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Viper
15.07.04, 14:36
Distributionswahl unter Linux

Aufgrund der Kritik von Bio-logisch habe ich mich entschlossen ein paar Punkte des Tutorials zu verbessern!

1.) Einleitung

Man hört es immer, in fast jedem Forum: Welche Distribution ist die beste?
Nun ja, diese Frage kann man eigentlich nicht beantworten, denn es gibt verschiedene Zielgruppen: Anfänger, Fortgeschrittene und Freaks (Profis). In diesem Tutorial werde ich versuchen, für jede Zielgruppe eine geeignete Distribution zu finden.

2.) Anfänger

Anforderungen:


leichte Computerkentnisse


Falls man noch nie mit Linux zu tun hatte, sollte man sich erst einmal eine Distribution besorgen, die man nicht installieren muss (Knoppix). Damit kann man sich an das System herantasten und schauen ob Linux das richtige ist.

Falls man sich dann für Linux entscheidet empfehle ich eine der einsteigerfreundlichen Distributionen (Mandrake, Redhat, Suse) zu installieren. Für alle drei sind wenig Computerkentnisse nötig, außerdem ist fast alles in Deutsch. Allerdings gibt es bei diesen Distributionen natürlich auch Nachteile: Man lernt eigentlich nichts über Linux, denn wenn man das Konfigurationsprogramm yast o.ä. bedienen kann, ist das zwar toll, bringt aber nicht besonders viel wenn man dann irgendwann auf eine andere Distribution umsteigt. Der zweite Nachteil ist die Paketverwaltung: Falls du zu den Leuten gehörst, die gerne die neuste Version auf dem Computer haben und über eine schnelle Internetanbindung verfügen, für die ist die Debian oder Gentoo Paketverwaltung viel besser geeignet, als die rpm von Suse, da man mit dem apt-get oder emerge Programmen viel leichter übers Internet updaten kann. Bei Suse und ähnlichen Distributionen muss man auf die nächste Version warten, die man, zumindest im Falle von Suse, kaufen muss. Ein Distributionsupdate ist in der Regel aufgrund verschiedener Projekte meistens ohne Fehler, aber trotzdem komplizierter als bei Debian oder Gentoo. Es gibt allerdings ein Punkt der sehr für Suse, Redhat und Co spricht: der Komfort. Bei diesen einsteigerfreundlichen Distributionen ist möglich ohne großen Aufwand ein Programm über ein komfortables Menü zu konfigurieren, was bei Debian oder Gentoo etc nicht möglich ist. Aus diesem Grund gibt es auch viele Profis die noch Suse etc. einsetzen!

Wenn man keine Lust mehr auf Suse hat, aber noch nicht tiefer in Linux einsteigen will, der kann Redhat oder Mandrake ausprobieren. Allerdings rate ich davon ab mehrere von diesen sehr einsteigerfreundlichen Distributionen zu installieren, denn so lernt man viel Distributions Zeug, dass nicht sehr hilfreich ist, wenn man dann doch wieder umsteigt. Am besten ist es wenn man sich von anfang an auf Suse, Redhat oder Mandrake festlegt, was aber nur schwer umsetzbar ist, wenn man keine der drei kennt. Ich rate kompletten Linuxanfängern zu der Distribution (Redhat, Mandrake oder Suse), die im Freundkreis oder Lieblingsboards etc am meisten verwendet wird, denn dann wird man bei möglichen Problemen die bestmöglichste Hilfe erfahren!

Wenn man sich allerdings als Anfänger in Linux bezeichnet, aber über viel PC Hardware Wissen verfügt und gleich Lust hat richtig in die Linuxtiefen (Konsole, etc.) einzusteigen oder der grafische Menüs nicht so mag und Englisch kann, der sollte sich aufjedenfall eine Fortgeschrittene Distribution anschauen. Man wird zwar in den ersten 4 Wochen große Probleme mit Debian oder ähnliches haben, aber man lernt dafür keine Eigenheiten von Suse und Co, die spätestens bei einem Upgrade nutzlos werden.

3.) Fortgeschrittene

Anforderungen:


leichte Linuxkentnisse
gute Computerkentnisse (Hardware)
gute Englischkentnisse
Lust und Zeit Linux zu erlernen
Internet (schnelles ist von Vorteil)


Unter einer Fortgeschrittenen Distribution zähle ich Distributionen, die eine internetfähige Paketverwaltung haben und die Möglichkeit bieten Konfigurationsdateien mit dem Editor zu bearbeiten (das ist zwar in Suse auch möglich, aber dort werden selbstgemachte Einstellungen oftmals überschrieben). Allerdings sollte es auch möglich sein ein Programm mal eben schnell zu installieren ohne groß 10 seitige manpages durchzulesen.

Eine sehr gute Distribution, die all das erfüllt ist: Debian!

