Äffle, Pferdle und Fleischsalat

chmul

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Heute gibt es eine Premiere. Ich stelle meinem Text einen Prolog voran. Oder besser, mein Text kommt heute mit einem Prolog daher. Prolog bedeutet Vorwort und das besagt ja schon, dass der Prolog VOR dem Text kommt. Laut Duden dient der Prolog unter anderem auch dazu das Werk in einen bestimmten Kontext zu setzen. Bei mir ist es eher der Titel des Textes, der ein paar erläuternder Worte bedarf.

Angelehnt an die Redewendung "Früher war mehr Lametta" kann man festhalten: Früher war weniger Fernsehen. Weniger Kanäle und auch weniger Sendezeit. Die Älteren unter Euch werden sich noch an das Testbild erinnern. Tatsächlich war so wenig Fernsehen, dass es üblich war als Lückenfüller und zwischen einzelnen Werbespots kleine animierte Einspieler auszustrahlen. Das ZDF hatte die Mainzelmännchen und im Südwesten gab es eben 's Äffle und 's Pferdle. Und die beiden hatten sogar einen Charterfolg im Radio, steht auf Wikipedia.

Beim Verfassen der folgenden Leidensgeschichte, kam mir eben dieses Lied in den Sinn und daraus entstand dann die Überschrift. **Prolog Ende**


Ich bin Gesundheitsfanatiker.

Moment! *fingeransohrleg*

Ich höre gerade, dass das gelogen ist. Richtig hingegen ist die Aussage, dass ich mich bewusst ernähre.

Moment! *fingeransohrleg*

Ich höre gerade, dass diese Aussage zwar nicht falsch aber irreführend ist, wird mit bewusster Ernährung doch in der Regel gesunde Ernährung assoziiert. Ich ernähre mich in der Weise bewusst, dass mir sehr wohl bewusst ist, dass ich mich nicht sonderlich gesund ernähre.

Wollte man mich diesbezüglich mit Marken beschreiben, dann wäre das wohl Coca-Cola und Haribo. Beide Marken begleiten mich schon seit frühen Jugendtagen. Dazu kommt, dass ich gerne Fleisch esse und insgesamt von allem, was ich esse auch noch zu viel. Und das sieht man auch.

Vermutlich bin ich aber nicht der einzige Mann, der die eigene Körperform als keinesfalls besorgniserregend ansieht. Falls er die Wampe denn im Spiegel überhaupt bewusst wahrnimmt. Und was die physischen Auswirkungen angeht, passt man sich eben an. Jeans einfach eine Bundweite größer kaufen und das benötigte Loch im Gürtel ist auch schnell gemacht.

Ich habe das Glück, dass ich wenig krank bin. Aus diesem Umstand schließe ich, dass ich bei bester Gesundheit bin. Und daraus folgt dann direkt, dass es Vorsorgeuntersuchungen, die Ärzte und Krankenkassen ab einem bestimmten Alter nachdrücklich empfehlen, normalerweise nicht auf meine Prioritätenliste schaffen. Zumindest nicht in die Top Ten.

Nun ist mein Schatz aber fest entschlossen, mit mir alt zu werden. Und das geht halt nur wenn ich nicht vorher den Löffel abgebe, wie man so schön sagt. Ahnungslose könnten zwar an dieser Stelle einwenden, dass mir das doch egal sein kann, schließlich bekomme ich es ja dann mehr mit. Aber erstens bin ich jetzt ja noch am Leben und zweitens würde ich meine Hand nicht dafür ins Feuer legen, dass mein Liebling nach meinem zu frühen Ableben nicht einen Weg fände, mich als Geist per Séance, Kristallkugel oder Ouija-Brett zu sich zu zitieren und des fahrlässigen Sterbens anzuklagen.

Also habe ich mich der höheren Gewalt gebeugt und einen Termin beim Arzt vereinbart, um mich zu informieren. Aber vor dem Arzt kam das Labor. Und was soll ich sagen? Mein Blutzuckerspiegel ist zu hoch und mein Cholesterinspiegel ebenfalls. Außerdem, so erfuhr ich dann später in der Auswertung, müsse ich noch an der Gewichtsoptimierung arbeiten. Alles (noch) nicht dramatisch, aber Anlass genug meine Ess- und Trinkgewohnheiten zu hinterfragen. Und zwar kritisch.

