Deine beiden Ansätze aus der Sicht des Nachbarn zu beurteilen, fällt natürlich schwer.
Wenn ich Deine Katze füttere, weil ich das so putzig finde, wie sie sich auf das Essen stürzt und
keinen Schimmer davon habe, dass Katzen da ein wenig sensibel reagieren, ich also schlicht naiv
bin, verstehe ich die provokative Art Deines Briefes nicht. Wieso klingelst Du nicht einfach mal kurz
und sagst mir, dass ich Deiner Katze beim besten Willen keinen Gefallen tue.
Wenn meine Kinder ohne mein Wissen auf diese Art mit Deiner Katze spielen, rege ich mich auf,
weil meine Kinder einen solchen Schwachsinn machen und wo ich gerade mal dabei bin, rege ich
mich noch darüber auf, dass Du meine Kinder angreifst, die ja nun wirklich keine Ahnung haben,
was das für Folgen haben kann. Und so richtig in Rage gerate ich, weil Du es nicht mal schaffst,
die 20 Stufen zu mir hoch zu gehen um mit mir persönlich zu sprechen. Dein Telefon scheint ja
auch kaputt zu sein.
Wenn ich Katzen hasse genau so hasse, wie alle Nachbarn, weil mein Geld nicht reicht um ein
eigenes Haus weit ab jeglicher Menschen zu kaufen, dann versuche ich nach Deinem Brief das
nächste mal, statt Essensreste neben die Katze Flaschen auf Deine Katze zu werfen. Und wenn
Du Querulant das nächste mal an mir vorbei läufst, hau ich Dir grad noch eins in die Fresse.
Wenn ich eine geistig etwas begrenzte Frohnatur bin, kaufe ich Dir eine Palette Katzenfutter,
klingle bei Dir, entschuldige mich und plaudere ein wenig mit Dir über Deinen originellen Brief.
Wenn mein Traumjob immer schon Hausmeister war und ich bei meinem täglichen 'aus dem Fenster
schauen' die lokalen Überwacher des ruhenden Verkehrs beobachte, dann empfinde ich diese
Unterstellungen als direkten Angriff auf meine Menschenwürde und schalte meinen Anwalt ein,
schließlich habe ich eine Rechtschutzversicherung. Außerdem schaue ich mal, ob Du wirklich so
konform mit der Hausordnung lebst in Deinem Zoo da unten.
Wenn ich genauso wenig Haare auf dem Kopf wie Grips in der Birne habe, dann nehme ich meinen
Basballschläger und verhindere auf meine Art, dass ich in weiterhin in Versuchung gerate, das Vieh
zu füttern.
Wenn ich ein freundlicher Zeitgenosse bin, rufe ich Dich an und erkläre Dir, dass Du mir das ruhig
hättest sagen können. Schließlich sind wir ja Nachbarn und werden uns noch eine Weile lang immer
wieder begegnen, da sollte man sowas schon vernünftig klären. Natürlich werde ich damit aufhören
Deine Katze zu füttern.
Wenn ich chmul wäre würde ich zurückschreiben:
Sehr geehrter Herr 'Untermieter',
zunächst möchte ich mich dafür bedanken, dass Sie mir einen Brief geschrieben haben. Es berührt mich
menschlich zutiefst, dass es noch Nachbarn gibt, die sich der herausragenden Bedeutung der
Kommunikation zwischen den Mietparteien bewusst sind.
Aus Ihren Schilderungen vermag ich zu erahnen, wie beschäftigt Sie sind. Um so mehr finde ich es
bemerkenswert, wieviel Zeit Sie sich genommen haben, um mir den Sachverhalt so anschaulich zu
erläutern. Ich will mir gar nicht vorstellen, wie viele Konzepte in den Papierkorb gewandert sind, bis Sie
diese köstlich und treffend formulierten Zeilen zu Papier gebracht hatten.
Aber nun zum Thema. Ich bin natürlich zutiefst bestürzt darüber, dass Ihre Katze unter Verdauungs-
störungen leidet. Und ich kann mir bildhaft vorstellen, wie unangenehm es sein muss, wenn das
pussierliche Tierchen 'Beute' in die Wohnung bringt. Was die horrenden Kosten für den Tierarzt angeht,
konnte ich verschiedenen Berichten in der Vergangenheit entnehmen, dass da im Laufe eine Tierlebens
gewaltige Summen zusammen können.
Sie sehen also, ich habe Verständnis dafür, dass man es als Besitzer einer Katze nicht immer leicht im
Leben hat. Und im Sinne einer guten Nachbarschaft (siehe oben) bin ich auch gerne bereit, mir Ihre
diesbezüglichen Sorgen anzuhören. Vor allem wenn erkennbar ist, wie sehr sie sich Mühe gegeben
haben, die Vorfälle spaßig aufzubereiten. Allein, mir stellt sich die Frage, was das alles mit mir zu tun
haben könnte.
Nun gut, zugegebenermaßen sind wir uns nicht näher bekannt, dennoch hatte ich gehofft durch mein
Auftreten und das Verhalten innerhalb der Hausgemeinschaft, einen normalen und vernünftigen
Eindruck hinterlassen zu haben. Wüsste man es nicht besser, man könnte aus Ihren Zeilen herauslesen,
dass Sie mich verdächtigen Ihre Katze über eine Luftbrücke mit Nahrung zu versorgen.
Ja, ich weiß, es ist gewagt, Ihren Brief dahingehend zu interpretieren, aber wie sagt man so schön?
Der Teufel ist ein Eichhörnchen. Aus diesem Grunde möchte ich sicherheitshalber darauf hinweisen,
dass ich mit den beschriebenen Vorfällen nichts zu tun habe. Einerseits, weil es bei mir nicht üblich ist,
mit Essensresten zu werfen und andererseits weil ich ohnehin nicht den Eindruck habe als sei Ihre
Katze untergewichtig.
Um Sie davon zu überzeugen, dass ich durchaus bereit bin, Sie bei der Lösung dieser mysteriösen
Vorgänge zu unterstützen, werde ich über diese Stellungnahme hinaus, meine Frau einem Verhör
unterziehen und sicherheitshalber meine Kinder mit Prügel bedrohen um Sie zu wahrheitgemäßen
Aussagen zu zwingen. Sollten meine Nachforschungen Licht in die Angelegenheit bringen, stelle ich
selbstverständlich das Wohl der Katze über das meiner Familie und werde den Täter ohne Zögern an
Sie ausliefern.
In diesem Sinne verbleibe ich mit
vorzüglicher Hochachtung
Ihr Nachbar
PS: Grüße auch an Ihre Frau Gemahlin nebst Katze
Ich würde auch zuerst versuchen, das Thema sachlich und persönlich (zumindest per Telefon) zu klären. Wenn ein Brief sein muss, dann sachlich. Entweder so, dass Du ihn bittest, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen (das und das ist passiert, mir kam der Verdacht, Sie seien das gewesen, stimmt das?) Oder so, dass Du konkrete Vorfälle (die Du notfalls über Bilder und Protokolle belegen kannst) aufführst und ihn aufforderst, sowas künftig zu unterlassen.
Je länger Du noch mit diesen Menschen unter einem Dach zu leben planst, desto vorsichtiger würde ich an diese Sache herangehen. Es macht zwar Spaß solche Briefchen zu schreiben, aber wenn ich dann die nächsten 10 Jahre die Hölle im Hausgang habe, dann muss man sich fragen, ob es das Wert war.....
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