Jethro Tull
Jethro Tull, das waren Ian Anderson (fl, voc. harm, g), Glenn Cornick (bg), Mick Abraham (g), Clive Bunker (dr), die sich 1967 in London zusammenfanden. Dabei dominierte Anderson sein Unternehmen Jethro Tull als Komponist, Texter, Arrangeur, Produzent, Sänger und Flötist. Da stand er auf der Bühne - ein schmächtiger kauziger Mann mit spindeldürren Beinen und seiner Querflöte in den feingliedrigen Fingern und löst seit über 35 Jahren im beständigen Wechsel frenetischen Jubel und barsche Ablehnung unter den Fans und Fachmedien aus.
"Too Old To Rock'n Roll: Too Young To Die", nannte Jethro Tull-Bandleader Ian Anderson eine seiner besseren Platten. Nicht mehr lange, möchte man hinzufügen, denn mittlerweile ist der Mann mit der Flöte deutlich über fünfzig Jahre, was für einen Rockstar ja ein ganz respektables Alter ist. Unverwüstlich scheint indessen seine Musik: Die Mischung aus britischer Folklore, Klassik- und Rock'n'Roll kommt auch gut 35 Jahre nach der Gründung von Jethro Tull beim Publikum an.
Der erste (bekannte) Träger des seltsamen Namens war ein englischer Landwirt und Schriftsteller. 1731 erschien Tulls Buch "Wie man Pferde richtig beschlägt und anderes Wissenswertes aus der Landwirtschaft". Skurriler Eigensinn prägt auch die Musik des Briten, der 1968 seine erste Single "Sunshine Day" unter dem Namen "Jethro Toe" veröffentlicht, weil er fürchtet, dass man Jethro Tull für eine Einzelperson halten könnte. Andersons markante Stimme und die unvermeidliche Flöte finden bald eine feste Fangemeinde. Bereits 1976 kann Jethro Tull 25 Millionen verkaufte Platten vorweisen.
Im Verlaufe der Jahre wechselten die Besetzungen es kamen u. a. Martin Lancelot Barre (g), John Evans (p, org, mellotron), Jeffrey Hammond Hammond (bg), dazu. Konnten den Sound aber nicht nachhaltig verändern, sondern lediglich Anderson unterstützen.
Der Durchbruch gelingt Jethro Tull Anfang der 70er mit "Aqualung", vor allem der stürmische "Locomotive Breath" überzeugt sogar die Hardrockfraktion, die sonst eher auf Flöten pfeift. Als späte Anerkennung erhalten Jethro Tull 1988 den Grammy in der Kategorie "Best Heavy Metal Band". Da ist sogar Ian Anderson überrascht und erst recht die ebenfalls nominierten (und eigentlich favorisierten) Metallica.
Kritiker mäkeln, dass die Musik von Jethro Tull sich seit "Aqualung" nicht mehr entwickelt habe, die Fans finden wahrscheinlich genau das ganz toll. Aber Totgesagte leben länger, und 1999 veröffentlichen Jethro Tull nach langer Pause wieder ein Studioalbum. Mit "J-Tull Dot Com" beweist Anderson erneut seinen melodischen Einfallsreichtum und lässt sogar behutsam modernisierte Arrangements zu.
Wie bei vielen Kollegen aus der selben Zeit beginnt eine neue produktive Phase. Neben ausgedehnten Tourneen findet Anderson Zeit fürs Studio. Neben den Soloalben "The Secret Language Of Birds" (2000) und "Rupi's Dance" (2003) kommt pünktlich zur Weihnachtszeit 2003 ein "Jethro Tull Christmas Album" auf den Markt.
Diskographie:
1968 - This Was
1969 - Stand Up
1970 - Benefit
1971 - Aqualung
1972 - Thick As A Brick
1972 - Living In The Past
1973 - A Passion Play
1974 - War Child
1975 - Minstrel In The Gallery
1976 - M.U. - The Best Of
1976 - Too Old To Rock 'N' Roll, Too Young To Die
1977 - Songs From The Wood
1977 - Repeat - The Best Vol. 2
1978 - Heavy Horses
1978 - Bursting Out - Live
1979 - Stormwatch
1980 - A
1982 - The Broadsword And The Beast
1984 - Under Wraps
1985 - Original Masters
1987 - Crest Of A Knave
1988 - 20 Years Of Jethro Tull
1989 - Rock Island
1991 - Live At Hammersmith
1991 - Catfish Rising
1991 - Nightcap - The Unreleased Masters
1992 - A Little Light Music
1993 - 25 Anniversary Box Set
1993 - The Other Box Set
1995 - Roots To Branches
1999 - J-Tull Dot Com
2000 - The Secret Language Of Birds
2003 - Rupi's Dance
2003 - The Jethro Tull Christmas Album
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