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  • 4 Beitrag von Supernature
Thema: Kampf gegen Krebs vs. Der gläserne Patient Neue Vorschriften geplant: Krankenkassen sollen mehr für Krebsvorsorge tun - Wirtschaft - FAZ Klingt erst mal gut. Statt bürokratischen Lösungen ...
  1. #1
    treuer Stammgast
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    Kampf gegen Krebs vs. Der gläserne Patient

    Neue Vorschriften geplant: Krankenkassen sollen mehr für Krebsvorsorge tun - Wirtschaft - FAZ

    Klingt erst mal gut. Statt bürokratischen Lösungen will man sich mehr am einzelnen Gesunden wie Kranken orientieren. Krebspatienten sollen die Herrschaft über ihre Daten behalten und nicht dafür bestraft werden, wenn sie nicht an den empfohlenen Vorsorgeprogrammen teilgenommen haben.

    Aber ehrlich gesagt fühl ich mich damit sehr unwohl. Wie will man z.B. Gesunde gezielter "einladen" ohne über deren Risikoprofil zu verfügen? Das geht nicht ohne eine zentrale Datensammlung, Stichwort "Gesundheitskarte". Also erst mal freiwillig. Aber wie lange wird es dann dauern, bis dann zur "Kostendämpfung" Menschen die nicht ihre Daten freiwillig preisgeben finanziell bestraft werden? Mit der Argumentation:
    "Wir hätten sie ja schon früher zur Prävention eingeladen und damit ihre Heilungschancen verbessert, wenn sie sich bei ihren Daten nicht so angestellt hätten. Nun können sie nicht erwarten das die Solidargemeinschaft für sie im vollen Umfang aufkommt."
    Und wie lange wird es dauern bis man das nicht nur beim Schreckgespenst "Krebs" so macht, sondern bei allen Krankheiten?
    Und wie lange wird es dauern bis der Krankenkassenbeitrag dann aufgrund eines persönlichen Risikoprofils errechnet wird?
    Und wie lange dauert es bis dann analog zum geplanten Meldegesetz Krankheitsdaten an die Privatwirtschaft vertickt werden? Sei es legal oder weil sich Verwaltungsangestellte unter der Hand was dazu verdienen wollen?

    Das Ganze liest sich wie Gesundheitskarte durch die Hintertür. Diesmal nicht durch Kosteneinsparungen begründet, sondern weil man sich um das Wohl des Einzelnen "sorgt".

    Das die FAZ das in die Rubrik "Wirtschaft" einordnet, könnte man schon fast als Freudschen Versprecher werten.

    Ich persönlich find das alles sehr ungut. Ich möchte nicht zwangsverpflichtend zum Arzt wackeln müssen, der dann in ein paar Minuten mein ganz persönliches Krebsrisiko festlegt und mich dann zu so und so viel Spezialisten überweist, die dann auch noch mal schauen wo sie mich möglichst pathologisieren, damit sie möglichst viele Abrechnungsmöglichkeiten haben. Denn wird der Durchschnittsarzt mich für halbwegs gesund befinden und mich wieder nach Hause schicken, oder wird er mich als so gefährdet bzw. krank hinstellen wie möglich, damit ich möglichst bald wieder kommen muss und ihm so erneut Geld einbringe?

    Das verspricht ein ganz schlechter Kreislauf zu werden. Die 21jährige Studentin latscht zur "angebotenen" Vorsorge damit sie keine Strafbeiträge zahlen muss, der Hausarzt überweist sie mit der Begründung zur Darmspiegelung, das die Großmutter letztens an Krebs gestorben ist. Das wird an die Krankenkasse weitergemeldet, die sie dann zwangsverpflichtet denn Unsinn alle paar Jahre zu machen. Und nach dem Studium wundert sie sich weshalb sie so schwer einen Job kriegt. Das die potentiellen Arbeitgeber ihre Krankheitsdaten haben und ihr Ausfallrisiko als zu hoch bewerten, weiß sie ja nicht.

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  3. #2
    Der Pessimist Avatar von Supernature
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    AW: Kampf gegen Krebs vs. Der gläserne Patient

    Um mal beim medizinischen Sprachgebrauch zu bleiben: Ein bisschen schwanger gibt es nicht.
    Und so kann es auch bei diesem Thema nur ein strenges entweder/oder geben:

    Die gesetzliche Krankenkasse funktioniert nach dem Solidarprinzip, jeder zahlt prozentual den selben Beitrag - und was noch viel wichtiger ist: Die Solidargemeinschaft kommt für alle notwendigen Kosten zur Beseitigung einer Krankheits- oder Unfallfolge auf - und zwar unabhängig vom "Verschulden" des Betroffenen.
    Wenn man daran zu rütteln anfängt, dann muss man neben genetischer Veranlagung auch Risikofaktoren wie Rauche oder Alkohol berücksichtigen - auch Übergewicht oder das Ausüben von gefährlichen Sportarten muss dann einen Einfluss darauf haben, wie viel "Selbstverschulden" einem Kranken oder Verletzten anzukreiden ist.
    Und da ich nicht möchte, dass die dafür notwendige Datensammlung von mir angelegt wird, bin ich auch umgekehrt gerne bereit, mit meinen Kassenbeiträgen die Behandlung von Lungenkrebs oder den Austausch einer kaputt gesoffenen Leber zu finanzieren.
    QuHno, Madame, oxfort und 1 weitere bedanken sich.

