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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Selbstgebrannt in Handarbeit ( unter Linux )



ToSo
16.05.01, 20:19
CDs brennen unter Linux, das ist so eine Sache. Aber die Zeiten, in denen ihr dabei einen wahren Höllentrip vor euch hattet, sind längst vorbei. Dennoch möchte ich euch in dem Artikel einen kleinen Überblick über die verschiedenen Kommandozeilen-Tools geben, die euch die ganze Brennerei in Handarbeit - ganz ohne grafische Oberfläche - recht flugs erledigen lassen

Wie eigentlich immer bei Linux auf der Kommandozeilen-Ebene gibt es auch bei den Brenn-Tools nicht eine große fette alleinseligemachene eierlegenende Wollmilchsau, sondern verschiedene kleine Tools, jedes perfekt auf seine Aufgabe spezialisiert: cdrecord zum CDs schreiben und mkisofs (wird mit cdrecord verteilt) zum Daten-CDs erstellen. Audio-CDs könnt Ihr mit cdda2wav (ist im cdrecord-Paket enthalten) oder cdparanoia auslesen. Wenn ihr euch entscheiden müsst: Werdet paranoid! Denn cdparanoia verfügt über eine Fehlerkorrektur, so dass ihr auch zerkratzte CDs fehlerfrei einlesen könnt.

Zum Schreiben von Audio-CDs empfiehlt sich cdrdao, da es, im Gegensatz zu cdrecord, im DAO-Modus (Disc-At-Once) schreibt. Cdrecord schreibt im TAO-Modus (Track-At-Once) und muss deshalb zwischen den einzelnen Tracks einer Audio-CD zwei Sekunden Pause einfügen.

In der Regel sollten sich die Programme schon auf eurer Platte befinden, da alle großen Distributionen sie mittlerweile standardmäßig mit installieren. Von daher steht unserer Brennsession so gut wie nichts mehr im Wege.

Bevor ihr loslegt...

...solltet ihr jedoch noch die SCSI-IDs von CDROM-Laufwerk und Brenner in Erfahrung bringen, da ihr diese später als Optionen bei den jeweiligen Programmen angeben müsst. Und eigentlich kommt da schon cdrecord zum Einsatz, denn die SCSI-IDs findet ihr mit einem freundlichen "cdrecord --scanbus" heraus. Bei mir schaut das Ergebnis so aus:

Cdrecord 1.9 (i686-pc-linux-gnu) Copyright (C) 1995-2000 ToSo
Linux sg driver version: 2.1.38
Using libscg version 'toso-0.1'
scsibus0:
· 0,0,0 0) *
· 0,1,0 1) *
· 0,2,0 2) 'TEAC ' 'CD-ROM CD-532S ' '1.0A' Removable CD-ROM
· 0,3,0 3) 'YAMAHA ' 'CRW4260 ' '1.0j' Removable CD-ROM
· 0,4,0 4) 'EXABYTE ' 'EXB-8200 ' '2600' Removable Tape
· 0,5,0 5) *
· 0,6,0 6) *


Für die folgenden Beispiele nehme ich mein System mit einem SCSI-Adapter,
dem CD-Laufwerk mit der SCSI-ID 2 und dem CD-Brenner mit der SCSI-ID 3. Die Werte müsst ihr selbstverfreilich noch an euer System anpassen. Und da ihr
beim Brennen direkt auf Gerätedateien der Hardware zugreift, braucht ihr
für das ganze Feuerwerk root-Rechte.

Wir brennen eine Daten-CD...

...und zwar mit

mkisofs -J -r -o /tmp/datenimage.iso /tmp/datenimage

Mit diesem leicht obskuren Befehl erzeugt ihr die Image-Datei des Verzeichnisses /tmp/datenimage, das in unserem Beispiel gebrannt werden soll. ¿mkisofs¿ steht übrigens für ¿make ISO9660 filesystem¿. Und ISO9660 ist bekanntlich das Format, in dem alle Daten-CDs für Windows- und Unix-Rechner beschrieben werden.

Die Optionen dahinter bedeuten im einzelnen:

-J: Joliet-Dateisystem mit langen Dateinamen für win9x erzeugen.
-r: Rock Ridge Dateisystem erzeugen
-o datenimage.iso: Das Image wird in die Datei datenimage.iso geschrieben.

Bitte keinesfalls die Optionen -J und -r vergessen. Die braucht ihr, um auf der CD ein Dateisystem zu erzeugen, dass sowohl unter Linux als auch Windows gut lesbar ist.

Mit dem Befehl

cdrecord dev=0,3,0 speed=4 /tmp/datenimage.iso

brennt ihr das soeben erstellte CD-Image auf einen Rohling. Mit den Parametern legt ihr fest, welches Gerät (sprich Brenner) bei welcher Brenngeschwindigkeit verwendet werden soll.

Im einzelnen bedeutet die Parameter:

· dev=0,3,0: Der Brenner hängt am ersten SCSI-Controller - nicht wundern-gezählt wird ab 0, hat die SCSI-ID 3 und die LUN (Logical Unit Number) 0. Letzere ist bei Brennern btw. immer 0.

· speed=4: dürfte wohl nicht allzu schwer zu interpretieren sein:
- Brennen wollt Ihr bei dieser Angabe mit vierfacher Geschwindigkeit

Wollt ihr während des Brennvorgangs über die Fortschritte dieser Session informiert werden, solltet ihr den Befehl um ein "-v" ergänzen. cdrecord gibt dann in regelmäßigen Abständen eine Statutsmeldung darüber aus, wieviel der CD bereits fertig gestellt wurde.