Es lebe der Selbstmord


Wir alle haben es schonmal erlebt: Die Freundin haut ab, der Job ist weg, die Wohnung wird gekündigt, etc. etc. Was nun? Neue Arbeit suchen ist anstrengend - alle Frauen sind eh gleich (bösartig) - und wo findet man heute schon eine bezahlbare Wohnung?!?
Also sich flugs dem Alkohol, dem Heroin oder sonstigen Erfrischungsmitteln hingeben und der angeschlagenen Psyche Gelegenheit geben, einen galanten Ausweg aus der Misere zu finden: SELBSTMORD! SUICID! FREITOD! DEN LÖFFEL WEGSCHMEISSEN! AUF DIE SCHIPPE HÜPFEN! Yeah! Ein kurzer Augenblick, und dann ist alles vorbei.


Wenn man sonst keine Perspektive mehr hat, kann diese hier auch ganz schön sein. (Foto: dpa)
Sind wir doch mal ehrlich: Wer von uns hat schon Lust, als 86jähriger ohne Zähne/Haare/Gehör in einem antiquiertem Altersheim zu verschimmeln, bis sich dann endlich mal Papa Tod dazu bequemt, einen im Hotel Hades einzuquartieren?!? Da sollte man doch lieber vorsorgenund rechtzeitig mit einer spektakulären Aktion den Abgang aus dem (eh langweiligem) Leben zelebrieren.

"Spektakulär"? "Zelebrieren"? wird sich der potentielle Hobby-Selbstmörder jetzt fragen. Was soll man denn mehr, als eine Familienpackung Schlaftabletten oder einen hangeklöppelten Strick, nebst einem robusten Holzbalken brauchen?
ANFÄNGER!
Während billige Freitod-Amateure sich mit obrigen, unspektakulären Ödnis-Selbstmorden zufrieden geben würden, haben wir engagierten Suicidos stets den umtriebigen Drang nach neuen Methoden, die einen durch sein Ableben wenigstens EINMAL in die Öffentlichkeit bringen könnte - wo einen die Welt/das Leben/überhaupt alle schon immer mit Ignoranz gestraft haben; nur weil die ganzen Kretins noch nie echtes Genie zu erkennen gewusst haben. Sollen sie doch alle verrotten in ihren pseudo-reichen Hütten, welche schon immer...

Ich schweife ab. Kehren wir zurück zu unserem Selbstmord-Plan:


Die Vorbereitung


Wenn man so ein Gesicht wie der Herr rechts im Bild trägt, tut man gut daran, den Löffel abzugeben. Und sei es auch nur, um der Menschheit einen Gefallen zu erweisen. (Foto: C. Lohse)
Als Erstes sollte sich der Lebensunwillige überlegen, wen er mit seinem Tod noch mal so richtig eins auswischen will. Am Besten sind natürlich immer Leute geeignet, die man persönlich kaum kennt - diese können keinerlei Bezug zwischen sich und deinem Tod herstellen; also besteht immer zumindest die Möglichkeit, dass sie sich bis in alle Ewigkeit (und vielleicht sogar drei Monate!) quälende Fragen stellen, wieso SIE denn nun gerade Schuld an deinem Selbstmord sein sollten.
Am Ende könnten sie es sogar selber glauben, aber das wird im Bereich "Die verschiedenen Erfolgsstufen der Suicidos" genauer erläutert.


Das Umfeld

Äußerst wichtig ist es, sich vorher genauestens zu überlegen, wer alles von seiner Eigen-Hinrichtung zu erfahren hat. Während Anfänger immer wieder zu viel zu großer Bescheidenheit neigen, und nur der Familie, Freunden oder allerhöchstens noch der Lokal-Presse eine genauere Nachbetrachtung des Freitodes gönnen, haben Suicidos stets die GMA in Auge - Die Größte Machbare Aufmerksamkeit.

Schritt eins: Benehme dich ab etwa drei Wochen vor deinem Selbstmord gegenüber deiner Familie und deinen Freunden äußerst auffällig - auffällig gut gelaunt! Verteile kleine Geschenke an alle, kaufe dir ein kleines, enorm süßes Haustier, telefoniere mit deinen Eltern - tue überhaupt alles, was du sonst nur unter der Androhung von Waffengewalt widerwillig durchführen würdest.
Fortgeschrittene können auch gegenüber Freunden öfters überzeugend über "die geplante Gründung einer Familie" reden. Hierbei ist jedoch Vorsicht angebracht! Ungeübte Exitus-Willige könnten die spontan Psychatrie-Einweisung durch Bekannte geradezu erzwingen.
Das gerade Genannte schiebt die Dramatik-Skala deines Ablebens enorm in die Höhe, womit wir also Knall-Bumm-Peng-Magazinen wie "EXPLOSIV", "EXKLUSIV" und ähnlicher Volksverdummung ein ganzes Stück näher sind.


