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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Wir bauen uns ein Testsystem UND MEHR in 20 Minuten - am Beispiel Suse8.x mit grub



LX-Ben
19.04.03, 19:29
Unter 'Linux - der Traum totaler Flexibilität wird wahr?'
https://www.supernature-forum.de/showthread.php?s=&threadid=22994
wurde ausdiskutiert, dass Linux ziemlich einfach zB. als
Testsystem dupliziert werden kann. Bisher habe ich das über
Win98-DriveImage2002 erledigt. Meine anschließenden Tests
haben ergeben, dass sich das mit Linux-Mitteln ziemlich
einfach und durchsichtig bewerkstelligen lässt.

Die Beschreibung ist hier in voller Länge abgedruckt, damit der
eine oder andere mit Schlussfolgerung 'Ach, so einfach ist das?'
Appetit bekommt, die neuen Möglichkeiten zu nutzen. Der Gesamt-
text ist außerdem als *.ZIP angehängt.
======================
Die Profis werden es eleganter realisieren, ich wollte es
durchsichtig und narrensicher Schritt für Schritt lösen.
Um den Umsteigern die Scheu vor Kommandozeilenbefehlen zu
nehmen, sind die Kommandos jeweils ausführlich erläutert.
Die Nutzung dieser Beschreibung für andere Distributionen
und Dateisysteme dürfte meist unproblematisch sein.

Sicherheit ist nicht alles, aber ohne Sicherheit
ist alles NICHTS.

1. Zielsetzung und Methoden
2. Durchführung
3. Die zwei Anpassungen - und viele Nutzmöglichkeiten
-----

zu 1. Zielsetzung und Methoden
Linux per CD-Start startet immer per Ramdisk - damit ist die totale
Flexibilität gegeben, welche Linuxpartition genutzt wird. Und
zeigt die Leichtigkeit und Eleganz, mit der eine weitere Partition
als Testsystem genutzt werden kann oder Linux mit einfachsten
Maßnahmen 'auf eine Partition umzieht.' Ferner kann - bevor die
Linux-Datensicherungsmöglichkeiten erprobt sind - diese Methode
benutzt werden, um 'das Erreichte' zu sichern und im Katastrofen-
fall einen Rückweg zu haben. Auch zum Beispiel nach verunglückten
Updates von Anwendungen oder der gesamten Distribution. Oder auch,
um im Vergleich zu entscheiden, ob man/frau lieber auf das nächste
fehlerfreiere Linux-Update wartet: Ideen habt ihr selbst genug.

Das Tool 'dd' ist ein mächtiges Werkzeug zum spuren-/blockweisen
Kopieren, aber bei Fehlbedienung mit fatalen Folgen, außerdem
dauert dd bei nur teilweise belegten Partitionen deutlich
länger als Kopieren. Win98-DriveImage2002 war meine zweite Lösungs-
variante, aber wie an den nachfolgenden Durchsatzzeiten ablesbar,
kann es zeitlich mit Linux-Lösungen nicht konkurrieren. Als DER
Lösungsweg hat sich für mich daher 'cp (Kopieren) unter geeigneten
Bedingungen' erwiesen.

Das zweite Problem sind die beim Plattenstart in Benutzung befind-
lichen 'Offenen Dateien.' Zwar kann man als root mit 'init 1' auf
einen solchen Status 'herunterfahren', dass lsof (list open files)
keine offenen Dateien mehr feststellt, aber da auch die Möglichkeiten
des CD-Rescue-Starts ausgelotet werden sollen, habe ich mich zu
der Rescrue-CD-Methode entschlossen.

Meine Sachangaben: Linux-PROduktionssystem ist hda10 mit 8 GB
Kapazität und 2,1 GB used. Ziel des Testsystems ist hda11
mit 9 GB Kapazität. Da das Duplizieren der Testpartition
per cp erfolgt, wäre auch eine Zielpartition mit 3 GB
völlig ausreichend.

zu 2. Durchführung
Zuerst wird das grub-Startmenü erweitert: Das hat den Sinn,
dass die hinzugenommene Linux-Startpartition auch bereits
durch den Kopiervorgang im Testsystem berücksichtigt ist.

kwrite /boot/grub/menu.lst (HIER: Vom root Fertig geändert)
==========================
gfxmenu (hd0,9)/boot/message
color white/blue black/light-gray
default 0
timeout 5

title Suse8.x-TEST(hda11)
kernel (hd0,9)/boot/vmlinuz root=/dev/hda11 hdc=ide-scsi vga=791
initrd (hd0,9)/boot/initrd

title Suse8.x-PRO(hda10)
kernel (hd0,9)/boot/vmlinuz root=/dev/hda10 hdc=ide-scsi vga=791
initrd (hd0,9)/boot/initrd
----------------
REM Wie unschwer zu erkennen ist, wurde lediglich der Block
'title Suse8.x-PRO(hda10)' davor gedoppelt und der title sowie die Einträge
von hda11 auf hda10 geändert.