Weniger Zucker lautet die Devise. Es wäre schon mal ein Anfang, meinte der Arzt, würde ich bei den Desserts ein wenig bremsen und ein bisschen weniger Marmelade aufs Frühstücksbrötchen schmieren.

Tja, wenn es nur so einfach wäre. Selbst wenn ich diese Art der Zuckeraufnahme um 95% reduzieren würde, wäre die Auswirkung auf meine Blutzuckerspiegel vermutlich nur mit hohem Aufwand messbar. Ich bin absolut kein Freund von Desserts und die Zahl der Tage pro Jahr, an denen ich ein Brötchen mit Marmelade (oder Konfitüre oder Brotaufstrich mit Fruchtaroma) esse kann ich vermutlich an einem Finger abzählen.

Zu meinem 50. Geburtstag habe ich von Vereinskollegen eine Schubkarre bekommen. Wobei die nur als "Verpackung" diente. Das eigentliche Geschenk waren 50 Flaschen Coca-Cola (0.2 Liter Glasflaschen, wie es sich gehört). und 50 Packungen assortierter Haribo-Süßigkeiten. Was in jenem Moment noch für leuchtende Augen sorgte, führte später dazu, dass ich die letzten Beutel mit ins Büro nahm, um sie nicht selbst zu essen. Seither (und das sind jetzt schon einige Jahre) habe ich dieses Gesundheitsrisiko massiv reduziert. Auf zuckerfreie Cola hatte ich schon vorher umgestellt.

Allerdings habe ich irgendwann angefangen Energy Drinks zu trinken, was eher kontraproduktiv ist. Und das war mir auch bewusst (siehe: Bewusste Ernährung). Also hatte ich mir noch vor dem Arzttermin vorgenommen den November und den Dezember ohne die leckere Chemiebrühe zu überleben. Helfen sollte mir dabei kalorienreduzierter Eistee, der zwar nicht "Zero" war, aber immerhin zwei Drittel weniger Kalorien hatte als die geflügelten Dosen und deren Kollegen.

Wir plauderten also so vor uns hin, der Arzt und ich, als er mir erklärte, dass die Dosis von 50g Zucker pro Tag nicht überschritten werden solle. Besser wäre es, unter 25g zu bleiben. Kein Problem, dachte ich mir, wo ich ja schon das Zuckerwasser reduziert habe. Doch ein Problem, wie ich später feststellen musste.

Zunächst gab mir der Arzt aber noch ein Blatt mit viel Text. Die Überschrift lautete "Haferkur". Hafer wirkt sich positiv auf Blutzuckerspiegel und Cholesterinwert aus, erfuhr ich. Alle sechs Wochen solle ich eine dreitägige Haferkur machen, dann würde man schnell eine Besserung feststellen können. Während ich las, was eine Haferkur ist und gleichzeitig "drei Tage alle sechs Wochen" hörte, müssen mir meine Gesichtszüge vollkommen entgleist sein. Denn gerade, als ich in Ohnmacht fallen wollte, schränkte der Arzt ein, dass ich alternativ auch EINEN Hafertag pro Woche einlegen könne.

Ein Hafertag bedeutet drei Portionen zu je 75 g Haferflocken, mit Wasser aufgekocht. Morgens sind dabei 50 g Früchte als Beigabe erlaubt. Mittags und abends darf das Wasser mit fettarmer Brühe gewürzt und um je 50 g Gemüse ergänzt werden.

Hier schliesst sich nun der Kreis zur Überschrift bzw. zum Prolog: Ich hatte den "Hafer- und Bananenblues". ABER, und das muss ich mir zugutehalten - ich ziehe es durch. Auch wenn es mir manchmal schwerfällt, wenn mein Schatz neben mir eine richtige Mahlzeit verzehrt, während ich in meinem Haferbrei rumpansche.

An dieser Stelle komme ich nochmal kurz auf den Eistee zurück. Es stimmt, dass er deutlich weniger Kalorien und damit auch Zucker hat als der handelsübliche Energy-Drink. Aber ich musste feststellen, dass das nicht hilft, wenn ich stattdessen die sechsfache Menge trinke. 1.5-Liter meines Eistees hat nämlich 60 g Zucker! Na danke. Also hatte ich ab sofort keine zuckerhaltigen Limonaden mehr, keinen alternativen Eistee aber dafür wöchentlich einen Hafertag. YOLO!

