Neue Vorschriften geplant: Krankenkassen sollen mehr für Krebsvorsorge tun - Wirtschaft - FAZ
Klingt erst mal gut. Statt bürokratischen Lösungen will man sich mehr am einzelnen Gesunden wie Kranken orientieren. Krebspatienten sollen die Herrschaft über ihre Daten behalten und nicht dafür bestraft werden, wenn sie nicht an den empfohlenen Vorsorgeprogrammen teilgenommen haben.
Aber ehrlich gesagt fühl ich mich damit sehr unwohl. Wie will man z.B. Gesunde gezielter "einladen" ohne über deren Risikoprofil zu verfügen? Das geht nicht ohne eine zentrale Datensammlung, Stichwort "Gesundheitskarte". Also erst mal freiwillig. Aber wie lange wird es dann dauern, bis dann zur "Kostendämpfung" Menschen die nicht ihre Daten freiwillig preisgeben finanziell bestraft werden? Mit der Argumentation:
"Wir hätten sie ja schon früher zur Prävention eingeladen und damit ihre Heilungschancen verbessert, wenn sie sich bei ihren Daten nicht so angestellt hätten. Nun können sie nicht erwarten das die Solidargemeinschaft für sie im vollen Umfang aufkommt."
Und wie lange wird es dauern bis man das nicht nur beim Schreckgespenst "Krebs" so macht, sondern bei allen Krankheiten?
Und wie lange wird es dauern bis der Krankenkassenbeitrag dann aufgrund eines persönlichen Risikoprofils errechnet wird?
Und wie lange dauert es bis dann analog zum geplanten Meldegesetz Krankheitsdaten an die Privatwirtschaft vertickt werden? Sei es legal oder weil sich Verwaltungsangestellte unter der Hand was dazu verdienen wollen?
Das Ganze liest sich wie Gesundheitskarte durch die Hintertür. Diesmal nicht durch Kosteneinsparungen begründet, sondern weil man sich um das Wohl des Einzelnen "sorgt".
Das die FAZ das in die Rubrik "Wirtschaft" einordnet, könnte man schon fast als Freudschen Versprecher werten.
Ich persönlich find das alles sehr ungut. Ich möchte nicht zwangsverpflichtend zum Arzt wackeln müssen, der dann in ein paar Minuten mein ganz persönliches Krebsrisiko festlegt und mich dann zu so und so viel Spezialisten überweist, die dann auch noch mal schauen wo sie mich möglichst pathologisieren, damit sie möglichst viele Abrechnungsmöglichkeiten haben. Denn wird der Durchschnittsarzt mich für halbwegs gesund befinden und mich wieder nach Hause schicken, oder wird er mich als so gefährdet bzw. krank hinstellen wie möglich, damit ich möglichst bald wieder kommen muss und ihm so erneut Geld einbringe?
Das verspricht ein ganz schlechter Kreislauf zu werden. Die 21jährige Studentin latscht zur "angebotenen" Vorsorge damit sie keine Strafbeiträge zahlen muss, der Hausarzt überweist sie mit der Begründung zur Darmspiegelung, das die Großmutter letztens an Krebs gestorben ist. Das wird an die Krankenkasse weitergemeldet, die sie dann zwangsverpflichtet denn Unsinn alle paar Jahre zu machen. Und nach dem Studium wundert sie sich weshalb sie so schwer einen Job kriegt. Das die potentiellen Arbeitgeber ihre Krankheitsdaten haben und ihr Ausfallrisiko als zu hoch bewerten, weiß sie ja nicht.
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