Der große Vorteil an Debian ist, dass es möglich ist seine Programme übers Internet zu aktualisieren. Außerdem ist es möglich (naja meistens muss man es) Konfigurationsdateien händisch zu bearbeiten. Ein weiterer großer Vorteil ist die Tatsache, dass es drei verschiedene Installationsmöglichkeiten gibt: stable,sarge und sid. Dadurch kann man mit stable einen sehr stabilen Server schaffen oder mit sarge eine aktuelle Workstation. Man kann Debian auch ohne Internet betreiben (mit Gentoo ja nur sehr sehr begrenzt möglich). Allerdings kann man natürlich jede Distribution für einen Server verwenden, aber menülastigere Distributionen (Suse, Redhat, Mandrake) sind eventuell nicht so von Vorteil, da man für einen Server eigentlich die grafische Oberfläche weglässt.

Der Nachteil an Debian ist ganz klar, dass sie viele Anforderungen an den Benutzer mitbringt. Der Aufwand Debian zu administrieren ist deutlich höher als bei Suse. Auch die Installation ist schwieriger, aber zumindest die Installation wird von Zeit zu Zeit leichter.
Ich empfehle allen Suse, Redhat oder Mandrake benutzern sich Debian mal anzuschauen, besonders wenn man gerne aktuelle Programme haben will. Suse und Co ist auch besser, wenn man mehr Wert auf Komfort, als auf Flexibilität setzt!

4.)Freaks


gute bis sehr gute Linuxkentnisse
gute Computerkentnisse (Hardware)
gute Englischkentnisse
viel Zeit
schnelles Internet (am besten eine Flatrate)
schnellen Rechner (min. 1500 mhz)


Eine Distribution für sog. Freaks sollte auf jedenfall komplett händisch zu konfigurieren sein. Außerdem sollte jede Einzelheit selbst einstellbar sein.

Hier gibt es mehrere: Slackware, Gentoo, LFS!

Von den drei ist Gentoo noch am benutzerfreundlichsten. Für Gentoo sind eigentlich nur mittelmäßige Linuxkentnisse nötig (gibt sehr gute, sogar deutsche, Dokumentation). Außerdem wächst die Gentoo Fangemeide zur Zeit stark. Der Vorteil ist wie bei Debian auch eine sehr gute Paketverwaltung. In der Regel sind Gentoo Programme stabiler und um einiges aktueller als Debian (SID --> unstabil) Pakete. Der größte Nachteil (für einige sicher ein Vorteil) an Gentoo ist aber die Tatsache, dass jedes Programm einzeln übersetzt wird. Im Klartext heißt dass, das man für KDE mit einem schnellen Rechner (2000Mhz) über 8 Stunden zum installieren braucht. Im übrigen muss man auch jedes Paket selbstkonfigurieren, da es fast keine Standardeinstellungen gibt. Desweiteren ist es nicht möglich Gentoo auf einem Server einzusetzen, da die meisten Server nicht soviel Leistung haben. Außerdem dauert die Installation von Gentoo zu lang für Server.

Slackware ist meiner Meinung nach veraltet, aber für den ein oder anderen sicher interessant. Slackware hat weder die rpm noch die deb oder ebuild Paketverwaltung. Es verwendet noch die tarball Paketverwaltung, die leider keine eigene Abhänigkeitsüberprüfung hat, daher ist Slackware meiner Meinung nach nichts für Leute, die den PC zum arbeiten brauchen.

Für LFS braucht man sehr sehr gute Linuxkentnisse und extrem viel Zeit (Installationsdokumention ist eher ein Buch, als eine Anleitung). LFS empfehle ich nur den wirklichen Freaks, die nichts anderes machen als Linux zu warten.

5.)Fazit

Man sieht, dass es für jeden die richtige Distribution gibt. Daher gibt es auch keine “beste” Distribution. Ich verwende Debian, der Mittelweg zwischen Komfort und einer Profidistribution.

Von Viper (viper dot 2000 at gmx dot de)

PS: Redhat müsste eigentlich Fedora Core heißen, aufgrund des gebräuchlicheren Namens (Redhat) habe ich mich entschlossen noch den alten zu nehmen!

Bio-logisch
15.07.04, 15:38
Rückfragen zu diesem Tutorial bitte in diesen (https://www.supernature-forum.de/showthread.php?s=&threadid=38583) Thread!

Viper
01.06.05, 00:07
Hmm. Mein Tutorial gehört sich mal überarbeitet. Ich habe mir in letzter Zeit mal Slackware angeschaut und muss sagen, dass folgender Teil in dem Tutorial komplett falsch ist:


Slackware ist meiner Meinung nach veraltet, aber für den ein oder anderen sicher interessant. Slackware hat weder die rpm noch die deb oder ebuild Paketverwaltung. Es verwendet noch die tarball Paketverwaltung, die leider keine eigene Abhänigkeitsüberprüfung hat, daher ist Slackware meiner Meinung nach nichts für Leute, die den PC zum arbeiten brauchen.

Für Slackware gibts hochaktuelle Software, die noch dazu ausreichend stabil ist. Mittels slapt-get hat man auch eine sehr gut funktionierende Abhängigkeitsüberprüfung.

Wenn ich wieder etwas mehr Zeit habe, wird das mal geändert...

Gruß Viper