Am heutigen Mittwoch wird der türkische Ministerpräsident Erdogan in Deutschland erwartet - er soll an den Feierlichkeiten zum 50. Jahrestag des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens teilnehmen - doch Feierlaune kommt nicht auf, denn Erdogan schickt seinem Besuch scharfe Worte voraus.

Er kritisierte unter anderem die Deutschpflicht für einreisewillige Türken:
"Wer Deutschkenntnisse zur wichtigsten Voraussetzung erklärt, verletzt die Menschenrechte", so Erdogan.
Außerdem fühlt sich die Türkei von Deutschland im Stich gelassen, was die Beitrittsbemühungen zur EU angeht. Die deutsche Politik müsse viel mehr tun, weil ein EU-Beitritt der Türkei auch die Integration in Deutschland vorantreiben würde.

Ob türkische Eltern wirklich mehr Wert darauf legen würden, dass ihre Kinder deutsch lernen, wenn die Türkei der EU beitritt?

Mir scheint, als habe Erdogan den Begriff "Integration" noch nicht verstanden. Für mich heißt es aufeinander zu gehen, das Leben und die Kultur des anderen verstehen zu wollen und sich im notwendigen Maß anzupassen.
Wie weit würde ich wohl als Gast in der Türkei kommen, wenn ich mich weigern würde, türkisch zu lernen? Nicht sehr weit, und das vollkommen zurecht.

Und bevor Herr Erdogan Deutschland eine Verletzung der Menschenrechte vorwirft, soll er sich zunächst um Folter und Todesstrafe in seiner Heimat kümmern - das bringt die Türkei dann auch dem EU-Beitritt ein wenig näher.

Lesestoff:
Türkischer Ministerpräsident zu Besuch in Berlin - Erdogan giftet gegen deutsche Integrationspolitik - Politik - sueddeutsche.de
Deutschland-Besuch: Erdogan kommt – und es fliegen die Fetzen - Deutschland - FOCUS Online - Nachrichten
"Wir fühlen uns im Stich gelassen": Erdogan kritisiert Deutschpflicht - n-tv.de