Sehr geehrte Frau <Name entfernt>!
Zu Ihrer Beschwerde/Prüfungsnr. 00000 vom 16.02.06 nehme ich wiefolgt Stellung:
Als verantwortungsbewusster Webmaster (und nebenbei auch Familienvater) war ich
über die geäußerten Vorwürfe zunächst sehr erschrocken.
Nachdem ich jedoch sah, worauf sich die Beschwerde bezieht, konnte ich
erleichtert und herzhaft darüber lachen.
Diese fröhliche Stimmung schlug jedoch schnell in Wut um: "Haben die wirklich
keine anderen Probleme? Dann wundert es mich nicht, warum es um den Schutz
unserer Kinder so schlecht bestellt ist", schoss es mir durch den Kopf.
Egal wann ich den Fernseher einschalte - ständig werde ich mit Programmen
konfrontiert, die ich meinen Kindern gerne ersparen möchte.
Nachmittags laufen Talkshows, wo in niederer Fäkalsprache auch und
vor allem über Sex-Themen "diskutiert" wird.
In diversen Vorabendserien werden hemmungslos Nackt- und Sexszenen gezeigt,
und abends lernen heranwachsende Mädchen dann in einer Model-Castingshow,
dass sie quasi lebensunfähig sind, wenn sie mehr als 40 Kilo wiegen.
In (Jugend-)Zeitschriften und Zeitungen das selbe Bild - jeder noch so
minderwertige Inhalt wird mit ein paar Tittenbildchen noch zum Verkaufsschlager.
Und das Internet, auf welches sich Ihre Beschwerde ja bezieht? Da ist jeder
Kommentar überflüssig. Kaum noch eine Seite, wo nicht irgendwelche Popups
aufgehen, die für zwielichtige Angebote wie Webcams, Flirtseiten und dergleichen
werben. Selbst große und renommierte Onlinemagazine schrecken davor nicht mehr
zurück.
Und da soll ein satirischer Text, versehen mit einem Bild, auf dem ein paar nackte
Frauenpopos zu sehen sind, die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen
gefährden und beeinträchtigen?
Wissen Sie was?: Ich wünschte, es wäre so.
Ich wünschte, wir hätten tatsächlich keine größeren Probleme.
Dann könnte ich das entsprechende Bild löschen und mich mit dem
beruhigenden Gefühl zurücklehnen, etwas Gutes getan zu haben.
So aber tue ich das mit dem Gefühl, ein paar pseudomoralistischen Bürokraten
einen Gefallen zu tun, um mir selbst weiteren Ärger zu ersparen.
Sie schreiben, dass sich ein Dritter über diese Webseite bei Ihnen beschwert hat,
und nennen ihn den "Beschwerdeführer". Diese Bezeichnung ist eine irreführende
Verniedlichung - im Sinne einer verständlichen Sprache, auch das ist für unsere
Kinder wichtig, sollten wir den korrekten Begriff verwenden: er lautet "Denunziant".
Hätte der Denunziant einen Blick in unser Impressum geworfen, dann hätte er dort
gelesen, dass wir stets um Klärung bemüht sind, wenn jemand Antoß an irgendwelchen
Dingen nimmt:
http://www.supernature-forum.de/mail.php
Darum geht es dem Denunzianten aber wahrscheinlich gar nicht. Er braucht dieses
geile Gefühl, wieder jemanden gemeldet zu haben. Er braucht es genau so nötig
wie die frische Box Kleenex auf dem Schreibtisch, wenn er zu seinen allabendlichen
Expeditionen ins Internet aufbricht, um nach neuen Porno-Seiten zu suchen - zum Wohle
und Schutz unserer Kinder, versteht sich.
Ich würde gerne mal einen Blick auf die Festplatte des Denunzianten werfen - oder nein,
lieber nicht...
Entschuldigung, ich schweife zu sehr ab, kommen wir zurück zum Thema:
Ich habe das beanstandete Bild entfernt. Nicht, weil ich Sie im Recht sehe, sondern als
ein Zeichen des guten Willens meinerseits, und als Beleg dafür, dass ich Ihre Motive im
Grunde gut heiße - aber machen Sie Ihre Arbeit um Himmels willen auch ordentlich!
Greifen Sie die "großen Tiere" an und machen Sie denen mal ordentlich Dampf.
Mit Alibi-Aktionen wie diesen sorgen Sie höchstens dafür, dass man Sie nicht mehr
ernst nimmt. Für die Sache, um die es Ihnen (hoffentlich ausnahmslos?) geht, tun Sie
damit nicht das Geringste.
Den Spruch "die Kleinen fängt man, und die Großen lässt man laufen" kennen Sie sicher,
er passt hier leider ziemlich gut.
In der Öffentlichkeit haben Jugendschutzorganisationen kein gutes Image.
Viele Leute sind der Meinung, dass dort hauptsächlich verklemmte Bürokraten sitzen,
die alles wissen, nur nichts vom Leben.
Leider weiß ich nach Erhalt Ihrer Mail nun nicht mehr, was man dem entgegensetzen könnte.
Wenn die Welt so wäre, wie sie sein sollte, dann bräuchte es überhaupt keinen Schutz,
weil verantwortungsbewusste Eltern ihre Kinder ja nicht unbeaufsichtigt ins Internet
lassen bzw. entsprechende technische Schutzmassnahmen getroffen haben, welche die
Darstellung von Seiten mit entsprechendem Inhalt verhindern.
So ist es beispielsweise bei mir zu Hause, aber grundsätzlich ist das natürlich nur
eine schöne Wunschvorstellung, dessen bin ich mir bewusst.
Da ich der Meinung bin, dass Themen wie diese von öffentlichem Interesse sind, habe ich
mir erlaubt, den Schriftwechsel unter folgender URL zu veröffentlichen:
Vorwurf: SNN-Artikel pornografisch und "entwicklungsbeeinträchtigend"
Sollte es weitere Inhalte auf der besagten Webseite geben, die Ihrer Meinung nach
"entwicklungsbeeinträchtigend" sind, dann teilen Sie mir diese bitte konkret mit,
und belassen es nicht bei nebulösen Andeutungen. Ich bin gerne bereit, mit Ihnen darüber
zu diskutieren.
Andernfalls bitte ich um kurze Bestätigung, dass der Fall für Sie abgeschlossen ist,
damit auch ich ihn zu den Akten legen kann.
Bis dahin verbleibe ich mit freundlichen Grüßen
Martin Geuß