[ 27. Mai 2002 16:20:00 MEZ ]
Nachdem Microsoft angekündigt hat, Windows XP in einigen Punkten verändern zu wollen, um die Kartellauflagen zu erfüllen, sind nun erste Details der geplanten Änderungen bekannt geworden. Die geplanten Modifikationen wollen die Redmonder als Service Pack 1 allen Nutzern von Windows XP zugänglich machen.
Hauptneuerungen: Der Anwender wird selbst Standard-Anwendungen auswählen können und Benutzern eines mittels illegalem Produktschlüssel freigeschalteten Windows XP will Microsoft ans Leder.
Nach den derzeitigen Plänen wird das Service Pack 1 (SP 1) in einer ersten Beta-Version bereits im Sommer verfügbar sein und anschließend im Zeitraum zwischen Juli und September den Final-Status "Release to Manufacturing" erreicht haben. Das SP 1 wird als kostenloser Download angeboten werden. Alternativ wird das SP 1 auch bei Microsoft auf CD bestellbar sein, wobei der Käufer allerdings die Versandkosten tragen werden muss.
Ab Oktober sollen dann alle Windows XP-Betriebssysteme nur noch inklusive Service Pack 1 im Handel erhältlich sein. Allerdings ist laut einem Bericht des Microsoft-Kenners Paul Thurrott noch nicht geklärt, wie Microsoft die neue Verkaufsverpackung kenntlich machen wird.
Eventuell wird sich ein Aufkleber mit dem Hinweis "SP 1" auf den Verpackungen befinden. Den Hinweis "Neue Version" möchte Microsoft nicht verwenden, um nicht bei den Käufern den Eindruck zu erwecken, es sei der Kauf einer neuen Windows-Version notwendig.
Neue Funktion erlaubt Festlegung von Standard-Programmen
In Folge des Kartellverfahrens wird Microsoft mit dem Service Pack 1 eine grundlegende Veränderung bei Windows XP vornehmen.
Nach der Installation des Updates wird der Anwender selbst entscheiden können, welche Standard-Programme er verwenden will. Dazu wird das Startmenü um die Funktion "Configure Program Default" (Konfiguriere Standard-Programme) ergänzt.
Mit diesem Menüpunkt kann der Windows-XP-Nutzer beispielsweise entscheiden, dass Opera als Standard-Browser genutzt werden soll. Auch die gewünschte Messenger-, Media- und Mail-Software (die Komponenten werden auch Middleware genannt) kann hier dann beliebig eingestellt werden.
Der Anwender kann somit selbst entscheiden, ob er die Middleware von Microsoft nutzen möchte oder nicht. Allerdings wird es nicht möglich sein, die Teilprogramme von Microsoft zu deinstallieren.
Wer den Internet Explorer nicht nutzen möchte, kann einen anderen Browser zum Standard erklären und verwenden. Dabei wird der Internet Explorer aber nur unsichtbar gemacht. Das gleiche gilt auch für alle anderen Komponenten.
Middleware wird nur "versteckt", nicht deinstalliert.
OEM-Hersteller werden die Möglichkeit haben, diese Funktion zu nutzen, um ihre Komplett-PCs mit Windows XP und den von ihnen ausgewählten Standard-Programmen anzubieten.
Laut Greg Sullivan, Produkt Manager für Windows XP bei Microsoft, sei eine restlose Entfernung der Middleware technisch nicht realisierbar. Deshalb habe sich Microsoft entschieden, diese Programme lediglich zu "verstecken".
Laut Sullivan würden hunderte von Programmen die Middleware benötigen und deren Entfernung würde unter anderem für Programmierer bedeuten, dass diese beim Schreiben des Programmcodes auf einige Funktionen nicht mehr zurückgreifen könnten und diese völlig neu entwickeln müssten.
"Windows ist eine reichhaltige Umgebung und die Anwender erwarten bestimmte Fähigkeiten", so Sullivan.
Unterstützung neuer Technologien
Mit Hilfe des Service Pack 1 wird Windows XP auch den USB 2.0-Standard unterstützen. Außerdem wird mit dem SP 1 wie seit längerem schon angekündigt auch die Unterstützung der Mira- und Freestyle-Technologien integriert.
Mit dem SP 1 wird Windows XP auch bereit gemacht für die Ende des Jahres erscheinenden Tablet PCs.
Alle bis März 2002 erschienen Sicherheitspatches für Windows XP werden in den SP 1 integriert.
Ebenfalls neu: mit dem SP 1 wird Windows XP eine neue Version 4.7 des Windows Messenger spendiert. Diese Version soll kurz vor Erscheinen des SP 1 zusätzlich als kostenloser Download bereitgestellt werden.
Schlechte Zeiten für Nutzer einer Windows XP-Raubkopie
Windows XP ist für Microsoft ein voller Erfolg. Laut Greg Sullivan, Produkt Manager für Windows XP bei Microsoft, wurden bisher weltweit 32 Millionen Exemplare des Betriebssystems innerhalb der ersten sechs Monate verkauft.
Aber nicht jeder Anwender benutzt auch eine legale Version des aktuellen Microsoft-Betriebssystems. Mit dem SP 1 soll der Nutzung der illegalen Kopien ein Riegel vorgeschoben werden.
Microsoft ist sich laut Angaben von Sullivan darüber bewusst, dass viele Raubkopierer per illegalem Produktschlüssel Windows XP freigeschaltet haben. Diese illegalen Versionen soll das Service Pack 1 erkennen können.
Durch das Service Pack 1 werden alle bisherigen illegal genutzten Produkt-Schlüssel deaktiviert. Somit wird weder eine Installation des SP 1 möglich sein, noch wird es künftig möglich sein, das Betriebssystem über die "Windows Update"-Funktion auf den neuesten Stand zu bringen.
Zeitraum für Neuaktivierung wird verlängert
Gleichzeitig wird Microsoft den bisherigen zeitlichen Spielraum der Produktaktivierung erweitern. Wer bisher eine bereits freigeschaltete Version von Windows XP auf einem Zweitrechner installieren wollte, wurde aufgefordert, sich telefonisch bei Microsoft zu melden und diese freischalten zu lassen.
In solchen Fällen wird Microsoft künftig dem Anwender einen "Zeitraum zum Aufatmen" zugestehen. Sollte der Anwender seinen Rechner zerschossen haben und auf einem Zweitrechner dieselbe Version von Windows XP installieren wollen, wird er künftig drei Tage Zeit haben, bevor er diese zweite Version telefonisch freischalten lassen muss.
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