
Auf die Internetseite der Firma Slysoft, die unter anderem in Deutschland verbotene Software zur Umgehung von Kopierschutzmechanismen anbietet, darf auch im Rahmen einer redaktionellen Berichterstattung nicht verlinkt werden.
Das entschied das Oberlandesgericht München - der heise-Verlag hatte gegen eine Eilentscheidung des selben Gerichts Widerspruch eingelegt - geklagt hatten diverse Medienunternehmen.
Im jetzt gesprochenen Urteil ging das Gericht aber noch über seine ursprüngliche Entscheidung hinaus: War zunächst noch von Mitstörerhaftung die Rede, geht man jetzt vielmehr von einer aktiven Beihilfe zur Urheberrechtsverletzung aus, wenn der Zugang zu solchen Programmen durch Setzen eines Links erleichtert wird.
Weil heise dabei vorsätzlich gehandelt und explizit auf die Rechtswidrigkeit der verlinkten Programme hingewiesen hat, drohen den betroffenen Mitarbeitern nun gar strafrechtliche Konsequenzen.
Christian Persson, Chefredakteur von Heise Online, möchte sich nun auch gleich selbst anzeigen: "Es ist ein absurder Vorgang, aber die Frage muss nun geklärt werden: Kann sich ein Journalist in Deutschland wirklich dadurch strafbar machen, dass er seinen Lesern den Zugang zu Originalinformationsquellen und damit die eigene Meinungsbildung erleichtert?"
Persönliche Meinung: Ich mag an dieser Stelle nicht über Sinn und und Unsinn der Verbote an sich sinnieren - fest steht, dass sie keine einzige Kopie verhindern, aber absurd finde ich diesen Vorgang auch - aus zweierlei Gründen: Einerseits wird eine Berichterstattung durch Links nicht besser oder schlechter, von daher kann ich nicht nachvollziehen, dass sich heise durch das Verbot unzumutbar eingeschränkt fühlt oder gar die Pressefreiheit bedroht sieht.
Andererseits ist es nicht allzu lange her, dass ich in einem Computermagazin unter der Überschrift: "Achtung, diese Tools sind verboten!" eine detaillierte Beschreibung von Programmen und deren Zweck gelesen habe - was der eigentliche Sinn dahinter war, dürfte klar sein. Das lässt sich aber offenbar nicht beanstanden - soll verstehen wer will...
Lesezeichen