[ 21. März 2002 ]

Ein bereits vor zwei Jahren ertappter Cracker - damals 16 Jahre alt - muss sich jetzt wegen Computer-Kriminalität vor Gericht verantworten. Und er soll, wenn es nach dem Staatsanwalt geht, keine Jugendstrafe bekommen.

http://online.securityfocus.com/news/352

"Artech", so der "Künstlername" des Crackers, scheint ein etwas gespaltenes Verhältnis zu seinem eigenen Tun gehabt zu haben. Einerseits arbeitete er sich in den Defacement-Archiven durch regelmäßige Eintragungen nach oben. Andererseits hinterließ er auf den von ihm entstellten (defaced) Sites häufiger Botschaften in der Art "ich hasse Script Kiddies". Von den Betreibern des Mirrors Attrition.org wurde er im Juli 2000 sogar verwarnt. Man werde seine neuen Opfer nicht mehr in die Liste aufnehmen, weil er Sites von "Freunden" angegriffen habe.

http://defaced.alldas.org/?attacker=Artech
http://www.attrition.org/mirror/attrition/gov.html

Als er dann ebenfalls im Jahr 2000 die Homepage der kalifornischen Stadt Stockton entstellt hatte, meldete er sich unter falschem Namen bei dem zuständigen Webmaster. Dieser Frau bot er an, beim Schließen der von ihm genutzten Sicherheitslücke zu helfen. Allerdings wollte er als Belohnung ein Notebook.

Die Frau informierte die Polizei, die den Fall an das FBI übergab. Mit den Ermittlern vereinbarte sie, auf das Angebot des Crackers scheinbar einzugehen. In den folgenden Wochen tauschten beide etwa 90 Mails aus. Als der Junge augenscheinlich Vertrauen zu seiner Gesprächspartenrin gefasst hatte, ging diese auf sein Angebot ein, verlangte aber von ihm eine formelle Bewerbung für den Job.

Die lieferte er treu und brav inclusive Name und Anschrift in Kansas. FBI-Beamte, getarnt als UPS-Lieferanten, verhafteten ihn umgehend. Nach Abgabe eine Geständnisses und der Konfiszierung seines Rechners wurde er wieder auf freien Fuß gesetzt. Die Beamten erklärten seinen Eltern, er habe nichts weiter zu befürchten.

Danach distanzierte er sich angeblich von seinem bisherigen Treiben, machte seinen Schulabschluss und besucht heute, gerade 18 Jahre alt geworden, das College.

Nun kommt die Klage. Insgesamt werden ihm 11 Delikte vorgeworfen. Die sollen nicht nach Bundesrecht, sondern nach den in Kansas geltenden Normen verhandelt werden. Diese Gesetze bieten auch die Möglichkeit, ihn als Volljährigen zur Verantwortung zu ziehen. Das kann wiederum bedeuten, dass ihm eine Haftstrafe droht.

Offenbar ein weiteres Beispiel dafür, dass nach dem 11. September in den USA ein anderer Wind weht.