Reden wir über Fleischsalat, diese cremige Pampe aus Wurstresten. Ich mag Fleischsalat. Ein 200g Becher Fleischsalat mit einer Laugenbrezel ist genau das Frühstück, das ich nach dem Hafertag brauche. Also habe ich mir gestern beides gekauft und mich bei jeder Hafermahlzeit darauf konzentriert, dass ich morgen ein fabelhaftes Frühstück verzehren würde. Da lief mir trotz Hafer das Wasser im Munde zusammen.

Sicher, eine frische Brezel wäre noch besser, aber das hätte logistische Herausforderungen mit sich gebracht denen ich nach einem Hafertag nicht gewachsen gewesen wäre. Und zusammen mit dem feinen Fleischsalat funktioniert auch eine Brezel von gestern.

Dumm nur, wenn man dann zwar die Brezel einpackt aber den Fleischsalat im heimischen Kühlschrank vergisst. Und noch dümmer, wenn einem das erst im Büro auffällt, wenn man das fabelhafte Frühstück auspacken will. Und nicht etwa auf dem Weg zur Arbeit, der an zwei Bäckereien und einem Dorfladen vorbeiführt, in denen man Ersatzesswaren hätte kaufen können.

Eine frische Brezel kann man auch ohne Butter oder eben ohne Fleischsalat essen. Hingegen macht eine Brezel von gestern ohne Butter oder Fleischsalat keinen Spaß. Aber eine Brezel von gestern ohne Fleischsalat am Morgen nach dem Hafertag? Selbst bei bester Laune (die ich schwächebedingt eh nicht hatte) hätte ich diesen Tiefschlag nicht verdauen können.

Dann gibt's heute Abend halt 'ne halbe Sau mit Pommes.
 
Du bist ein Ferkel. Wie kann man eine wunderbare, südlich des Weißwurstäquators hergestellte Brezel mit gekauftem!!!! Wurschtsalat versauen? Dich müsste man zur Strafe 4 Wochen mit Brezeln, die hier in der Gegend so angeboten werden füttern! Bei denen macht man sowas, um den komischen Geschmack zu übertünchen. Aber es gibt Hoffnung, in einer Bäckerbude in Gummersbach bekam ich (auf Nachfrage) eine Butterbrezel in Rastatter Geschmacksqualität. Genau richtig das Hagelsalz, der Biss wie er sein soll und das Mittelkreuz knusprig. Und das in einem Backshop! Leider 15 Km weg. Da fällste doch vom christlichen Glauben ab, die könnten auch hier - wenn sie wollten. Aber ne, selbst in gut geführten Bäckereien bekommste Fabrikware angedreht. Urteil: man kann davon Leben, aber die Geschmacksnerven gehen den Bach runter. Egal ob Brot, Weck oder Brezel. Mundgefühl: Scheißdreck.
Und dann Wurstsalat. Oh Gott oh Gott mein Lieblingssalat, zusammen mit Ochsenmaulsalat.
Ich hab noch den Geschmack der Wurstsalate von Mutter und Oma auf der Zunge. Entweder gemischter mit Hausmacher Leber- Blut- und Fleischwurst, Zwiebelchen, Gurken Essig, Feierabend. Oder halt Lyoner, da kam auch nicht mehr rein. Mein armes Brötchen rennt von Metzger, zu Metzger, zu Fleischtheken um meinem Gemeckere über die Genießbarkeit der mitgebrachten Wurst zu entgehen, klappt nicht. Gestern gab es Sauerkraut. Da gehören doch abgebundene Blut-, Leber- und Fleischwürstchen rein. Gibt es hier nicht, kannste Dir von der Backe putzen.
Die Wursthersteller matschen zu viele Zutaten da rein, 1950 waren alle noch arm, Zutaten eben teuer. Da haben sich die Brüder doch überlegt, ob Majoran, Nelke, Liebstöckel oder Pfeffer da Pfundweise reinmuss. Wobei ich nicht auf jener weißen Wolke schwebe, und glaube, dass Rastatt und Umgebung eine Insel der Seeligen ist. Die werden inzwischen wohl genau so rumsauen wie die Stinkstiefel im Rest von Germany.

Der ganze Fraß ist beschissener, künstlicher geworden. Probier mal was Naturbelassenes zu kaufen, da läufste aber von Pontius zu Pilatus, haben wirst du dann aber immer noch nicht, wo deine Seele mal dran gehangen hat. Dahin, dahin.

