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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : gentoo-Linux: Was ist das?



naggeldak
21.10.02, 19:08
http://www.ibiblio.org/pub/Linux/distributions/gentoo/images/gtop-s.jpg
gentoo Linux: was ist das überhaupt?

gentoo ist eine linuxdistribution, die im moment total-in ist. warum ist das so, und welche vor- und nachteile hat gentoo? und warum schreibt der naggeldak hier soviel?

nun, zuerst will ich mal die letzte frage beantworten: ich schreibe dies hier, um euch gentoo näherzubringen, und vielleicht auch einige zum testen/umsteigen zu bewegen.

aber warum benutze ich eigentlich gentoo?

vorher hatte ich mir das neueste suse (damals 8.0) gekauft, um mich näher mit linux zu beschäftigen. der kontakt mit linux beschränkte sich dabei allerdings auf nur sehr kleine sachen: ls statt dir, cp statt copy, rm statt del...
alles war wie bei windows über eine "klicki-bunti"-oberfläche möglich, und hätte ich nicht auf dem CCB ein post über gentoo 1.2 entdeckt, würde ich wahrscheinlich heute noch mit yast2 rumspielen.

also habe ich gentoo ausprobiert und bin schließlich komplett von suse weg!

man liest oft viel über die vor- und nachteile von gentoo:
vorteile:
schneller durch eigenes kompillieren --> nicht viel schneller, kde fährt zwar schneller hoch als unter suse, aber ich starte kde sowieso nur einmal täglich, da kommts auf die paar sek nicht an.
man ist "cool" und "in", weil man alles selber kompilliert. man kann sich als linux-profi von den ganzen suse-l4m0rn abheben --> völliger quatsch. die installation mit der anleitung ist kinderleicht; das kompillieren von hand erübrigt sich, ein emerge kde kann jeder depp eingeben!

nachteile:
alles so kompliziert --> mit der anleitung geht es sehr, sehr einfach, und nach einiger zeit hat man sich an konfigurations-dateien gewöhnt, und kann alles genauer/schneller als mit z.b. yast2 einstellen)
das kompillieren dauert so lange, pure zeitverschwendung --> ich hab mein gentoo über nacht installiert, da störts nicht wenn der PC mal ein paar stunden unbenutzbar ist
alles nur in englisch, da blickt doch keiner durch --> auch nicht wahr, wir von gentoo.de übersetzen alle anleitungen von gentoo.org und schreiben auch neue. seit gestern ist der von mir übersetzte "desktop configuration guide" auf gentoo.org verfügbar, und damit sind - meiner meinung nach - alle für "normale desktop-user" wichtigen guides übersetzt.


wenn man sich das so anschaut, könnte man meinen, dass einem gentoo weder vor- noch nachteile bringt. warum also gentoo benutzen?

vorteil nr. 1: immer aktuell, ohne viel dafür zu tun
ich für meinen teil benutze gentoo unter anderem, weil ich stinkfaul bin ;) ich habe weder zeit noch lust, täglich nachzuschauen, ob eine neuere version von XYZ raus ist, die ein paar bei mir auftretende fehler behebt. mit gentoo können das andere für mich machen (nicht das jetzt jemand denkt, ich wäre jemand, der nur seinen nutzen haben will, ohne etwas dafür zu tun. wie gesagt, ich übersetze diverse anleitungen, das ist also "mein" teil der ganzen gentoo-sache :angel). meinen pc lass ich automatisch ein emerge rsync gefolgt von b]emerge -u world machen, was mir immer die neuesten pakete aufspielt.

vorteil nr. 2: man lernt etwas über linux
bei der installation und auch später gibt es immer wieder etwas an den config-files zu ändern. dabei lernt man natürlich einiges.
wer jetzt aber denkt, durch die installation von gentoo zum linux-h4xx0r zu werden --> das ist quatsch! wer wirklich was von linux lernen will, der soll lieber lfs installieren (linux from scratch, www.linuxfromscratch.org) (hab ich übrigens grade hinter mir).
trotzdem lernt man durch gentoo auf jeden fall mehr, als z.b. durch suse

vorteil nr. 3: bei problemen wird man sofort geholfen
sollte man doch mal probleme haben, schaut man einfach ins forum (http://forums.gentoo.org), welches zwar englisch-sprachig ist, aber auch einen deutschen bereich hat. zusätzlich gibt es noch einie mailinglisten, in denen man auch schnell hilfe bekommt.

vorteil nr. 4: das portage-system
so ähnlich wie 1 ;)
mit portage ist es kinderleicht, pakete hinzuzufügen oder zu löschen. ich finde es sogar noch einfacher, als z.b. mit suses yast2-paketemanager.
ein einfaches emerge kde genügt, und er installiert mir kde. falls ich dafür noch etwas brauche, z.b. X, und ich es nicht installiert habe, macht er das automatisch für mit --> komfort pur also :)

aber auch das update auf eine neue version ist super einfach. wo man bei suse oft von problemen beim update hört, sei es von 7.3 auf 8.0, oder von 8.0 auf 8.1), reicht bei gentoo wie gesagt ein emerge rsync (läd die neuesten pakete runter) gefolgt von emerge -u world (aktualiesiert alles), um die neueste(n) version(en) zu haben.

vorteil nr. 5: kostenlos
gentoo-linux ist komplett kostenlos. ok, das sind fast alle distris, aber ein vorteil ist es immer noch (und sei es nur ein vorteil gegenüber windows)



ich hoffe dann mal, dass ich einigen von euch näher gebracht habe, was es mit gentoo auf sich hat und mit einigen vorurteilen aufgeräumt habe. auch heise schreibt in der aktuellen c't dass gentoo zur zeit voll im trend liegt, also schaut es euch doch ruhig mal an. ich verspreche euch, ihr werdet es nicht bereuen! :)

DaMaista
22.10.02, 18:10
wie schaut es mit der hardware-unterstützung aus, weil bevor ich mich mit linux genauer beschäftigen will, sollte mein wichtigste hardware (problemzonen: sound und adsl-modem, beide an USB) funktionieren und ich will dafür nicht das kernel neu kompielieren und was weiss ich alles (das schau ich mir dann an, wenn die wichtigste hardware läuft ;) )?

