Irgendwann steigen die Lehrer in der Schule vom Du aufs Sie um. Das ist die Zeit, zu der man sich noch die Mühe macht, älter auszusehen, als man ist. Mittlerweile ist das anders.


Es freut mich, wenn mich die Kassiererin im Supermarkt nach dem Ausweis fragt, will ich einmal Kognak kaufen. Genauer gesagt: Es würde mich freuen. Denn die Kassiererin fragt mich nicht.

Nennt mich meine Nachbarin "junger Mann", dann könnte mir das durchaus schmeicheln. Wäre da nicht dieser vorwurfsvolle Unterton, der mir sagen soll: "Sie haben ja schon wieder vergessen, den Flur zu putzen." Aber immerhin: Die Nachbarin redet mich mit Sie an. Und darüber wollte ich ja eigentlich schreiben.

Ich frage Sie: Würde es Ihnen gefallen, wenn ich Sie an dieser Stelle einfach duzen würde?

Es gibt mittlerweile Firmen, in denen sind alle auf Du und Du. Junge Menschen in jungen Firmen. Einige sind mittlerweile pleite.

Und dann gibt es diese lockeren Leute, die duzen aus Prinzip. Oder sie sagen einfach "ihr" und "euch", was auch nicht viel besser ist.

Ich gebe es ja zu: Von vielen Menschen werde ich gern geduzt. Doch was soll man unternehmen gegen eine allzu leichtfertig aufgezwungene Lockerheit? Was tun, wenn man aufs Du gut verzichten kann?

Will man dem Duzer wirklich so nahe treten und sagen: "Bleiben Sie doch bitte beim Sie." Soll man sich zum Schutz vor dem unerwünschten Wort älter machen, als man wirklich ist? Stets schwarze Anzüge anziehen? Gar die Haare grau färben?

Es ist wohl besser, einfach auf die Zeit zu setzen. Irgendwann kommt der Tag, an dem man so alt aussehen wird, dass niemand mehr aufs Sie verzichten will.

Eine schöne Vorstellung.