zum Verlierer im Konsolenkrieg erklärt (als ob das eine neue Erkenntnis wäre), ist das schlagzeilenträchtig, aber dennoch ein taktischer Schachzug. Das Eingeständnis, hinter Sony und Nintendo abgeschlagen auf dem dritten Platz zu liegen, tut Microsoft nicht weh, schon vor knapp drei Jahren hatte ich aufgezeigt, dass die Geschäftsmodelle von Sony und Microsoft in unterschiedliche Richtungen zeigen: Der Xbox Game Pass auf dem Weg zur kritischen Masse – die Wege von Microsoft und Sony trennen sich.

Ebenso als taktisches Manöver ist die Andeutung Microsofts zu sehen, eine gerichtliche Anordnung könnte den gesamten Deal platzen lassen. Das wird höchstwahrscheinlich nicht passieren, es soll auf diese Weise lediglich Druck aufgebaut werden. Es ist in diesem Zusammenhang vielleicht noch einmal wichtig herauszustellen, was das Gericht in dieser Woche überhaupt entscheiden wird. Es geht nämlich nur um eine vorläufige Verfügung, die es Microsoft verbieten soll, den Deal einfach abzuschließen, ohne die Entscheidung des FTC-Schiedsgerichts abzuwarten.

Sofern das Gericht gegen Microsoft entscheidet, wäre das selbstverständlich ein Rückschlag und die zwischen Microsoft und Activision vertraglich fixierte Deadline, den Deal bis zum 18. Juli 2023 abzuschließen, wäre nicht mehr zu halten. Es wäre aber keinesfalls ein Todesstoß, denn es könnte eine neue Deadline ausgehandelt werden und Microsoft könnte vor der FTC weiter für die Übernahme kämpfen. Gegen eine mögliche (und wahrscheinliche) negative Entscheidung könnte man anschließend erneut vor Gericht ziehen.

Sollten die Argumente der FTC aber nicht einmal ausreichen, um eine vorläufige Anordnung zu erwirken, wäre das für die Behörde eine verheerende Niederlage. Für den Experten und Beobachter Florian Müller ist die Sache praktisch schon gelaufen. Obwohl die Anhörung noch läuft, schreibt er bereits Game over für die FTC.

In wenigen Tagen sind wir wieder ein wenig schlauer.

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