Nun wird die bootbare Suse-CD1 eingelegt und der PC neu gestartet.
Als Startoption wird Rescue ausgewählt. Bei 'Rescue login:' wird
root eingegeben.
REM Damit sind wir ohne Passwordeingabe 'im System' - wie bei ALLEN
Betriebssystemen (auch Win2k,XP) hat derjenige (bzw. diejenige) Zugang
zu allen Einzeldateien, der physikalischen Rechnerzugang hat. Das löst
die Anregung aus, ob nicht ggf. BIOS-Kennwörter oder das Verschlüsseln
(Crypten) wichtiger Dateien genutzt werden sollte.

fdisk -l zeigt die Partitionsübersicht, mit df -m ersieht man, dass
noch keine Plattenpartition gemountet (eingehängt) wurde. Daher
werden mit 'md /mnt/res10' und 'md /mnt/res11' die mount-Ziele
für das Einspiegeln der physikalischen Partitionen hda10 und hda11
erstellt (Namenswahl beliebig) und per
'mount -t ext3 /dev/hda10 /mnt/res10' sowie
'mount -t ext3 /dev/hda11 /mnt/res11'
in unser per CD gestartetes Linux-System eingespiegelt.

df -m bestätigt das erfolgreiche mounten - aber damit ein aktuell voll
identisches System erzeugt wird, putzen wir vorher die Testpartition mit
'rm -rf /mnt/res11' - endlich kann der berüchtigte Removebefehl mal
nützlich eingesetzt werden (bis zu zwei Minuten). Die Anzeige '/mnt/res11
not removed - busy' ist logisch und nicht zu beachten, da der Mountpunkt
ja noch aktiv ist. df -m zur Anzeige des neuen Standes eingeben.

'cd /mnt/res10' ist ein wichtiger Zwischenschritt !
REM 'cp -a /mnt/res10 /mnt/res11' würde auf hda11 ein unbrauchbares
Haupt-Unterverzeichnis res10 entstehen lassen!
dir zeigt an, dass wir auf dem richtigen Produktionslaufwerk sind.
cp -a * /mnt/res11 - jetzt ist zehn Minuten Kaffeepause angesagt
REM Die cp-Option -a schließt automatisch etliche Unterfunktionen ein.

df -m sollte anschließend zeigen, dass hda10 und hda11 identische used-
Größenangaben aufweisen.

DAS WAR'S - jedenfalls schon fast. Die Boot-CD wird entnommen, und
nach Eingabe von reboot wird das Platten-Linux gestartet.

zu 3. Die zwei Anpassungen - und viele Nutzmöglichkeiten
Im Startmenü erstmal die PROduktionsPartition (hda10) auswählen -
per 'default 0' würde ja das Testsystem auf hda11 gestartet, welches
durch cp der fstab aber noch auf hda10 verweist (funktioniert aber).

Anpassung 1: Die Einfügung der Startpartition Testsystem in das Platten-
Bootmenü wurde bereits unter Ziffer 2 erledigt.

Anpassung 2: Bleibt also nur noch die Notwendigkeit, der hda11-Partition
'mitzuteilen', dass hda11 als / genutzt wird. Da die Testpartition im
PROduktionssystem nicht automatisch gemountet werden soll (strikte Funk-
tionstrennung!), ist nach Anmeldung als root 'md /mnt/res11' sowie
'mount -t ext3 /dev/hda11 /mnt/res11' einzugeben.

df -m bestätigt, dass wir uns auf hda10 als "/" befinden.
kwrite /mnt/res11/etc/fstab erledigt den Rest, die erste Zeile ist nur
VON '/dev/hda10 / ext3 defaults 1 1'
AUF '/dev/hda11 / ext3 defaults 1 1'
ZU ÄNDERN - DAS WAR JETZT WIRKLICH ALLES! In zwanzig Minuten alles erledigt.

Nutzmöglichkeiten: Test- und Reservesystem; Linux-Umzug auf eine andere
Partition; Gastystem - auch hinsichtlich weiterer Beschränkungen auf
Laufwerke/Gerätefunktionen; vorläufige Datensicherung, bis die Linux-
Erfahrung besere Lösungen ermöglicht (dann physikalisch unabhängiger
Datenträger!).

DAZU NOCH ZWEI PROBLEMLÖSUNGEN:
a) Linux zieht auf eine andere Partition um - grub im MBR muss es auch
erfahren: Per Menü das Testsystem/neue System starten. Yast2 - System ..
den grub-Loader neu in den MBR schreiben. Nach erfolgreichem Test
kann die /boot/grub/menu.lst angepasst und die alte Partition neuen
Verwendungszwecken 'zugeführt werden.'
b) grub per MBR startet nicht mehr, außerdem ist die PROduktions-
Partition 'zerschossen': Suse-CD1 booten.

./. Boot Installed OS - klingt verführerisch, benutzt aber den
unbrauchbaren grub-MBR.

Installation - deutsch - Installiertes System starten - und nun bietet
Yast per Mausklick die Option, /dev/hda10 oder /dev/hda11 zu starten.
Der geänderte/defekte grub-Bootloader kann (durch root) nun per
Kontrollzentrum -Yast2 - System erneut in den MBR geschrieben
werden.

Die Nutzung der Beschreibung geschieht auf eigene Gefahr - wegen der
Streubreite der in Natura vorkommenden Linuxvarianten ist jegliche
Gewährleistung ausgeschlossen.

LINUX-Flexibilität - das ist die Zukunft.
Edit:
Link gefixt wegen Serverumstellung

LX-Ben
23.04.03, 18:17
Und hier ist die Lösung angehängt, wie in lilo.conf ein weiteres
Linux als Testsystem eingehängt wird.

Author: HirschHeisseIch (Linuxforen).