Und wisst Ihr was? Wir fahren nie in Urlaub, wir saufen nicht, dafür ist gut futtern unser Anliegen. Und dann bekommt man (fast) nur gepanschte Sauereien zu kaufen. Darüber könnte ich mir ein paar Furunkel an den Arsch ärgern. Nur gibt keiner was drum.

chmul, vielleicht tröstet Dich das, Du hast Leidensgenossen bei der Futterei. Und ich gestehe zu meiner Schande, auch mir rutscht ab und an mal der Löffel aus und ich schiebe mir so eine Fleischsalatpampe hinter die Kiemen. Schimpfe und mache es in ein paar Wochen wieder.
Wie soil man sich da selbst verstehen.
 

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Nach Rastatt musst Du deswegen wirklich kein Heimweh mehr haben @Lollypop - die guten Metzger (Boos, Kölmel, Schröder) sind inzwischen alle ausgestorben.
Wenn man noch traditionelle Tierzerstückelung betreibt, schafft man es damit sogar ins Fernsehen:
Völkersbach ist gar nicht so weit von Rastatt bzw. von meiner neuen Heimat Elchesheim weg. Ich habe es dennoch bislang nicht geschafft, dort vorbeizuschauen.
 
Sehr schöne Gegend Martin.
@ chmul, ich kann mich sogar noch an Zeiten erinnern, als noch niemand das Word "Fernsehempfänger" fehlerlos schreiben konnte, geschweige sich was darunter vorstellen. Mein erster war 1968 ein >Philips Goya L< 3200 Mark, 4 Monatsnettolöhne, vergesse ich nie. Farbe. Die Kiste hat in 2 Jahren nochmals ihren Neupreis an Reparaturen gekostet, dann flog er raus. Fiel nicht schwer, den Tittensender gab es ja noch nicht. 🤣
 
Obwohl ich ein Lauch bin (rund 65 kg bei 184 cm Körpergröße) habe ich auch schon vor einigen Jahren den Zuckerkonsum massiv reduziert.
Bei mir war der Hintergrund aber weniger wegen des Körpergewichtes, sondern ich hatte eine Zeit lang wirklich heftiges Sodbrennen.
So heftig das ich nachts manchmal vor Schmerzen aufgewacht bin.

Nun habe ich ja in einem Krankenhaus gearbeitet und das Thema (eher zufällig) beim Mittagessen bei unserem Diabetes- und Ernährungsberater angesprochen (mit dem ich auch privat befreundet bin).
Ein gleich darauf gemachter Blutzuckertest zeigte keinerlei Auffälligkeiten, ein später gemachtes Blutbild auch nicht (der Internist, der sich das Blutbild angesehen hat meinte das seien fast alles Idealwerte wie aus dem Lehrbuch).

Mein Freund meinte dann ich solle mal meinen Zuckerkonsum reduzieren, er wisse aus Erfahrung das ein hoher Zuckerkonsum bei älteren Meschen (ich war damals fast 60) häufig zu Sodbrennen führen würde.
Ich habe das dann auch gemacht, vollkommen auf z.B. zuckerfreie Getränke umgestellt, auch Kaffee oder Tee wird nur noch mit Süßstoff getrunken.

Am schwersten fiel mir der Verzicht auf Süßigkeiten, ähnlich wie @chmul habe ich eine große Affinität zu Gummibärchen. :D
Aber auch Schokolade, süßes Gebäck, Kuchen, usw. sind nicht zu verachten.

Tatsächlich ist das Sodbrennen durch diese Ernährunsgveränderung stark zurück gegangen und heute fast ganz verschwunden.
Ab und zu sündige ich inzwischen aber und gönne mir doch mal ein paar Gummibärchen, eine halbe Tafel Schokolade, usw.
So lange ich es damit nicht übertreibe bleibt das auch ohne größere Folgen.

PS:
Tatsächlich gibt es bei uns im Dorf noch einen richtigen Bio-Metzger, der auch einen richtig guten Fleischsalat macht.
Allerdings sind auch die Dörfler nicht mehr so doof wie früher und der hat inzwischen ganz schön stolze Preise!

Die Älteren unter Euch werden sich noch an das Testbild erinnern.
Ich habe mir vor einiger Zeit mal ein "Testbild" als Startbildschirm bzw. Sperrbildschirm für Windows gebastelt:
 

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