Auch eine schöne Art, aus dem Leben zu scheiden: Als Exhibitionist auf dem Wochenmarkt von Kabul. (Foto: ap)
Schritt zwei: Durchstöbere die Vergangenheit von wahlweise a) Prominenten oder b) ehemaligen Freunden von dir nach Leichen im Keller (welche am besten noch schmutzige Wäsche tragen sollten). Baue dieses Wissen in deinen Abschiedsbrief ein, auf dass dein Tod weitere, Aufsehen erregende Diskussionen in der Öffentlichkeit hervorrufen wird - so bleibt dein Name auch lange nach deinem Dahinscheiden im Gespräch!
Sollten sie nichts Brauchbares finden, so erfinden sie einfach etwas - auffällig gute Beziehungen zu Kindern, Drogengeschichten und auch autosexuelle Abstrakt-Praktiken sind grundsätzlich immer jedem zuzutrauen.

Schritt drei: Der oben kurz erwähnte Abschiedsbrief. Dieser Brief ist daher äußerst wichtig, da er (richtig platziert) von den richtigen Leuten gefunden wird, die dann sämtliche Informationen flugs an die Presse weiterleiten können. Der Brief sollte zwischen jämmerlichem Rumgejammere und extremer Verbitterung wechseln. Immer wichtig ist es, Informationen aus Punkt zwei zu verwenden.
Als kleines optisches Highlight sollte man diesen Brief mit frei erfundenen, gothisch anmutenden (Todes-) Symbolen und krakeligen Zeichungen über die verkorkste Kindheit versehen. (Bei den Zeichungen machen sich undefinierbare Phallus-Symbole immer sehr gut).


Die eigentliche Durchführung

Jetzt also endlich zum wichtigsten Teil der ganzen Aktion - der große Käse der Suicidos sozusagen. Oft lachen wir Suicidos herzhaft über jämmerliche Waschlappen, die sich tatsächlich noch durch das Schlucken von Schlaftabletten, einen gezielten Pistolenschuss in den unkreativen Schädel oder sogar noch durch bloßes Erhängen in Papas Gartenlaube dem Leben entziehen.
Du lieber Himmel, sind wir hier in den 60ern?


Jawoll, so ist's richtig! (Zeichnung: Roger MacPhail)
Grundsätzlich gilt für den Freitod stets die 12er-Regel. Diese besagt, dass
a) mindestens 12 Leute sich spontan erbrechen,
b) der umliegende Verkehr für mindestens 12 Stunden zum Stillstand gebracht wird,
c) mindestens noch 12 Monate nach deinem Exitus sämtliche oben genannten Knall-Bumm-Peng-Magazine in zumindest kurzen Berichten über "Neues im Fall xyz" berichten.

Somit scheidet also auch das relativ populäre sich-die-Pulsadern-aufschneiden aus.
Okay, blutige Suicido-Frischlinge (welche sich wohlmöglich noch zum ersten Mal umbringen) könnten dies als Versuchsballon noch praktizieren. Aber Achtung! Schneide die Pulsader stets a) längs und b) grundsätzlich in einer weißen(!!) Umgebung auf. So kannst du noch solange dein spritzendes Blut optisch effektiv auf die gesamte Umgebung verteilen, bis du ohnmächtig wirst.

Kehren wir zurück zu den Profi-Methoden. Im Nachfolgenden bieten wir einige Beispiele der möglichen Selbst-Exikution an, wobei wir auf eins von ihnen im Detail eingehen werden: Möglich sind:

Handgranate bei Horten auf der Rolltreppe am ersten Samstag des Sommerschlussverkaufes zünden.
Einen vollbesetzen ICE unter Bedrohung des Zugführers zur ungebremsten Einfahrt auf einem belegten Gleis in den Kölner Hauptbahnhof zwingen.
Das eher langweilige "Sich mit Benzin überschütten und anzünden" auf einer polnischen Tankstelle an der deutschen Grenze - am Wochenende.

"Uuuaaaaaaaah! Der Kevin war's! Der hat mir immer mein Pausenbrot geklaut!"
Abschließend also das detaillerte Fallbeispiel: Nachts mit 456 an den Körper gebundenen Wunderkerzen auf den Kölner Dom steigen. Es sollte ein Samstag sein - weil dann die Domplatte immer voll ist, und eh viele Touris (mit Kameras) anwesend.
Jetzt entzündet man also die Wunderkerzen und hüpft galant vom Turme. Es empfiehlt sich grundsätzlich, vor/während des Sprunges ,einducksvolle Sachen wie z.B. "SUSI, ICH LIEBE DICH", oder auch "McDonald's is an allem Schuld!!!" zu schreien. Das macht immer einen dramatischen Eindruck, und sorgt auch nach dem Ableben für enormen Unterhaltungswert.
Versuche auch, im Flug eine Rolle zu schlagen - fortgeschrittene Suicidos können auch mit dem Feuerschweif der Wunderkerzen versuchen, Namen oder dämonische Bilder in den nächtlichen Himmel zu schreiben. Halte dich sich an diese Vorgaben, und der Erfolg ist gewiss.

Wir hoffen, wir konnten einen Teil dazu beitragen, dass Deutschland nicht weiter von unbemerkten Selbstmördern überflutet wird.

VIVA LA SUICIDOS!


Und für diejenigen, die das Original wollen ist hier der passende link.