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Thema: [Raumfahrt] Eine Ära neigt sich dem Ende

  1. #1
    Kino Beauftragter Avatar von jakabar
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    [Raumfahrt] Eine Ära neigt sich dem Ende

    Nun also ist es bald soweit, das Ende einer Ära. Der letzte bemannte wiederverwendbare Raumtransporter, das sogenannte Space-Shuttle, hebt zum letzten Flug ins Weltall ab und wird anschließend eingemottet. 30 Jahre lang flogen die Shuttles mehrmals im Jahr ins All zu zahlreichen Missionen....

    Als ich 2 Jahre alt war betrat der erste Mensch den Mond. Nein nicht Adam, Neil hieß er. Er war nicht der erste Mensch, aber der Erste auf dem Mond. Mit meinen 2 Jahren bekam ich das natürlich nur am Rande mit, dennoch prägte die daraus resultierende technische Entwicklung mein Leben. Schon mit 7 Jahren war mein größter Wunsch Astronaut zu werden, was ich dann auch bis heute nicht hinbekommen habe. Dennoch verfolgte ich schon damals als kleiner Junge die Raketenstarts und als die Enterprise 1977 ihre ersten Testflüge unternahm, war ich Feuer und Flamme (keine Angst, das Haus steht noch..). Übrigens sind tatsächlich Star-Trek Fans Schuld daran, das der erste Orbiter "Enterprise" hieß, das ist kein Witz. Fans aus der ganzen Welt reichten beim damaligen Presidenten eine Petition ein, die dem Shuttle den Namen Enterprise geben sollte. Ursprünglich sollte das erste Shuttle nämlich "Constitution" heissen.

    Mit Spannung verfolgte ich den allerersten Flug ins All. Das war am 12. April 1981 und das erste raumfähige Shuttle hieß Columbia. Spätestens dieser Start war Schuld, das ich bis heute großer Science-Fiction Fan geworden und geblieben bin.

    Die Shuttle-Flotte wurde schon früh erweitert und so hob neben der Columbia noch die Challenger mit ab, bevor es am 28. Januar 1986 zum bis dahin schwersten Shuttle-Unglück der Geschichte kam. Die Challenger explodierte beim Start, alle Astronauten starben. Und zum ersten Mal in meinem Leben fühlte ich Trauer für mich bis dato unbekannte Personen. Ich war erschüttert. Die NASA auch und das Shuttleprogramm ruhte über 2 Jahre lang.

    Mit dem Beginn des Baus der ISS wurden die Shuttles immer wichtiger und die Starts daher auch wieder zahlreicher. Die Flotte bekamm Zuwachs. 1984 mit der Discovery, 1985 mit der Atlantis und schließlich 1992 noch die Endeavour. Und lange Zeit sah es gut aus mit den Flügen. Obwohl die Shuttles langsam in die Jahre kamen lief alles wie am Schnürchen, bis....

    Ja bis ins Jahr 2003, als die Columbia, das bis dahin dienstälteste Shuttle, beim Wiedereintritt in die Atmosphäre zerbrach. Wieder starben alle 7 Besatzungsmitglieder und die Welt war erschüttert. Diesmal ruhte das Shuttleprogramm ganze 3 Jahre, bevor es 2006 weiterging. Ab diesem Zeitpunkt wurden die Shuttles nur noch rein für Flüge zur ISS eingesetzt.

    Nun, im Jahre 2011 neigt sich das Shuttleprogramm dem Ende. Im März landete bereits die Discovery zum letzten Male. Jetzt im Mai hatte die Endeavour ihren letzten Flug und im Juli wird voraussichtlich die Atlantis zur allerletzten Shuttle-Mission aufbrechen. 135 Flüge haben die Shuttles dann absolviert und bekommen ihren verdienten Altersruhesitz in einem Museum. 30 Jahre lang haben sie Menschen ins All befördert und wieder zurückgebracht. Rückblickend ein teures Geschäft, verschlingt jeder Start eines Shuttles doch mehrere Millionen Dollar (Die NASA spricht von 16.000 Dollar pro kg). Die NASA hatte viel vor mit den Shuttles. Sie sollten die Raumfahrt "alltäglich" machen. Nach den ursprünglichen Plänen der NASA sollte jede Woche ein Shuttle ins All starten. Ein Glück für die amerikanischen Steuerzahler, das dem nicht so war.

    Quo Vadis NASA? Was wird nun aus den Plänen der NASA? Wie geht es weiter?