Boba
22.10.02, 20:10
wenn du gentoo installierst solltest du den kernel schon kompilieren, sonst hat das irgendwie keinen zweck :)
kernel neukompilieren ist auch nicht so wild, wenn man es einmal gemacht hat hat man auch keine angst mehr davor.

schau doch mal hier: http://www.qbik.ch/usb/devices/

mfg
Boba (auch begeisterter gentoo user)

jorgi
23.10.02, 20:57
könnt ihr mehr erzählen,
mich interessiert das schon!
cu all fisch

Boba
24.10.02, 13:42
sicher, was willste denn so wissen?

ExElNeT
26.10.03, 17:49
zitat: schneller durch eigenes kompillieren --> nicht viel schneller, kde fährt zwar schneller hoch als unter suse, aber ich starte kde sowieso nur einmal täglich, da kommts auf die paar sek nicht an.

es ist nicht nur der start das ganze programm wird in jeder hinsicht optimiert und läuft schneller stabiler und unterstütz so spezielle routinen wie zb 3dNOW

mfg
ExElNeT

rehfuß
18.12.03, 19:15
Mein Server arbeit gerade an meinem gentoo. Da die Epia-Kisten nicht so arg viel Leistung haben, will ich ein Optimum herausholen. Außerdem reicht mir da die pure Konsole mit RAID/Samba/FTP völlig aus.

TAXi
09.08.04, 03:22
also, ich bin vor kurzem auch von suse auf gentoo umgestiegen

um mal ein paar "missverständnisse" aus dem weg zu räumen:
- auch unter gentoo sind mir schon programme abgestürzt, beispielswese sim oder TeamSpeak2 beim auswählen des soun devices /dev/dsp (also dem standart sound device, ohne gehts nicht!)
- kernel kompilieren ist auch nicht sooo leicht, freilich, kernel panic kommt selten, aber sie kommt... und man findet auch imemr wieder sachen die man im kernel vergessen hat (ich hab beispielsweise gestern gemerkt das mir das loop device fehlt und ich deswegen keine iso dateien mounten kann)
- geschwindigkeit von gentoo gegenüber suse ist schon erstaunlich, und das obwohl ich "nur" stage2 installiert habe (auf meinem server stage1, aber das zählt nicht ;) )
- ich habe es bis jetzt NICHT geschafft für meine ATI radeon 9600 Pro 3d unterstützung zu bekommen, unter suse hab ichs hinbekommen (und da hat die standartmässig auch gefehlt, musste also von hand installiert werden)

so, wenn mir nich was einfällt meld ich mich, trotz den klagen finde ich gentoo besser als suse (sonst hätte ichs ja nicht bei mir zu hause und aufm server installiert) und vielleicht kann mir ja hier jemand mit den problemen helfen *liebguck*

Viper
09.08.04, 15:52
Da ich auch Gentoo installiert hatte, habe ich mich entschlossen ein wenig über Gentoo zu schreiben. Naja wie auch in meinem Tutorial nachzulesen, verwendete ich früher nur Mandrake, Suse oder Redhat. Naja irgendwann kam dann der Tag an dem ich mich fragte, ob Gentoo auch für mich geeignet ist. Die Installation war wirklich kinderleicht. Nur das Kernelkompilieren hat ein paar Mal nicht funktioniert. Naja soweit so gut. Einer der Gründe warum ich damals Gentoo weiter verwendete war die Aktualität der ebuilds und der relativ guten Stabilität.
Tja mittlerweile bin ich dann doch auf Debian umgestiegen, da ich das ständige übersetzen der Pakete als Nachteil empfinde. Ok die Installation kann man über Nacht machen. Aber wenn ein wöchentliches emerge -u world schon über 5 std dauert, dann ist das schon ziemlich nervend. Gut, man könnte jetzt sagen, dass man durch das kompilieren der Pakete ein paar Vorteile, wie Geschwindigkeit etc. hat. Aber wie naggeldak schon geschrieben hat sind das nur ein paar nicht merkliche Sekunden.
Durch das kompilieren der Pakete ist es unmöglich eine Stage 1 Installation auf einem 486 Firewall Server zu machen. Das dauert da drauf ja dann Monate ...

Gentoo kann ich für Leute empfehlen, die alles aber auch wirklich alles aus dem Rechner herausholen wollen. Wer meint er braucht einen perfekt konfigurierten, optimal optimierten Rechner und hat ensprechend viel Zeit, dem empfehle ich Gentoo! Für Leute allerdings die mal schnell ein paar Programme updaten oder installieren wollen ohne erstmal 10 Stunden zu warten für die empfehle ich jede andere Distribution.

equinox
26.08.04, 22:07
ich benutze gentoo auch seit ca. einem jahr und ich finds jeden tag immer besser .. endlich mal ein system wo ich auch was über meinen rechner lerne ;)
somit ist gentoo eigentlich für jeden geeignet der sich mit seinem pc arbeiten möchte und auch kann(!).


viper
Durch das kompilieren der Pakete ist es unmöglich eine Stage 1 Installation auf einem 486 Firewall Server zu machen. Das dauert da drauf ja dann Monate ...
quark.. schau dir mal deine /etc/make.conf und http://forums.gentoo.org/viewtopic.php?t=205813&highlight=chost+pentium an

;)