  4. #3
    Moderator Avatar von Bio-logisch
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    AW: Kampf gegen Krebs vs. Der gläserne Patient

    Bei dem Zahnartzt gibt es das ja schon - nur wer fleißig sein Bonushäftchen zur Jährlichen Inspektion mitbringt kriegt die vollen Leistungen bei seinen 3. Zähnen - nach dem Motto, vorbeugen ist besser als nachsorgen.

    Bricht sich da jemand eine Zacke aus der Krone? Ein bisschen weniger Schwarz / Weißmalerei hilft da glaub ich auch.

  5. #4
    Praktizierender Atheist Avatar von Grainger
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    AW: Kampf gegen Krebs vs. Der gläserne Patient

    Teilweise sehe ich das so wie Supie, teilweise aber auch nicht.

    Zumindest bei "Wiederholungstätern" bin ich der Meinung, dass ein wenig mehr Eigenverantwortung angebracht sein könnte.
    Wie viele Entziehungskuren soll die Solidargemeinschaft denn einem Abhängigen finanzieren?

    Dasselbe bei Diabetikern. Trotz massiven Übergewichts sind viele nicht bereit, ihre Ernährungsgewohnheiten umzustellen. Da erhalten sie eine umfangreiche Diabetesschulung inklusive Ernährungs- und Diätberatung und wenn man sie ein Jahr später wieder als Patienten sieht haben sie noch mal 30 kg zugelegt.

    In meinem weiteren Bekanntenkreis gibt es einen Diabetiker, der wird alle 2 Jahre zum Abspecken in eine Spezialklinik geschickt, nimmt da dann innerhalb von 6 Wochen ordentlich ab und frisst sich das dann wieder drauf. Der Großteil seiner diversen gesundheitlichen Probleme ist auf sein massives Übergewicht zurück zu führen. Ist allerdings ein (halber) Privatpatient (Beamter).

    Eine Chance billige ich jedem zu, aber die Merkbefreiheit Einzelner sollte nicht unbedingt durch die Solidargemeinschaft finanziert werden.

    Die Alternative wäre dann aber natürlich, dass man diesen Leuten im Wiederholungsfall die Behandlung auf Kosten der Solidargemeinschaft verweigert. Und wenn sie die nicht selbst finanzieren können, müssen sie eben die Konsequenzen tragen.

    Ob ich das tatsächlich will weiß ich selbst nicht so recht, aber Eigenverantwortung ohne Konsequenzen geht auch wieder nicht.

  6. #5
    assimiliert Avatar von Lollypop
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    AW: Kampf gegen Krebs vs. Der gläserne Patient

    Zitat Zitat von Grainger Beitrag anzeigen
    ......Die Alternative wäre dann aber natürlich, dass man diesen Leuten im Wiederholungsfall die Behandlung auf Kosten der Solidargemeinschaft verweigert. Und wenn sie die nicht selbst finanzieren können, müssen sie eben die Konsequenzen tragen.......
    Tja fein, so währen alle, die nicht Rauchen, für die "Bestrafung" der Raucher. Alle die nix saufen sind für "Bestrafung" derer mit Alkschäden. Jeder soll bestraft werden, der sich beim Skifahren ein Bein oder anderes bricht. Denn, genau so, wie jeder Raucher vor dem Anzünden einer Giftnudel weiß, daß die Lunge leidet, weiß der Skifahrer schon im voraus bein Anschnallen der Bretter, daß die Knochen leiden. Weiter sollten richtigerweise auch Fußballspieler bestraft werden, die Knieschäden erleiden, oder Hausfrauen, die beim Putzen von der Leiter purzeln, oder Fußgänger, die ungeeignetes Schuhmaterial der Mode wegen an den Haxen hängen haben... oder oder oder! Da mache ich Euch eine meterlange Liste. Wo, wie und bei wem, oder in welcher Altersstufe willste eine Grenze ziehen? Theoretisch schädigt der Mensch schon die Gemeinschaft, weil er sich weigert abzukratzen und so weiterhin Kosten verursacht. Ergo: wer sich weigert zu sterben, ist ein Solidarschädling.

    Ich halte es mit Supi. Wer weiß schon, was ihn wann trifft. Knurren und Löhnen, bleibt doch nix anderes. Ausser, der Kontostand ist dicke 7/8stellig, dann ist sowas primitives wie eine Krankenkasse nicht mehr unbedingt nötig

  7. #6
    kennt sich schon aus
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    AW: Kampf gegen Krebs vs. Der gläserne Patient

    Aber wie lange wird es dann dauern, bis dann zur "Kostendämpfung" Menschen die nicht ihre Daten freiwillig preisgeben finanziell bestraft werden?
    Die Gefahr seh ich prinzipiell auch, insbesondere mit dem Meldegesetz im Hinterkopf, aber würd jetzt auch nicht den Teufel an die Wand malen. Erstmal abwarten und beobachten, aufregen erst, wenn es konkreter wird, dann aber handeln, bevor es zu spät ist.

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