    Wir werden uns ab jetzt etwas gedulden müssen, bevor wir wieder ein Shuttle im All sehen werden. Die jüngeren unter uns werden auch wohl den ersten bemannten Mars-Flug noch miterleben. Geplant ist bisher der Bau eines neuen Shuttles, das Langstreckenflüge erlaubt. Barak Obama strich letztes Jahr die Gelder für weitere bemannte Mondlandungen, allerdings mit der Vorgabe bis 2025 einen Menschen zu einem Asteroiden zu bringen und bis 2035 einen Menschen auf dem Mars landen zu lassen. Hohe Ziele für die NASA. Das neue Flugsystem, genannt MPCV (Multi-Purpose-Crew-Vehicle) wird aus dem "Orion-System" weiterentwickelt, das eigentlich Menschen noch einmal zum Mond bringen sollte. Es startet auf klassischem Wege mit Rakete und landet ebenfalls auf klassischem Wege im Ozean. Von den Bildern eines landenden Shuttles müssen wir uns daher in diesem Jahr endgültig verabschieden.

    In diesem Sinne: Bis zum Horizont und noch viel weiter....

    Ich hoffe diesses kleine Essay hat euch gefallen. Ich war der Meinung das die Shuttles es verdient haben, das man sich an sie erinnert. Ohne sie wird zumindest mir etwas fehlen....
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    Geändert von jakabar (26.05.11 um 12:37 Uhr)

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  3. #2
    Und jetzt? Avatar von Supernature
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    AW: [Raumfahrt] Eine Ära neigt sich dem Ende

    Ich habe nicht mehr den Start, sondern die Landung des ersten Shuttles noch gut in Erinnerung, obwohl ich damals erst elf Jahre alt war.
    Es wurde live im Fernsehen übertragen, und während 95 Prozent der Sendezeit passierte gar nichts. Die glimmende Salzwüste wurde gezeigt und der Reporter versuchte vergeblich, die Zeit mit intelligenten Redebeiträgen zu überbrücken.
    Und dann schwebte sie tatsächlich ein und landete sicher.

  4. #3
    Außer Betrieb Avatar von QuHno
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    AW: [Raumfahrt] Eine Ära neigt sich dem Ende

    Einerseits schade, dass die Shuttles nicht mehr fliegen, andererseits ist das nachvollziehbar. Sie werden halt immer älter und anfälliger, die Wartung wird teurer und irgendwann wird das Risiko einfach zu groß. Leider ist aber derzeit kein Nachfolger in Sicht, der die selben Aufgaben übernehmen kann - die große Ladebucht der Shuttles hatte schon ihre Vorteile.

    OK, die Russen können die Versorgung und den Austausch der ISS Besatzungen übernehmen (und ganz nebenher noch Wartungen an Hubble, SOHO und Co vornehmen) aber wer übernimmt jetzt den Transport der letzten Module zur ISS?

    Ich könnte mir da gut eine Ariane 6 vorstellen

    ot:
    Ein US Präsident, der Gelder für Raumfahrtprogramme streicht, hat von Wirtschaft offensichtlich keine Ahnung (nicht unwahrscheinlich) oder denkt nur bis zur nächsten Wiederwahl (sehr wahrscheinlich).

    Jeder einzelne US$, der bisher in die bemannte US Raumfahrt gesteckt wurde, hat längerfristig ca. 1,70 US$ erwirtschaftet (bei der Saturn V und der Mondlandung war die Rate sogar bei fast 3:1) und das nenne ich eine sehr gute Rendite. Leider ist sie nicht kurzfristig genug erzielbar, um für die nächste Wiederwahl ausgeschlachtet werden zu können.

    Ich muss noch mal suchen, wo ich die Zahlen herum fliegen habe ...

  5. #4
    ist wieder öfter hier Avatar von gisqua
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    AW: [Raumfahrt] Eine Ära neigt sich dem Ende

    Zitat Zitat von jakabar Beitrag anzeigen
    Ich hoffe diesses kleine Essay hat euch gefallen. Ich war der Meinung das die Shuttles es verdient haben, das man sich an sie erinnert. Ohne sie wird zumindest mir etwas fehlen....
    Danke jakabar für die Auffrischung meiner Erinnerung.
    Science-Fiction hat mich schon als Kind interessiert und Jules Verne, Perry Rhodan, Raumschiff Enterprise und Konsorten haben mein Leben bereichert und geprägt.

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